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Für den Ukraine-Krieg bezahlt Russland einen immer höheren Preis

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Von: Julius Fastnacht

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Im Angriffskrieg auf die Ukraine verzeichnet Russland derzeit empfindliche Niederlagen – nicht nur militärische, sondern auch diplomatische und wirtschaftliche.

Moskau – Mittlerweile geht schon die zwölfte Kriegswoche in der Ukraine zu Ende. Von einem durchschlagenden Erfolg der „militärischen Spezialoperation“, wie Wladimir Putin die Invasion des Nachbarlands bezeichnet, kann in Moskau allerdings keine Rede sein. Auf verschiedenen Ebenen muss der Aggressor Rückschläge wegstecken, deren Folgen teilweise langfristig sind.

Zuletzt zogen sich russische Streitkräfte aus Charkiw zurück. Eine Prestige-Niederlage, handelt es sich bei der ostukrainischen Stadt doch um die zweitgrößte im Land. Bis an die eigene Grenze zurückgedrängt wurden Moskaus Truppen in der Gegend, berichtet der arabische Nachrichtensender Al Jazeera.

Ukraine-Krieg: Russland erleidet militärische Rückschläge

Laut dem Portal hat Russland nach Niederlagen im Osten den Plan, die ukrainische Armee in der Region einzukesseln, vorerst auf Eis gelegt. Es wolle sich stattdessen auf Kämpfe in der Region Luhansk im Südosten konzentrieren.

Ein zerstörter Panzer und Munition liegen auf einer Anhöhe bei Charkiw im Osten der Ukraine – russische Streitkräfte ziehen sich von hier zurück.
Ein zerstörter Panzer und Munition liegen auf einer Anhöhe bei Charkiw im Osten der Ukraine – russische Streitkräfte ziehen sich von hier zurück. © Carol Guzy/dpa/ZUMA Press Wire

Frappierend sei der Personalmangel in den russischen Streitkräften. Dem ukrainischen Geheimdienst zufolge beginnt Moskau deshalb mit einer verdeckten Mobilmachung, die auf Reservisten zurückgreift. Außerdem seien eine Reihe von Top-Kommandeuren von ihren Posten entbunden worden – wegen schwacher Leistungen.

Und auch die Ausrüstung scheint einen Problem darzustellen. US-Handelsministerin Gina Raimondo berichtete im Kongress unter Berufung auf ukrainische Informationen, russische Panzer seien wegen Chipmangels auf Mikroelektronik aus Kühlschränken und Geschirrspülern angewiesen.

Gazprom Germania ist von den Sanktionen des ehemaligen Mutterkonzerns Gazprom betroffen.
Gazprom Germania ist von den Sanktionen des ehemaligen Mutterkonzerns Gazprom betroffen. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Russland begrenzt Gas-Exporte und schädigt eigene Außenwirtschaft

Eine zentrale Rolle in der russischen Außenwirtschaft spielen derweil die Öl- und Gasexporte des Landes – auf sie hat der Krieg fatale Auswirkungen. Gemäß Al Jazeera reduzierte die Ukraine den russischen Gasfluss gen Europa letzte Woche erstmals. Eine von zwei zentralen Pipelines habe den Rohstoff-Transport um ein Viertel zurückgedreht.

Der Kreml hat letzte Woche sogar selbst Maßnahmen getroffen, die Gas-Ausfuhr einzuschränken. Am 12. Mai hatte das Monopol-Unternehmen Gazprom den Gastransport durch alle europäischen Pipelines untersagt, an denen es selbst Anteile besitzt.

Betroffen sind der polnische Pipelinebesitzer EuRoPol Gaz, Gazprom Germania und 29 Gazprom Germania-Tochtergesellschaften in ganz Europa. Gaspreise in der Europäischen Unionen schossen nach den Maßnahmen um 22 Prozent in die Höhe.

Ukraine-Krieg: Russland muss Nato-Erweiterung hinnehmen

Als besondere Demütigung Putins erscheinen vor allem die jüngsten finnischen und schwedischen Pläne, der Nato beizutreten. Wie Al Jazeera schreibt, war die Erweiterung des Verteidigungsbündnisses eine der Rechtfertigungen für die Invasion in der Ukraine – Jetzt schreitet sie fort, gerade weil der Kreml-Herrscher sich für den Angriffskrieg entschieden hat.

Russlands Chef-Diplomat Sergej Lawrow kommentierte die Initiative aus Helsinki und Stockholm mit Blick auf die Vereinigten Staaten: „Die ‚regelbasierte Ordnung‘ sieht weder Demokratie noch Pluralismus vor, nicht einmal innerhalb des ‚kollektiven Westens‘. Die neuerliche Entwicklung sei die „Wiederbelebung der harten Blockdisziplin und die bedingungslose Unterwerfung der ‚Verbündeten‘ unter das Diktat Washingtons.“

Während Ex-Präsident Dmitri Medwedew noch im April gesagt hatte, dass Russland Atomwaffen an der Ostsee stationieren wolle, sollten Finnland und Schweden einen Nato-Beitrag wagen, musste Putin nur einen Monat später wesentlich mildere Töne anschlagen. „Was die Erweiterung betrifft, so hat Russland kein Problem mit diesen Staaten - keins“, sagte er am 16. Mai. „In diesem Sinne geht von einer Erweiterung [der NATO] um diese Länder keine unmittelbare Gefahr für Russland aus.“ (juf)

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