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„Wir müssen alles selbst kaufen“: Russische Soldaten beklagen schlechte Ausrüstung

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Von: Nail Akkoyun

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Ein russischer Soldat in der Ukraine. Die Ausrüstung müssen sich die Streitkräfte meist selbst kaufen.
Ein russischer Soldat in der Ukraine. Die Ausrüstung müssen sich die Streitkräfte meist selbst kaufen. (Symbolfoto) © Alexey Maishev/Imago Images

Russische Soldaten berichten, dass sie vom Militär nichts gestellt bekommen und ihre Ausrüstung selbst zahlen müssen. Der Online-Handel floriert.

Moskau – Russische Soldaten, die gegen die Ukraine in den Krieg ziehen müssen, müssen ihre persönliche Ausrüstung selbst bezahlen. Dies gaben mehrere russische Streitkräfte im Gespräch mit der Online-Zeitung The Moscow Times an. Die Identität der Soldaten sollen allerdings anonym bleiben. Zu den kostenpflichtigen Gegenständen, die offenbar nicht von der Armee zur Verfügung gestellt werden, gehören demnach unter anderem Schuhe, Schutzwesten und Verbände.

„Wenn sie dir eine Felduniform ausstellen, hast du Glück – du kannst etwas Geld sparen. Wir müssen immer noch die Jacke und die Hose kaufen, zumindest als Wechselkleidung“, sagte ein Vertragsbediensteter der russischen Nationalgarde Rosgvardia. „Ich bin froh, wenn sich unsere Ausgaben für die Uniformen auszahlen und wir nicht um unseren Lohn gebracht werden.“

Die Männer erzählten weiter, dass ihnen ein monatliches Gehalt von etwa 200.000 Rubel (3229 Euro) versprochen wurde, sollten sie sich vertraglich dazu bereit erklären, am Ukraine-Krieg teilzunehmen.

Ukraine-Krieg: Russische Soldaten müssen Ausrüstung selbst zahlen

„Eine Kampfweste der Stufe 4, die sowohl Pistolen- und Gewehrschüsse als auch Schrapnell aufhalten kann, kostet im Durchschnitt 70.000 Rubel (1130 Euro)“, sagte der Soldat der Rosgvardia.. „Ein Helm kostet weitere 10.000 Rubel (161 Euro). Anständige Stiefel kosten etwa 5000 Rubel (80 Euro), und sie brauchen eigentlich zwei Paar. Eine taktische Weste kostet zwischen 5000 und 10.000 Rubel. Außerdem muss man noch eine Jacke, Hosen, T-Shirts und Pullover kaufen. Das macht etwa 200.000 Rubel aus.“

Ein anderer Soldat aus Russland erklärte, dass es „keine warme Kleidung, keine Trockenrationen oder Erste-Hilfe-Kästen“ gebe. „Die gesamte Ausrüstung, mit der wir in der Ukraine kämpfen, stinkt nach Mottenkugeln, und die Waffen klemmen.“ Doch das für ihn Schlimmste: „Wir müssen alles selbst kaufen, mit unserem eigenen Geld.“

Seit Kriegsbeginn gibt es zahlreiche Berichte, denen zufolge das russische Militär in der Ukraine mit logistischen und Versorgungsproblemen zu kämpfen hat. Laut ukrainischen Medienberichten haben einige russische Soldaten sogar Schuhe von getöteten ukrainischen Streitkräften gestohlen.

Soldaten kaufen Ausrüstung für Ukraine-Krieg online: „Ein billiger Helm ist nur eine Mütze“

Die Online-Militärgeschäfte profitieren indes vom Ukraine-Konflikt. Das Ausrüstungsgeschäft Avangard verzeichnete etwa eine steigende Nachfrage nach Schutzwesten, Helmen und kugelsicheren Uniformen, sagte ein Verkäufer gegenüber der Moscow Times. „Visierte Helme sind am teuersten. Ein billiger Helm ist nur eine Mütze. Das Visier schützt die Augen, daher ist der Preis höher“, sagte der Mann.

Jedoch kaufen die meisten Soldaten ihre Ausrüstung nicht in Fachgeschäften, sondern auf dem beliebten russischen Online-Marktplatz Avito. Laut einem Avito-Verkäufer wollen „viele Leute“ kämpfen. Daher seien sämtliche Gegenstände und Ausrüstungen gefragt. Selbst vom russischen Verteidigungsministerium ausrangierte Ware, die allerdings „zu 100 Prozent hochwertig“ sei.

Die Soldaten, die mit der Moscow Times sprachen, gaben an, dass sie keinen Ganzkörperschutz der russischen Streitkräfte erhalten haben – bei Avito lässt sich dieser aber kaufen. Dem Verkäufer zufolge sei jedoch der „Gladiator-Körperpanzer“, den es ebenfalls bei Avito zu kaufen gibt, ohnehin die bessere Option. „Kaufen Sie die beste Ausrüstung und machen Sie keine Schnäppchen. Am Leben zu bleiben, ist es wert.“ (nak)

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