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Mobilisierung in Russland: Bevölkerung wehrt sich in Dagestan

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Von: Stefan Krieger

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Bei den jüngsten Protesten gegen die Einberufung von 300.000 Militärreservisten durch Moskau kommt es immer wieder zu Zusammenstößen mit den Behörden.

Moskau – Mehr als 100 Menschen wurden bei Protesten gegen die Teilmobilisierung Russlands im Ukraine-Krieg am Wochenende in der Region Dagestan verhaftet. Dies berichtet nach Angaben der BBC die unabhängige russische Menschenrechtsorganisation OVD-Info. Dagestan ist eine mehrheitlich muslimische Region Russlands, in der die Zahl der Todesopfer höher ist als in jeder anderen Provinz des Landes.

Jüngste Analysen der BBC ergaben zudem, dass mindestens 301 Soldaten aus Dagestan gefallen sind, zehnmal mehr als aus der Region um die Hauptstadt Moskau. Die tatsächliche Zahl dürfte weit höher liegen. Seit Russlands Präsident Wladimir Putin am Mittwoch (21. September) die Teilmobilisierung von Militärreservisten angekündigt hat, wurden bei Massenprotesten in Russland mehr als 2.000 Menschen festgenommen.

Mobilmachung in Russland: Festnahmen am Wochenende

Während in den letzten Tagen in großen Städten in ganz Russland große Proteste stattfanden – allein am Samstag (25. September) wurden mehr als 700 Menschen verhaftet – eskalierte am Wochenende in Dagestan in mehreren Orten der Widerstand gegen die Einberufungen. Frauen gingen mit Fäusten auf Polizisten los, weil sie damit verhindern wollten, dass ihre Männer, Söhne oder Brüder im Ukraine-Krieg sterben.

Ukraine-Krieg - Proteste gegen Teilmobilisierung in Moskau
Moskau: Polizisten tragen einen Demonstranten während einer Demonstration gegen die Mobilisierung weg. © Alexander Zemlianichenko/dpa

Viele riefen, dass sie nichts gegen Ukrainer hätten und deshalb nicht auf sie schießen würden. Ein Polizist feuerte mit einer Maschinenpistole in die Luft, um die wütende Menschenmenge zur Ruhe zu bringen. Zeitweise wurde auch eine Fernverkehrsstraße mit Sitzblockaden der Dagestaner gesperrt.

Mobilmachung in Russland: 300.000 Reservisten sollen eingezogen werden

Der russische Präsident Putin hatte vor dem Hintergrund des sich hinziehenden Angriffskriegs gegen die Ukraine und nach zahlreichen Niederlagen der eigenen Armee dort die Teilmobilmachung angeordnet. 300.000 Reservisten sollen nun in die russische Armee eingezogen werden. Zugleich hatte Putin die Gesetze verschärft gegen Kriegsdienstverweigerer. Die Verantwortung für die Organisation der Einberufung liegt bei den regionalen Gouverneuren und den einzelnen Kreiswehrersatzämtern vor Ort.

Viele junge russische Männer versuchen unterdessen aus dem Land zu fliehen und die Grenze zu den Nachbarländern Finnland und Georgien zu überqueren. Viele Familien in Russland sind in heller Panik, ihre Angehörigen im Krieg zu verlieren. Aus dem ganzen Land wird zudem berichtet, dass viele Menschen, die eigentlich nicht für die Wehrpflicht infrage kommen, von örtlichen Rekrutierungsbeamten zum Dienst verpflichtet werden. (skr/dpa)

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