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„Lebensstandard wird weiter sinken“: Russische Wirtschaft leidet enorm unter dem Krieg

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Von: Sebastian Richter

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Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist die ohnehin angeschlagene russische Wirtschaft weiter in Bedrängnis geraten. Die Zukunft für Russland ist alles andere als rosig.

Frankfurt – Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs enden nicht an der russischen Grenze. Während in den umkämpften Gebieten zahlreiche Soldat:innen sterben, ist die „Spezialoperation“, wie sie die russische Führung nennt, auch in Russland zu spüren. Die ohnehin schon geschwächte Wirtschaft Russlands leidet enorm unter dem Krieg, es gibt eine massive Inflation und Rezession.

„Statt eines erwarteten Wachstums von rund vier Prozent für 2022 und 2023 wird die russische Wirtschaft in diesen beiden Jahren voraussichtlich um acht Prozent schrumpfen“, sagt Politikexperte Brian D. Taylor von der Syracuse University gegenüber Forbes. Hintergrund seien die Sanktionen aus dem Westen, die die „Produktion in Schlüsselsektoren sehr hart getroffen haben“.

Russlands Wirtschaft: Lohnrückstände und Arbeitslosigkeit scheinen unvermeidlich

Die Auswirkungen werden noch deutlicher werden. Wladimir Putin führt in Russland eine Kriegswirtschaft ein. Dadurch werde die staatliche Kontrolle und auch die Ausgaben fürs Militär erhöht werden. Dieses Geld fehlt nun für Investitionen in die zivile Infrastruktur Russlands. Dabei wären diese Investitionen dringend nötig. Schon jetzt bedeuten geplatzte Wärmeleitungen für Menschen im Hinterland starke Einschränkungen. Tausende Menschen erfrieren jedes Jahr – und das war schon vor dem Krieg in der Ukraine so. „Der Lebensstandard wird weiter sinken, und ein Anstieg der Lohnrückstände und der Arbeitslosigkeit scheint ebenfalls unvermeidlich“, prognostiziert Russlandexperte Taylor gegenüber Forbes.

Dass in der Ukraine für die heimische Wirtschaft wichtige Arbeitskräfte gebunden sind, mache die Situation nicht besser, so Taylor. Hunderttausende kämpfen im Krieg, Berichten zufolge sind bereits rund 100.000 russische Soldat:innen in der Ukraine gefallen. Hunderttausende junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte haben das Land verlassen – insbesondere seit Ankündigung der Teilmobilisierung.

Eine Öl-Raffinerie. Die Wirtschaft Russlands steht durch die Sanktionen stark unter Druck.
Eine Öl-Raffinerie. Die Wirtschaft Russlands steht durch die Sanktionen stark unter Druck. © Patrick Pleul/dpa

News zum Ukraine-Krieg: Schlechte Aussichten für russische Wirtschaft

Sobald die westlichen Sanktionen ihre volle Wirkung entfalten, könnte sich die Lage in Russland noch weiter verschlechtern. Eine weitere Eskalation des Krieges im Laufe des Jahres konnten sie nicht verhindern. Allerdings sind die Sanktionen auch eher als Marathon, nicht als Sprint zu sehen, wie foreign policy berichtet.

Eine Maßnahme, die die russische Wirtschaft massiv beeinflussen könnte, kommt jetzt erst. Am 5. Dezember tritt das Ölembargo in Kraft, Rohöl aus Russland darf nur noch in Ausnahmefällen in die EU importiert werden. Sobald die Wirtschaftsstrafen richtig greifen, könnte das die ohnehin stark geschwächte Ökonomie noch weiter belasten.

Putin hat mit seinem Krieg gegen die Ukraine nicht nur die dortige Bevölkerung in die Bredouille gebracht. Auch die Menschen in Russland spüren den Krieg durch massive Inflation. Wie lange sich unter diesem Druck die russische Gesellschaft in ihrer jetzigen Form erhält, werden die nächsten Tage zeigen. (spr)

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