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Öl-Embargo als Antwort auf Ukraine-Krieg: Können die Sanktionen Russland treffen?

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Von: Sandra Kathe

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Nach dem Öl-Importbann könnte ein Versicherungsverbot für Tankschiffe seitens EU und Großbritannien dafür sorgen, dass Russland auf seinem Öl sitzen bleibt.

Brüssel – Mit drastischen Einschränkungen beim Öl-Import aus Russland sowie einem Versicherungsverbot für Tankschiffe, die russisches Öl in Drittländer transportieren, wollen die EU und Großbritannien Russland wirtschaftlich schaden und langfristig zur Aufgabe im Ukraine-Krieg zwingen. Während einige die Maßnahmen, die auf Drängen einzelner EU-Mitgliedsstaaten Ausnahmeregelungen beinhalten, als zu lax bezeichnen, gehen andere Fachleute davon aus, dass die Sanktionen dennoch Wirkung zeigen.

Die Politik von EU und Großbritannien sorge dafür, dass „90 Prozent aller Schiffe weltweit nicht mehr für russische Cargo infrage kommen, sofern sie nicht die Versicherungsgesellschaft wechseln“, erklärte der Reederei-Experte Erik Broekhuizen gegenüber dem US-Magazin Politico. Wie viele Reeder bereit wären, diesen Schritt zu gehen, hält Broekhuizen auch wegen möglicher Reputationsverluste für fraglich: „Man nimmt seine Flotte nicht von einem internationalen Markt, der 60 Millionen Barrel am Tag transportiert, um im russischen Geschäft mit zwei Millionen Barrel pro Tag zu bleiben. Viele Schiffseigner werden das kaum als attraktiven Deal sehen“, vermutet der Schiffsexperte.

Seit Kriegsbeginn gibt es immer wieder Proteste gegen das Geschäft mit russischem Öl. Nun sollen Sanktionen wirken.
Seit Kriegsbeginn gibt es immer wieder Proteste gegen das Geschäft mit russischem Öl. Nun sollen Sanktionen wirken. (Symbolbild) © Will Rose/dpa

Kriegs-Sanktion für Russland: Tanker müssen auf EU- und Großbritannien-Versicherer verzichten

Nach dem entschiedenen Maßnahmenpaket seitens der EU warten internationale Branchenvertreter nun hauptsächlich auf die Details zu einer entsprechenden Entscheidung aus London, die nach der gemeinsamen Ankündigung der Versicherungssanktionen laut Bericht des US-Mediums noch ausstünden. Laut Berichten der Branchenzeitung Versicherungswirtschaft Heute hatte die staatliche russische Rückversicherungsgesellschaft bereits signalisiert, zukünftig die Haftung für Tankschiffe übernehmen zu wollen.

Eine solche Lösung, sagen Kritiker:innen, sei auch bei Weitem nicht die einzige Lösung für Russland, um die Folgen von Sanktionen abzumildern. So hätten laut des Politico-Berichts bereits erste Unternehmen Öl-Lieferungen umdeklariert, um den Weiterverkauf zu sichern, auch eine griechische Reedereien haben laut Berichten auf Tagesschau.de Möglichkeiten gefunden, weiterhin russisches Öl zu transportieren. Einige Fachleute in der EU und Großbritannien gehen außerdem davon aus, dass auch Versicherer in China und dem weiteren Großabnehmerland Indien in die Bresche springen und damit ein reibungsloses Weiterlaufen der Geschäfte sichern könnten, wenn auch nur mit „großem Aufwand“, wie Broekhuizen vermute.

Nach europäischen Sanktionen gegen Russland: Chinas Öl-Importe steigen deutlich

Vor dem Hintergrund der europäischen Sanktionen hat Russland – zumindest vorerst – in China einen wichtigen Partner gefunden. Laut einer aktuellen Mitteilung der Zollverwaltung in Peking hat China im Mai deutlich größere Mengen Öl aus Russland eingekauft. Die Öl-Importe aus dem Nachbarland stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent auf rund 8,4 Millionen Tonnen. Auch im Vormonat hatte der russische Ölimport in China noch bei 6,6 Millionen Tonnen gelegen.

Russland ist damit erstmals seit mehr als eineinhalb Jahren an Saudi-Arabien als Chinas wichtigstem Öl-Lieferanten vorbeigezogen. Saudi-Arabien hatte im Mai 7,8 Millionen Tonnen nach China geliefert. (ska mit dpa)

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