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Gewalt, Täuschung und Druck: Angehörige russischer Soldaten beklagen Zustände im Militär

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Von: Vincent Büssow

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Russische Soldaten.
Wehrpflichtige aus Russland sollen gezwungen werden, im Ukraine-Krieg zu kämpfen. Angehörige werfen dem Militär dabei Täuschung und Gewalt vor. (Archivbild) © Russisches Verteidigungsministerium/dpa

Briefe an das russische Militär zeigen die brutale Behandlung eigener Soldaten im Ukraine-Krieg. Wehrpflichtige werden zwangsrekrutiert – zur Not mit Gewalt.

Moskau – Die Veröffentlichung von Briefen an die Militärstaatsanwaltschaft von Russland zeigt einen brutalen Umgang mit Wehrpflichtigen im Ukraine-Krieg. Das russische Investigativmagazin The Insider hat entsprechende Dokumente offengelegt und deren Echtheit eigenen Angaben zufolge unabhängig überprüft. Die Anschuldigungen darin reichen von der Vorenthaltung von Informationen über Zwangsrekrutierung bis zu Kriegsverbrechen am eigenen Volk.

Hunderte Beschwerdebriefe an das russische Militär will The Insider im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine angesehen haben. Viele davon beschäftigen sich mit der Zwangsrekrutierung junger Wehrpflichtiger und dem Informationsloch, dem sich Angehörige daraufhin ausgesetzt sehen. Den russischen Gesetzen zufolge ist es eigentlich verboten, Wehrpflichtige mit geringem Training in Einsatzgebiete zu schicken. Dennoch gibt es immer wieder Berichte darüber, dass im Ukraine-Konflikt genau das passiert. Als Grund dafür gelten die hohen Verluste Russlands im Ukraine-Krieg. Den Beschwerdebriefen zufolge geschieht dies durch Täuschung, Druck und Gewalt.

Angehörige klagen: Russland täuscht eigene Soldaten im Ukraine-Krieg

So schreibt ein Elternteil von seinem 20-jährigen Sohn, der unter falschen Vorwänden stationiert worden sein soll: „Er sagte, sie nehmen ihn zum Üben mit, aber es stellte sich heraus - in den Krieg. Im Moment wird er in Richtung Ukraine transportiert.“ An anderer Stelle wird von dem emotionalen Druck berichtet, das „Mutterland zu verteidigen“.

In den brutalsten Fällen ist sogar die Rede davon, dass Wehrpflichtige von Kommandeuren geschlagen worden seien, um sie dazu zu zwingen, einen Vertrag zu unterschreiben. Die Briefe enden oft mit der Bitte um Informationen über die jungen Soldaten. „Bitte teilen Sie mir den Verbleib meines Kindes mit“, schreibt ein Elternteil.

Russlands Militär im Ukraine-Krieg: „Kein Grund, unsere Kinder wie Hunde zu behandeln“

Auch die Umstände, unter denen die russischen Soldaten im Ukraine-Krieg leben, werden in den Briefen heftig kritisiert. Manchen Einsatztruppen soll es nicht möglich gewesen sein, Sanitäranlagen zu benutzen. Außerdem gebe es nicht genügend Essen und Wasser. „Ich verstehe, dass das die Armee ist“, schreibt ein Elternteil an die Militärstaatsanwaltschaft, „aber das ist kein Grund, unsere Kinder wie Hunde zu behandeln.“

Schwerwiegende Vorwürfe kommen auch aus den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Demnach haben Soldaten dieser Territorien, die unter der Protektion Russlands stehen, Menschen bestohlen, deren Häuser besetzt und ihr Eigentum zerstört. „Wir sind Bürger der Russischen Föderation“, heißt es in einem Brief. „Aber die Brutalität, die meine Verwandten seitens des russischen Militärs erfahren haben, darf nicht verschwiegen werden.“ (vbu)

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