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Russisch Roulette in Lateinamerika: Putins Krieg bringt Staaten in die Zwickmühle

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Von: Klaus Ehringfeld

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Wladimir Putins Krieg gegen die Ukraine bringt Länder in Lateinamerika, darunter Brasilien, Argentinien und Mexiko, in eine Zwickmühle.

Moskau - Auch die großen Staaten Lateinamerikas hat die Invasion Russlands in der Ukraine kalt erwischt. Vor allem die südamerikanischen Schwergewichte Brasilien und Argentinien waren gerade dabei, enge Beziehungen zu Moskau aufzubauen, als Putin seinen Angriffskrieg auf die Ukraine begann.

Über ideologische Grenzen hinweg gaben sich der rechtsradikale brasilianische Präsident Jair Bolsonaro und der linke argentinische Kollege Alberto Fernández in Moskau kurz vor dem Angriff die Klinke in die Hand. Fernández bot Argentinien sogar als „Tor Russlands“ in Lateinamerika an.

Ukraine-Krieg: Länder Lateinamerikas waren gerade dabei Beziehungen zu Russland aufzubauen

Aber nun wanken die Big Player der Region, zu denen auch Mexiko gehört, zwischen völkerrechtlicher Ablehnung und dem Aufrechterhalten der Beziehungen mit Russland. Mexiko verbog sich dabei bemerkenswert. Der autoritäre Staatschef Andrés Manuel López Obrador verurteile die Invasion, will aber keine Sanktionen gegen Russland verhängen. Dieses russische Roulette ist ein gefährliches Spiel für beide Seiten. Aber besonders für die Staaten Lateinamerikas beinhaltet es große Risiken, auf ein nahezu weltweit geächtetes Land zu setzen.

Argentinien hatte gehofft, sich aus der Zwangsjacke der Abkommen mit dem von den USA dominierten Internationalen Währungsfonds befreien zu können. Bolsonaro wollte gerade eine transatlantische Ultrarechts-Allianz mit Wladimir Putin schmieden. Und Mexiko wollte sich ein Stück aus der Dominanz vom Haupthandelspartner Vereinigten Staaten befreien. Aber im Lichte des Ukraine-Kriegs können sich die drei Staaten keine weitere Annäherung an Russland leisten, ohne selbst zu Paria-Staaten zu werden.

Eine Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine in Brasilien.
Eine Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine in Brasilien. © Cris Faga/Imago

Russland in Lateinamerika: Wohl bedachte Expansion Wladimir Putins

Erst jetzt fällt richtig ins Auge, dass Russland ausgerechnet auf dem amerikanischen Kontinent Vasallen, Sympathisanten oder zumindest Länder gefunden hat, die sich nicht an der globalen Ablehnung des Überfalls auf die Ukraine beteiligen.

Die üblichen Verdächtigen Nicaragua, Kuba und Venezuela, dazu das linke Bolivien und überraschend auch das widerspenstige El Salvador enthielten sich bei der entsprechenden UN-Resolution. Immerhin verurteilten Mexiko, Brasilien und Argentinien zähneknirschend Russland, wohl wissend, dass sie sich damit den Zorn von Wladimir Putin zuziehen.

Für Moskau ist der Schritt nach Lateinamerika vor allem im Rückblick Teil einer wohl bedachten Expansionsstrategie, die wirtschaftlich neue Märkte und Rohstofflieferanten sichern soll. Denn Südamerika und Mexiko brauchen russische Düngemittel, und Russland könnte gerade jetzt auf Soja, Fleisch und Zucker aus Südamerika angewiesen sein. Politisch nutzt Moskau sein Engagement in Iberoamerika nebenbei als Drohszenario gegen den ewigen großen Gegenspieler in Washington.

Russlands Angriff auf die Ukraine: Krieg birgt Risiken für Lateinamerika

Die USA und US-Präsident Joe Biden stört sehr, dass Russland gerade den Erzfeind Nicolás Maduro in Venezuela mit Kampffliegern, Hubschraubern und Panzern aufgerüstet hat. Damit nicht genug: Anfang des Jahres drohte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow, er könne die Möglichkeit der Stationierung russischer Truppen in Venezuela oder dem historisch verbündeten Kuba „weder bestätigen noch ausschließen“.

Was wie die Neuauflage der Kuba-Krise von 1962 klang, liest man heute als wohl bedachten Baustein im Eskalationsszenario des Ukraine-Konflikts. Denn Rjabkow äußerte diese Sätze im Zusammenhang mit der von Moskau behaupteten US-Expansion in Osteuropa. „Alles hängt von den Handlungen der US-Kollegen ab,“ sagte der Vize-Minister seinerzeit.

Für Lateinamerika bietet der Krieg im fernen Osten und die sich abzeichnenden Verwerfungen in Europa Risiken. Bei der Bevölkerung hat der Überfall auf die Ukraine die Sympathien für Russland erodieren lassen. Zudem werden es sich Brasilien, Mexiko und Argentinien gut überlegen, wie weit ihre Unterstützung für Russland künftig gehen soll, ohne es sich mit den USA zu verderben. (Klaus Ehringfeld) Der Ukraine-Konflikt wirft Fragen an die EU auf: Putin gewähren lassen oder gemeinsam gegen Russland vorgehen?

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