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Ukraine – Es droht ein jahrelanger Krieg mit Russland

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Von: Peter Rutkowski

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Die Ukraine muss sich nach zwei Monaten Krieg auf eine sehr lange Leidenszeit einrichten. Im Osten des Landes gibt es erneut Raketenangriffe.

Kiew – Zwanzig in die eine Richtung, 46 in eine unbekannte andere: Die Rettung von Zivilpersonen aus dem immer noch umkämpften Asowstal-Werk in Mariupol und dessen Umgebung geht quälend langsam voran. Am Sonntag (01.05.2022) hieß es, eine von den UN organisierte Evakuierung sei angelaufen. Würde sie gelingen? Würde sie scheitern, wie schon unzählige Versuche davor?

Das alles blieb vorerst genauso offen wie das Schicksal jener 46 Menschen, von denen russische Agenturen am Wochenende berichteten, sie seien aus Wohnblocks neben dem Stahlwerk gerettet worden und würden nun versorgt. Wo? Wie lange? Wohin würde das russische Militär sie bringen? Niemand konnte das beantworten, niemand auf russischer Seite wollte das beantworten. So wenig wie auch am 67. Tag des Ukraine-Krieges niemand zwischen Donezk und Moskau reagierte auf Fragen nach dem Verbleib von wohl einer guten halben Million ukrainischer Zivilpersonen oder mehr, die aus Gebieten unter russischer Kontrolle nach Russland gebracht wurden. Oder verschleppt wurden, wenn man dem Sprachgebrauch Kiews folgt.

Anwohner schließen die Fenster eines Wohnhauses mit Sperrholz nach russischem Beschuss in Dobropillja in der Region Donezk in der Ostukraine.
Anwohner schließen die Fenster eines Wohnhauses mit Sperrholz nach russischem Beschuss in Dobropillja in der Region Donezk in der Ostukraine. © Evgeniy Maloletka/dpa

Ukraine-Krieg wird noch Monate dauern

Ob diese Menschen die Ukraine, ihre Familien, ihre Freunde jemals wiedersehen werden, ist zweifelhaft. Die Zwangsumsiedlung ganzer Völkerschaften zwecks politisch-kultureller Entwurzelung hat in Russland seit spätestens den Tagen Stalins eine bittere, brutale Tradition. Jene Teile des Westens, die die Ukraine unterstützen – allen voran die USA –, sprechen nun auch offen davon, dass der Krieg nicht mehr in Tagen oder Wochen bemessen werden sollte, sondern in Monaten, gar in Jahren. Also droht sich an dem Verschwinden ganzer Teile des ukrainischen Volkes nichts absehbar zum Guten zu wenden.

Wie zur Unterstreichung dieser deprimierenden Erkenntnis heulten am Sonntag die Luftalarmsirenen in dem weiten östlichen Frontbogen von Poltawa über Dnipro und Saporischschja bis nach Odessa. Aus dem Donezker Rebellengebiet sollen Raketen aufgestiegen sein. Über Odessa nahm es die ukrainische Luftabwehr mit einer russischen Drohne auf.

Ukraine-Krieg: Kiew verzichtet auf 40 Jahre alten „Gepard“-Panzer

Und auf der zu Kriegsbeginn für ein ukrainisches „Fuck you“ zur russischen Marine berühmt gewordenen Schlangeninsel beschossen die Ukrainer offenbar dortige russische Stellungen. Die aufgebrachte russische Marine kreuzte dann in den Küstengewässern – immer eingedenk dessen, dass jüngst ihr Flaggschiff von ukrainischen Raketen zerstört wurde.

Und an der Medienfront heizte Andrij Melnyk, Kiews Botschafter in Berlin, der Bundesregierung wieder ein: Auf die zugesagten 40 Jahre alten „Gepard“-Panzer wolle man gern verzichten, zitierte ihn die „Bild am Sonntag“. Nötig seien „Leopard“ und „Marder“ „und vieles mehr“. (Peter Rutkowski mit rnd)

Die Lage in Mariupol ist nach wie vor angespannt. Russischen Angaben zufolge seien aus dem belagerten Asow-Stahlwerk inzwischen 46 Zivilistinnen und Zivilisten evakuiert worden.

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