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Ukraine-Krieg: Ein Minister wird deutlich

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Von: Peter Rutkowski

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Pentagon-Chef Lloyd Austin skizziert die Zukunft der Ukraine – und auch die Russlands.

Warschau/Kiew/Washington - Wenn man in der Politik nach Klartext sucht, wird man bei Politikerinnen und Politikern selten fündig werden; dafür braucht es in der Regel Quereinsteiger:innen. Lloyd Austin ist so einer. Der ehemalige US-General ist jetzt US-Verteidigungsminister. Auf dem Rückweg von Kiew mit dem US-Chefdiplomaten Antony Blinken hat er der Presse am Montag (25.04.2022) in Polen gesagt, wie er künftig Russland sehen will: „So geschwächt, dass es nicht mehr die Sachen machen kann, die es bei seiner Invasion in der Ukraine getan hat.“

Und die Ukraine? „Sollte ein eigenständiger Staat bleiben, ein demokratisch regiertes Land, in der Lage, seine Souveränität zu schützen.“ Um das in Zukunft tun zu können, so Austin, brauche das Land jetzt „die richtige Ausrüstung“ und „die richtige Unterstützung“, dann würde die Ukraine diesen Krieg auch gewinnen. „Und der erste Schritt zum Gewinnen ist daran zu glauben, dass du gewinnen kannst.“ Den Glauben wollte niemand am 61. Tag des unverhofft erfolgreichen Widerstandskampfes unterminieren.

Von der russischen Artillerie zerschossen: ein Wohnviertel in Irpin bei Kiew.
Von der russischen Artillerie zerschossen: ein Wohnviertel in Irpin bei Kiew. © afp

Und also sicherte Austin Kiew weitere Militärhilfe zu – „so viel wie möglich so schnell wie möglich“ zu geben. Er habe von Selenskyj wichtige Informationen dazu bekommen, was das Land brauche. An diesem Dienstag will er beim Treffen mit Amtskolleg:innen von Nato-Partnern und Verbündeten im deutschen Ramstein besprechen, wie weiterhin schnell geholfen werden kann.

Ukraine-Krieg: Russische Offensive steht bevor?

Zwei Monate lang schon widersteht die Ukraine dem, was früher im Westen „sowjetische Dampfwalze“ genannt wurde. Aber so wie die Sowjetunion nicht mehr existiert, so ist das auch mit dem „steamroller“ eher Historie: Aus dem Norden haben sich die russischen Truppen zurückgezogen, in ihrem neuen – und nach der Propaganda des Kreml immer schon hauptsächlichen – Offensivraums im Osten und im Südosten, im Donbass und entlang der Schwarzmeerküste kommen sie aber bestenfalls schleppend voran.

Kiew bleibt allerdings bei seiner Warnung, dass der entscheidende Stoß der Invasoren erst noch bevorstehe. Wie soll man dann die Angriffe dieses Montags in der Ukraine bewerten? Raketen im Hinterland auf Lwiw, in der Region Rivne, auf Korosten, im Gebiet Winnyzja, auf Uman, Odessa, Mykolajiw, nahe Cherson, Krementschuk, rauf und runter entlang der gesamten Frontlinie... Nördlich der Krim in Richtung Krywyj Rih sollen sich russische Panzerverbände zusammenziehen, ebensolche hätten ohne Erfolg versucht, am Montag in Richtung Saporischschja durchzustoßen, meldeten lokale ukrainische Einheiten. In dem noch unbesetzten Teil der Region Donezk soll es zu erfolgreichen Abwehrkämpfen gegen vorrückendes russisches Militär gekommen sein.

Ukraine-Krieg: Keine Vereinbarung über einen Fluchtkorridor

Und was die Verlässlichkeit von Aussagen einer Kriegspartei angeht: Am Montagmittag meldete Russland, man werde um 13 Uhr (MESZ) das Feuer einstellen, um einen humanitären Fluchtkorridor zu öffnen für die im Asowstal-Werk in Mariupol festsitzenden Zivilpersonen. Rund 1000 sollen in dem kontinuierlich bombardierten Werk sein. Um 14 Uhr konstatierten die ukrainischen Behörden, bislang gebe es keinerlei Vereinbarung bezüglich des Korridors.

Vize-Premierministerin Iryna Wereschtschuk erklärte: Man müsse verstehen, dass humanitäre Korridore nur durch eine Übereinkunft beider Seiten geöffnet würden. „Ein unilateral verkündeter Korridor ist nicht sicher und also kein humanitärer Korridor.“ (Peter Rutkowski mit dpa)

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