1. Startseite
  2. Politik

„Putins Koch“: Entweder Gefangene an die Front „oder Eure Kinder“

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

Der russische Oligarch Jewgeni Prigoschin ist erneut mit der Rekrutierung von Gefängnisinsassen für den Ukraine-Krieg in Verbindung gebracht worden. Das Foto zeigt die Strafkolonie N2 in der Stadt Pokrow, in die der Putin-Kritiker Alexej Nawalny einsaß. (Archivfoto)
Der russische Oligarch Jewgeni Prigoschin ist erneut mit der Rekrutierung von Gefängnisinsassen für den Ukraine-Krieg in Verbindung gebracht worden. Das Foto zeigt die Strafkolonie N2 in der Stadt Pokrow, in die der Putin-Kritiker Alexej Nawalny einsaß. (Archivfoto) © Kirill Kudryavtsev/AFP

Angesichts der russischen Verluste soll ein Oligarch aus Putins Dunstkreis Häftlinge für den Ukraine-Krieg angeworben haben. Dementiert wird das Ganze nicht.

Update vom 16.09.2022, 06.10 Uhr: Der als Koch von Kremlchef Wladimir Putin bekannte russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin hat russischen Medien zufolge den Einsatz von Gefangenen im Angriffskrieg gegen die Ukraine verteidigt. Wer nicht wolle, dass in dem Konflikt private militärische Firmen und Gefangene eingesetzt würden, der solle seine eigenen Kinder an die Front schicken, berichteten russische Medien unter Berufung auf Prigoschins Pressedienst am Donnerstag. „Entweder private militärische Firmen und Gefangene oder Eure Kinder - entscheidet selbst“, meinte er.

Der 61-Jährige reagierte demnach als „Experte“ auf die Veröffentlichung eines Videos, das ihn beim Anwerben von Gefangenen in einem Gefängnis zeigen soll.

In Russland kursieren seit Wochen Berichte, dass Prigoschin ohne Rechtsgrundlage Gefangene in Straflagern für den Krieg in der Ukraine anwerbe – wegen Personalmangels an der Front.

Nawalny-Netzwerk verbreitet Video: Putin-naher Oligarch wirbt Kämpfer in Gefängnis ab

Erstmeldung vom 15.09.2022: Moskau – Mehr als ein halbes Jahr nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs sorgt in Russland ein Video für Aufsehen, das angeblich den Kreml-nahen Oligarchen Jewgeni Prigoschin beim Rekrutieren von Gefängnisinsassen als Kämpfer zeigen soll. In dem Video, das Anhänger:innen des Putin-Kritikers Alexej Nawalny und einige Medien verbreiteten, ist ein Mann zu sehen, der vor Gefangenen auftritt und ihnen die Freilassung verspricht, wenn sie sich für ein halbes Jahr als Söldner in der Ukraine verpflichten.

Er warnt jedoch, dass der Krieg schwerer sei als in Tschetschenien. Zugleich gibt er bekannt, dass schon Häftlinge auf russischer Seite im Einsatz seien. „Die ersten Gefangenen, die mit mir gekämpft haben, waren am 1. Juni beim Sturm des Wärmekraftwerks Wuhlehirsk dabei. 40 Leute aus Piter (St. Petersburg), Schwerverbrecher, rückfällig“, sagt er. Bereits im August wurde Prigoschin mit entsprechenden Rekrutierungen in Verbindung gebracht.

In dem Video, welches unter anderem dem Investigativmagazin The Insider vorliegt, erklärt der Redner, dass man Männer zwischen „22 und etwa 50“ Jahren suche. Die physische Verfassung sei enorm wichtig, da der Krieg anstrengend sei. Während Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Plünderei und sexuelle Gewalt „Sünden“ seien, die man nicht gutheiße, wird in der Aufzeichnung auch betont, dass man „Fehler“ verstehe.

Gerüchte im Ukraine-Krieg: Russland soll zahlreiche Söldner im Konflikt einsetzen

Eindeutig zur Echtheit des Videos äußern wollte sich Prigoschins Unternehmen Konkord am Donnerstag (15. September) nicht, teilte laut staatlicher Nachrichtenagentur Ria Nowosti aber mit: „Wir können bestätigen, dass der Mann in dem Video Jewgeni Viktorowitsch [Prigoschin] verdammt ähnlich sieht.“ Der Mann unterstütze die russische „Spezialoperation“ und sei ein hervorragender Redner, hieß es weiter. In der Vergangenheit hatten Medien immer wieder darüber berichtet, dass Prigoschin die berüchtigte Söldnereinheit „Wagner“ finanzieren soll.

Seit Wochen kursieren Gerüchte darüber, dass Russland wegen zunehmenden Personalmangels an der Front auch in den Gefängnissen Kämpfer rekrutiert. Eine Generalmobilmachung in Russland hat Moskau bislang ausgeschlossen – wohl auch aus Imagegründen. Offizielle Informationen zu Verlusten gibt es seit Monaten nicht, den jüngsten Rückzug im ostukrainischen Gebiet Charkiw hat der russische Generalstab als „Umgruppierung“ bezeichnet. (nak/dpa)

Auch interessant

Kommentare