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Ukraine-Krieg: Papst wirft Nato „Bellen“ vor Russlands Tür vor

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Von: Nadja Austel

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Papst Franziskus äußert sich in einem Interview zum Ukraine-Krieg: Die Nato habe Mitschuld an Russlands Aggression. Er bemühe sich um ein Gespräch mit Putin.

Kiew – Die Nato trage eine Mitschuld am Ukraine-Krieg, behauptete das Oberhaupt der katholischen Kirche jüngst im Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera. Papst Franziskus beschrieb darin die Osterweiterung des Vertei­digungs­bündnisses als „Bellen“ vor Russlands Tür. Das Verhalten der Nato habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin möglicherweise dazu veranlasst, in die Ukraine einzumarschieren. Franziskus räumte zwar ein, er könne nicht sagen, ob Putins Wut gegenüber der Ukraine provoziert wurde, aber er „vermute, dass sie vielleicht durch die Haltung des Westens erleichtert wurde“. 

Im Interview hatte der Papst auch von seinem Videogespräch mit dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt in Russland vom 16. März erzählt. 40 Minuten lang habe er mit Kyrill I. gesprochen, so Franziskus. In den ersten 20 Minuten habe dieser Rechtfertigungen für den Ukraine-Krieg vorgetragen. Das kommentierte der Papst: „Der Patriarch kann sich nicht zum Messdiener Putins machen.“ Er bestätigte, dass ein für 14. Juni geplantes Treffen mit Kyrill I. in Jerusalem nicht weiter verfolgt werde.

Das Außenamt der russisch-orthodoxen Kirche schilderte das Videogespräch nun aus eigener Perspektive. Kyrill habe den Papst darauf hingewiesen, dass der Ukraine-Konflikt 2014 mit den Ereignissen in Kiew begonnen hätte. Eine „Nazi-Gruppierung“ habe außerdem in Odessa Demonstranten angegriffen, die für ihre russische Muttersprache und Kultur auf die Straße gegangen seien. Die „Lehre aus Odessa“ sei, dass die Rechte der Menschen im Südosten der Ukraine durch Russland verteidigt werden müssten.

Papst Franziskus.
Papst Franziskus hat mit Blick auf den Ukraine-Krieg Gespräche mit dem Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirch, Kyrill, abgesagt. (Archivbild) © Andrew Medichini/dpa

Ukraine-Krieg: Papst Franziskus will Putin sprechen

Nach eigenen Angaben habe der Papst Putin bereits im März um ein Gespräch gebeten. Auch nach mehrfacher Nachfrage habe er jedoch keine Antwort aus Moskau erhalten. „Aber wie kann man nicht alles versuchen, um die Gräueltaten zu stoppen? Vor 25 Jahren haben wir in Ruanda etwas Ähnliches gesehen“, sagte der Papst gegenüber Corriere della Sera mit Blick auf den Völkermord im Osten Afrikas. Die Befürchtung des Papstes sei, dass Putin seinen Krieg nicht in absehbarer Zukunft beenden werde.

In der Frage zu Waffenlieferungen an die Ukraine sei der Papst sich unsicher. Er habe das Wettrüsten immer abgelehnt, schreibt das italienische Blatt über Franziskus. „Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist, die ukrainischen Kämpfer [mit Waffen] zu versorgen“, erklärt der Papst selbst. Grundsätzlich gelte für ihn: „Die Produktion und der Verkauf von Rüstungsgütern ist eine Schande, aber nur wenige sind mutig genug, sich dagegen zu wehren.“

Ukraine-Krieg: Papst-Franziskus reist zunächst nicht nach Kiew

Bezüglich eines Besuchs in der Ukraine zeigte sich Franziskus zurückhaltend: „Ich bin noch nicht bereit, nach Kiew zu reisen“, erklärte er. Trotz des Zögerns von Papst Franziskus, wirbt die ukrainische Regierung weiter für eine Reise des katholischen Kirchenoberhauptes in die Ukraine. Franziskus hatte der italienischen Zeitung erklärt: „Ich spüre, dass ich nicht gehen sollte. Zuerst muss ich nach Moskau gehen, zuerst muss ich Putin treffen.“ Er habe geringe Hoffnung auf ein Gespräch mit dem Kremlchef, tue jedoch, was er könne. Er wolle in die russische Hauptstadt reisen, um Putin zu bewegen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. (na/dpa/afp)

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