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„Abscheulich, ungesetzlich und grausam“: Schwere Vorwürfe gegen Russland

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Von: Nail Akkoyun

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Human Rights Watch veröffentlicht einen neuen Bericht zum Ukraine-Krieg. Russland werden darin schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Kiew – Einem neuem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge haben russische Streitkräfte im Nordosten der Ukraine mehrere Kriegsverbrechen begangen, indem sie die Zivilbevölkerung folterten und hinrichteten.

Demnach hätten die russischen Truppen 22 Hinrichtungen in Teilen der Regionen Kiew und Tschernihiw im Schnellverfahren beschlossen und durchgeführt. Die Gräueltaten sollen sich den HRW-Angaben nach zwischen Ende Februar und Ende März zugetragen haben. Zuvor berichtete die Menschenrechtsorganisation bereits von zehn Hinrichtungen, die sich unter anderem im Ort Butscha ereignet haben sollen.

Neben Hinrichtungen werden in dem Bericht, der der britischen Zeitung The Independent vorliegt, neun weitere außergerichtliche Tötungen, sechs mögliche Fälle von Entführung und sieben Fälle von Folter aufgeführt. Die Erkenntnisse beruhen auf Forschungsbesuchen in 17 ukrainischen Städten und Dörfern sowie auf Interviews mit 65 Personen zwischen dem 10. April und dem 10. Mai. Moskau leugnet nach wie vor, dass russische Soldaten ukrainische Zivilpersonen gezielt ins Visier genommen haben – obwohl zahlreiche Beweise das Gegenteil belegen.

Soldaten des tschetschenischen Freiwilligenbataillons Achmat räumen ein Wohnviertel in der Ukraine. (Symbolfoto)
Soldaten des tschetschenischen Freiwilligenbataillons Achmat räumen ein Wohnviertel in der Ukraine. (Symbolfoto) © Alexander Reka/Imago Images

Ukraine: 45-Jähriger wegen ukrainischen Dienstmantel hingerichtet

Einer der betroffenen Personen ist der 45-jährige Ihor Savran. Sein Tod zählt zu den 22, die vom HRW als Hinrichtung behandelt werden. Gegenüber der Menschenrechtsorganisation erzählte seine Mutter Anastasia Andriivna, dass Savran am 19. März von russischen Streitkräften aus ihrem Haus in einem Dorf nordwestlich von Kiew abgeholt wurde, nachdem sie zuvor seinen Dienstmantel der ukrainischen Nationalgarde von 1993 entdeckt hatten.

Keine zwei Wochen später entdeckte Andriivna die Leiche ihres Sohnes – keine 100 Meter von ihrem Haus entfernt, ragten seine Turnschuhe aus einer Scheunentür. „Man hatte ihm ins Ohr geschossen, und sein Gesicht war blutverschmiert. Sein bester Freund lag neben ihm; auch er war erschossen worden. Seine Beine waren in einer unnatürlichen Position angewinkelt“, sagte sie.

Ukraine-Krieg: HRW-Direktor spricht von „zahlreichen Gräueltaten“ von russischen Truppen

„Die zahlreichen Gräueltaten der russischen Truppen, die zu Beginn des Krieges Teile der Nordostukraine besetzten, sind abscheulich, ungesetzlich und grausam“, sagte Giorgi Gogia, stellvertretender HRW-Direktor für Europa und Zentralasien. Die Übergriffe auf Zivilpersonen „sind offensichtliche Kriegsverbrechen, die umgehend und unparteiisch untersucht und angemessen verfolgt werden sollten“, sagte er weiter.

Zudem beschuldigte die Human Rights Watch den Kreml, Gefangene durch Schläge, Elektroschocks und Scheinhinrichtungen zu misshandeln. Die Organisation fügte hinzu, dass Hunderte von Zivilistinnen und Zivilisten unter unmenschlichen Bedingungen in Kellern festgehalten werden sollen, wobei 10 ältere Menschen in einem Keller in Yahidne, einem Dorf südlich von Tschernihiw, gestorben sein sollen.

Der neue HRW-Bericht über russische Gräueltaten wurde am Freitag (13. Mai) veröffentlicht – am selben Tag, an dem auch ein 21-jähriger russischer Soldat in Kiew wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde. Er soll einen 62-Jährigen im nordöstlichen Sumy ermordet haben, kurz nachdem Russland am 24. Februar das Nachbarland überfallen und den Ukraine-Krieg begonnen hatte. (nak)

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