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Ukraine-Krieg: Warum Russland noch immer keine Lufthoheit erlangt hat

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Von: Oliver Schmitz

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Millionen von Rubel hat Russland in die Modernisierung der Luftwaffe gesteckt. Bisher ohne Erfolg im Ukraine-Krieg. Das hat mehrere Gründe.

Kiew/Moskau – Im Ukraine-Krieg haben vor allem die russischen Verluste zuletzt deutlich zugenommen. Darunter auch hunderte Flugzeuge und Helikopter sowie weit über tausend Kampfdrohnen. Und das, obwohl die russische Luftwaffe im Vorfeld als deutlich überlegen galt. Allein im letzten Jahrzehnt hat Moskau Milliarden von Rubel in deren Modernisierung gesteckt. Doch nach kurz nach Kriegsbeginn änderte sich das Vorgehen Russlands in der Ukraine.

Ukraine-Krieg: Russland nutzt Luftwaffe nur als Unterstützung – wegen hoher Verluste

Chernihiv, Kiev Oblast, A Russian Sukhoi Su-34 shot down by Ukrainian anti-aircraft guns crashed in a residential area o
Vor allem zu Kriegsbeginn hat die russische Luftwaffe viele Flugzeuge und Helikopter in der Ukraine verloren. © IMAGO/Nicola Marfisi

Zu Beginn des Ukraine-Kriegs musste insbesondere die russische Luftwaffe schwere Verluste hinnehmen. Das führt letztlich dazu, dass diese schnell ihre Taktik änderte. Seitdem spielen Kampfjets oder Helikopter nur noch eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu den russischen Bodentruppen.

„Nachdem Russland in den ersten zehn Tagen des März schwere Verluste erlitten hatte, war es gezwungen, sein Vorgehen zu überdenken und ist seitdem risikoscheu geblieben“, sagt Guy Plopsky, ein israelischer Experte für russisches Militär gegenüber The Moscow Times. Laut dem armenischen Verteidigungsanalysten Leonid Nersisyan, wird die russische Luftwaffe jetzt nur noch „episodisch eingesetzt, meist zur Unterstützung der Streitkräfte an der Front“.

Russlands Luftwaffe mit zehntausenden Einsätzen im Ukraine-Krieg – warum haben sie kaum Wirkung?

Trotz der geänderten Taktik klingen die reinen Zahlen der russischen Lufteinsätze erst einmal beeindruckend. Russland will nach neusten Angaben seit Kriegsbeginn rund 34.000 Luft-Operationen geflogen sein, also rund 150 pro Tag. Das behauptet zumindest der General Sergei Surowikin, der neue Leiter der russischen „Operationen“ in der Ukraine.

Stellt sich die Frage, warum ihre Wirkung dann tatsächlich so gering ist. Das liegt wohl daran, dass die einfachen Jet-Flüge in niedriger Höhe einige Verluste vermeiden, aber nicht besonders effizient sind. Wie die Analysten The Moscow Times erläutern, müssen sich die Bomber ohne die zusätzliche Unterstützung von Aufklärungsflugzeugen auf Angaben von Bodentruppen verlassen. Die seien aber oftmals sehr ungenau. „Manchmal wissen die Piloten nicht einmal, was sie bombardieren“, ergänzt Experte Guy Plopsky.

Hinzu kommen laut Analysten weitere Faktoren wie die oftmals mangelnde Erfahrung der russischen Piloten, aber auch die Qualität der genutzten Luftfahrzeuge. Diese wurden zwar modernisiert, liegen aber beispielsweise oftmals hinter dem, was die NATO im Angebot hat. Tatsächlich bereitet jetzt auch schon Russlands Staats-TV sein Publikum auf den Verlust von Cherson vor.

Russische Flugzeuge scheitern oft an guter Luftabwehr der Ukraine

Ein letzter wichtiger Faktor dafür, dass Russland bisher noch keine Lufthoheit gewinnen konnte, ist die Ukraine selbst. So hat die ukrainische Luftabwehr allein am Montag (24. Oktober) drei russische Ka-52-Helikopter abgeschossen. Das liegt unter anderem an den sogenannten MANPADS, erklärt das britische Außenministerium gegenüber Newsweek. Die tragbaren Luftabwehrsysteme sind besonders effizient gegen die russischen Hubschrauber.

MANPADS wie „Grom“ oder „Stinger“ hat die Ukraine in großer Zahl von europäischen Ländern sowie der USA geliefert bekommen. (os)

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