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Russische Propaganda im Staatsfernsehen: „UN wollen Atomkraftwerk Saporischschja verminen“

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Von: Karolin Schäfer

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Die Internationale Atomenergiebehörde will das unter Beschuss stehende Atomkraftwerk Saporischschja besuchen. Russland warnt infolgedessen vor westlichen Minen.

Moskau – Die Spannungen rund um das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Ukraine-Krieg nehmen zu. Das Gebiet befindet sich beinahe täglich unter Beschuss, zeitweise gab es im AKW auch einen Stromausfall.

Nun will nach wochenlangem Ringen die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) noch in dieser Woche die Region besuchen. „Wir müssen die Sicherheit der größten Nuklearanlage der Ukraine und Europa schützen“, schrieb Generaldirektor der Organisation, Rafael Grossi, am Montag (29. August) beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die IAEA ist mittels eines Vertrages an die Vereinten Nationen (UN) gebunden. Sie berichtet einmal jährlich der Generalversammlung über nukleare Entwicklungen und kann die UN darauf hinweisen, wenn eine Gefährdung der internationalen Sicherheit bevorsteht.

Saporischschja
Das Kernkraftwerk Saporischschja steht im Südosten der Ukraine. Russische Truppen kontrollieren das Gebiet. © Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Atomkraftwerk Saporischschja: Russischer Politiker warnt vor Minen der UN

Ganz ohne russische Propaganda kommt der Besuch der IAEA in Saporischschja aber dann doch nicht aus. Ein russischer Politiker deutete im amtlichen Staatsfernsehen an, dass Beamte der IAEA bei ihrem Besuch das AKW verminen könnten, wie unter anderem das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek berichtete.

„Ihr Besuch wird für uns erfolgreich sein, wenn ihre polnischen und litauischen Vertreter das Kernkraftwerk Saporischschja nicht verminen“, sagte Michail Deljagin, ein Abgeordneter der Duma, dem Sender Russia-1. Deljagin erwarte eine „sehr lange, sehr schmerzhafte, sehr beängstigende Zeit der Instabilität.“ Man befinde sich erst in der Anfangsphase. „Wir sehen, dass die westlichen Nationen von gestörten Individuen geführt werden“, so der Abgeordnete weiter.

Atomkraftwerk Saporischschja: Russland und Ukraine beschuldigen sich gegenseitig

Das Kernkraftwerk Saporischschja gilt als eines der größten in Europa. Seit dem 1. März wird die Anlage von Wladimir Putins Streitkräften besetzt. Angesichts der Kämpfe um das AKW wächst die Angst vor einer möglichen nuklearen Katastrophe.

Schuld an dem Beschuss will offenbar keine der beiden Konfliktparteien sein. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig die Angriffe auf das AKW vor. Russland habe am Dienstag (30. August) „einen Raketenangriff auf die Stadt Saporischschja ausgeübt“, schrieb der Leiter der Militärverwaltung, Oleksandr Starukh, bei Telegram. Verletzt sei bisher niemand. Zudem seien auch keine „nennenswerten Schäden an Infrastruktureinrichtungen zu verzeichnen.“

Russland hingegen meldete Angriffe vonseiten der ukrainischen Truppen. Das Gelände des AKWs sei beschossen worden, in der Nähe des Brennstofflagers hätte es infolgedessen zwei Explosionen gegeben, teilte die Besatzungsverwaltung der Stadt Enerhodar, wo sich das Kraftwerk befindet, auf Telegram mit. Unabhängig prüfen lassen sich die Informationen vorerst nicht. (kas)

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