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Ukraine-Krieg: Russland enthüllt Propaganda-Statue von „Babuschka Z“ in Mariupol

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Von: Vincent Büssow

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In Russland wird die Ukrainerin mit der Sowjetflagge nur Anna „Babuschka Z“ genannt.
In Russland wird die Ukrainerin mit der Sowjetflagge nur Anna „Babuschka Z“ genannt. © Screenshot

In Russland wird das Video einer alten Ukrainerin mit Sowjetflagge zum Propaganda-Symbol, auf das sich sogar die Regierung Wladimir Putins bezieht.

Update vom Donnerstag, 05. Mai, 16.20 Uhr: Russland hat in der besetzten Stadt Mariupol eine Statue der „Babuschka Z“ enthüllt. Das Abbild der alten Ukrainerin, die eine Fahne der Sowjetunion trägt, gilt in Russland als Pro-Kriegs-Symbol. In einem Video, das Anfang April erschien, ist zu sehen, wie die Frau Soldaten, die sie für Invasoren aus Russland hält, mit der Fahne begrüßt. Als sich die Kämpfer als Ukrainer identifizieren und die Flagge auf den Boden werfen, lehnt die symbolträchtige Oma deren Hilfsgüter ab.

Die Statue in Mariupol wurde am Mittwoch (04. Mai) von Wladimir Putins Stabschef enthüllt. In einer Rede nannte er die „Babuschka Z“ ein „Symbol für das Mutterland und die gesamte russische Welt.“ Weiterhin sagte er, dass man leider den ganzen Namen der Frau nicht wisse, ihn aber definitiv herausfinden werde, um eine „Chance zu haben ihr zu danken und sich vor ihr zu verbeugen.“

Ukraine-Krieg: „Babuschka Z“ wird in Russland zum Propaganda-Symbol

Erstmeldung vom Donnerstag, 05. Mai, 12.47 Uhr: Kiew/Moskau – Russland hat im Ukraine-Krieg ein ungewöhnliches Propaganda-Symbol entdeckt. Das Bild einer alten Frau, die eine Fahne der Sowjetunion in der Hand hält, geht seit Anfang April durch die russischen Medien. Die Seniorin ist als Wandmalerei und auf Geschenkartikeln zu finden, und hat sogar in der Politik bereits Erwähnung gefunden. Was hat es mit der „Babuschka Z“ auf sich?

Das Video vom 07. April, das in dem Netzwerk Telegram geteilt wurde, zeigt die alte Frau, wie sie auf eine Gruppe Soldaten zugeht. Sie kommt sichtlich erfreut von ihrem Grundstück in einem ländlichen Dorf, das sich offenbar nahe der Front im Nordosten der Ukraine befindet, und präsentiert den Truppen die Flagge, die schon zuvor von pro-russischen Menschen in der Ukraine als Symbol genutzt wurde. Was die Frau allerdings nicht weiß, ist, dass sie Soldaten aus der Ukraine gegenübersteht. Wie die Nachrichtenseite Moscow Times berichtet, erzählt die Seniorin, dass sie auf die Invasion durch Russland gewartet und für Wladimir Putin gebetet hat. Außerdem kritisiert sie den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj.

Ukraine-Krieg: Russland macht Oma zum Propaganda-Symbol

Die ukrainischen Soldaten nehmen der Frau ihre Flagge ab und übergeben ihr stattdessen eine Tüte mit Lebensmitteln. Als die Seniorin bemerkt, dass die Flagge der Sowjetunion, für die Frau ein Symbol der Freiheit, auf dem Boden liegt, und einer der bewaffneten Männer sich daraufgestellt hat, gibt sie die Tüte zurück. Ihre Eltern hätten im Zweiten Weltkrieg für diese Flagge gekämpft, sagt sie laut der Moscow Times. Diese kurze Auseinandersetzung hat die alte Frau in Russland unter dem Namen „Babuschka Z“ zum Symbol im Ukraine-Konflikt gemacht.

Die Babuschka ist in Moskau, St. Petersburg und dem Rest von Russland mittlerweile als Wandmalerei, Statue und auf Plaketen zu finden. Eine Postkarte, die in limitierter Auflage von der Post im Donbass erscheinen soll, zeigt die Frau mit ihrer Flagge vor den Geistern sowjetischer Soldaten. In Moskau wurde eine Abbildung der Seniorin aus Pappe beschädigt, was als direkter Angriff auf Putins Krieg in der Ukraine gewertet wurde. Die Polizei ermittelt in dem Fall wegen Verstoßes gegen das Gesetz, das öffentliche Handlungen, die den Einsatz der russischen Streitkräfte diskreditieren, verbietet, berichtet die Plattform MVD Media in Russland.

Propaganda im Ukraine-Krieg: UN-Botschafter erzählt von Pro-Russland-Oma

Den Höhepunkt erreichte das Narrativ um die Pro-Russland-Oma bisher bei einem Auftritt des stellvertretenden UN-Botschafters aus Russland. Dieser bezeichnete das Video der alten Frau als Symbol für „eine andere Ukraine, der eine neue Chance auf Frieden gegeben wird“. Er fügte hinzu, dass er hofft, sie könne ihre rote Flagge bald „ohne Angst“ zeigen.

Bis vor Kurzem war das Video von Anfang April die einzige bekannte Aufnahme der symbolträchtigen Oma. Erst am Dienstag (03. Mai) tauchte allerdings ein neuer Clip auf Telegram von ihr auf. Darauf ist zu sehen, wie sie und ihr Mann sich mit den Soldaten aus der Ukraine unterhalten. Laut der Beschreibung des Videos verweigern sie es, sich evakuieren zu lassen. Wie die Moscow Times allerdings berichtet, endet das Video damit, dass sich der Mann bei den Soldaten für ihre gute Fürsorge bedankt.

Auch an anderer Stelle läuft die russische Propaganda-Maschine auf Hochtouren: So wird in Russlands Medien Atomkriegsstimmung verbreitet: „Wir werden in den Himmel kommen, während sie einfach verrecken“, verkündeten die Moderatoren einer Sendung im Staatsfernsehen. (vbu)

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