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Ukraine-Krieg – Die Täter sind Männer

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Von: Viktor Funk

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Offiziell dienen in der russischen Armee rund 44.000 Frauen. Das Nachbarland Ukraine haben höchstwahrscheinlich ausschließlich Männer überfallen.

Kiew – Während in den ukrainischen Streitkräften Frauen seit 2014 in der vordersten Linie mitkämpfen, sind es auf der russischen Seite höchstwahrscheinlich ausschließlich Männer, die das Nachbarland überfallen haben. In den ukrainischen Telegram-Kanälen, wo der Krieg in all seiner Brutalität zu sehen ist, tauchen bisher nur Bilder und Videos von getöteten oder gefangenen russischen Soldaten auf – keine Frau darunter.

Offiziell dienen in der russischen Armee rund 44.000 Frauen - von insgesamt rund einer Million Militärs. Da Frauen zum Wehrdienst nicht einberufen werden, sind es Berufssoldatinnen, die also aus freien Stücken mitmachen. Sie werden überwiegend in Nachrichteneinheiten, zur medizinischen Versorgung und zur digital-technischen Unterstützung eingesetzt und das meist in den niederen Rängen. Seit einigen Jahren sollen Frauen aber auch als Pilotinnen ausgebildet werden.

Ukraine-Krieg: 12 Monate Wehrpflicht

Wichtig sind Frauen in der Verwaltung und Organisation der inländischen Militärstützpunkte. In einem Bericht über den Zustand der Armee sprach Verteidigungsminister Sergej Schoigu von mehr als 272.000 Frauen, die als Zivilistinnen für die Streitkräfte arbeiten. Laut Schoigu seien 2020 auch 24 Frauen für „Verdienste im Kampf“ ausgezeichnet worden – unklar, wofür genau.

Ukraine-Konflikt - russische Truppen in Armjansk
Nur Männer: Russische Truppen in Armjansk. © Konstantin Mihalchevskiy/dpa

2006 und 2008 verkürzte Russland den Wehrdienst von 24 Monaten auf zunächst 18 und dann auf zwölf, wehrpflichtig sind Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren. Hauptsächlich rekrutiert sich die Armee aus den eher ärmeren Schichten und aus der Provinz. Wer kann, kauft sich frei oder legt zum Beispiel falsche medizinische Bescheinigungen für die Ausmusterung vor.

Ukraine-Krieg: Russlands Armee ist eine Armee der Armen

Die russische Armee ist eine Armee der Armen. Das ist keine russische Besonderheit, erklärt aber im Ukraine-Krieg vielleicht, warum gefangene russische Soldaten sich über asphaltierte Straßen in der Ukraine wundern oder Hunderte Kilo erbeutete Alltagsgegenstände über die Post in Belarus nach Hause schicken.

Seit April zieht Russland neue Wehrpflichtige ein, es sollen in diesem Jahr 134.000 werden, schreibt die russische „Parlamentszeitung“. Schoigu versprach, dass sie nicht in die Ukraine entsendet werden sollen. Doch Dokumente getöteter oder gefangener Russen in der Ukraine zeigten, dass auch Wehrpflichtige vor Ort sind. Die jüngsten getöteten russischen Soldaten waren laut „The Moscow Times“, die mit den Angehörigen eines Gefallenen sprach, gerade einmal 18 Jahre alt. (Viktor Funk)

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