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Kritik im Staatsfernsehen: Russland „kann nicht gewinnen“

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Von: Lukas Zigo

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In Russlands Staatsfernsehen häufen sich kritische Aussagen über den Krieg gegen die Ukraine. Ein Experte sagt, Russland habe seine Stärken „falsch eingeschätzt“.

Moskau – Im russischen Staatsfernsehen sind zuletzt immer häufiger kritische Stimmen in Bezug auf den Ukraine-Krieg laut geworden. Besonders deutlich äußerte sich jetzt Victor Olevich, der leitende Experte des Zentrums für aktuelle Politik. Als Gast der Sendung „Myesta Vstrechi“ (Der Treffpunkt), sprach Olevich davon, dass Russland „seine Stärke falsch eingeschätzt“ habe, als Präsident Wladimir Putin im Februar in die benachbarte Ukraine den Befehl zum Einmarsch erteilt habe. Der Experte redete nicht um den heißen Brei herum: Putin könne den Krieg jetzt „nicht mehr gewinnen“.

Diese Aussage bezog sich auf die russischen Anschuldigungen, die Ukraine würde an einer sogenannten „Dirty Bomb“ (schmutzigen Bombe) arbeiten, um sie gegen Russland einzusetzen. „Wir lassen alle Alarmglocken läuten“, sagte der Moderator der Sendung, Andrej Norkin. Und fragte: „Am Samstag [22. Oktober] hat [Sergei] Shoigu mit [Lloyd] Austin gesprochen. Soweit ich weiß, haben die Amerikaner angerufen, nicht wir. Und am Sonntag gab es Gespräche mit London und Paris. Wie sieht es aus, was könnte dabei herauskommen?“

Putin hat Russlands „Stärke falsch eingeschätzt“.
Putin hat Russlands „Stärke falsch eingeschätzt“. © VYACHESLAV PROKOFYEV/afp

Russischer Politikexperte lässt Moderator im Staatsfernsehen erstaunt zurück

„Das sieht ungefähr so aus“, antwortete Olevich. „Russland hat eine militärische Spezialoperation eingeleitet, seine Kräfte falsch eingeschätzt und kann seit acht Monaten nicht gewinnen.“ Olevich fügte hinzu, dass sich russische Beamte gleichzeitig „beschweren und aufregen“, dass Moskaus Gegner – „dieselben Länder, die Russland neutralisieren, trennen und zerstören wollen“ – Russland nicht glauben, unterstützen und „nicht zuhören“.

Über diese Einschätzung des Konflikts schien Norkin erstaunt zu sein und erwiderte: „Wir beschweren uns nicht, wir sind empört, würde ich sagen.“ Was Olevich mit den Worten konterte: „Wir können uns empören und wütend sein bis wir blau anlaufen, aber das wird unsere Probleme nicht lösen“.

Russland: Politikexperte fordert Kreml auf, Dokumente zu veröffentlichen

„Der beste Weg, eine Provokation zu verhindern, ist, sie aufzudecken, und zwar nicht nur in Telefongesprächen mit einigen ausländischen Politikern, insbesondere mit solchen gegnerischer Länder. Aber wenn es echte Informationen, echte Beweise dafür gibt, wo sich diese schmutzige Bombe befindet: Wo planen sie denn, sie einzusetzen? Wo sind die Dokumente? Zeigen Sie die Dokumente – diese Provokationen geschehen nicht ohne Befehl“, forderte Olevich. „Wenn der russische Militärgeheimdienst über all diese Daten verfügt, ist es Zeit, sie offenzulegen“.

Russland: Westen weist Vorwurf der „schmutzigen Bombe“ als falsch zurück

Die von Russland aufgestellte Behauptung über eine „schmutzige Bombe“ der Ukrainer wurde vom Westen als falsch zurückgewiesen. „Die Welt würde jeden Versuch, diese Behauptung als Vorwand für eine Eskalation zu benutzen, durchschauen“, erklärten die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und der USA in einer gemeinsamen Erklärung.

Eine „schmutzige Bombe“ ist nach Angaben des „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC/Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention der USA) eine Mischung aus Sprengstoff und radioaktivem Material wie Pulver oder Granulat. „Wenn das Dynamit oder andere Sprengstoffe gezündet werden, trägt die Explosion radioaktives Material in die Umgebung“, heißt es auf der Website der CDC. (lz)

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