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Gewalt in Mariupol: Russland befürchtet Widerstand in der Bevölkerung

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Von: Vincent Büssow

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Ein russischer Soldat patrouilliert durch einen zerstörten Teil des Iljitsch Eisen- und Stahlwerks Mariupol.
Ukraine-Krieg: Laut US-Geheimdienstinformationen sorgt sich Russland darum, dass Gewalttaten in Mariupol den Unmut in der Bevölkerung zur Konsequenz haben könnten. (Archivbild) © dpa

Der Ukraine-Krieg ist auch ein Kampf der Narrative. US-Geheimdienstinformationen zufolge sorgt sich Russland jetzt um seinen Ruf – insbesondere in Mariupol.

Kiew – Russland sorgt sich offenbar um die öffentliche Wirkung von Gewalttaten in Mariupol. Die geht aus Geheimdienstinformationen der USA hervor, über die Associated Press zuerst berichtete. Die Verantwortlichen aus Russland befürchten demnach, dass ihr Narrativ angefochten werden und sich die Stimmung in der ukrainischen Hafenstadt weiter gegen sie richten könnte.

Die Stadt Mariupol befindet sich in der Region Donezk, die laut russischer Darstellung von dem Nazi-Regime der Ukraine befreit werden muss. Dieses Narrativ deckt sich allerdings kaum mit Berichten von Gewalttaten und Kriegsverbrechen, die immer wieder aus besetzten Gebieten kommen. Dies haben laut US-Geheimdienstinformationen auch die Verantwortlichen in Russland erkannt. Deren Sorgen reichen so weit, dass Widerstände aus der ukrainischen Bevölkerung in Mariupol befürchtet werden, wie die Assiociated Press berichtet.

Ukraine-Krieg: Russland sorgt sich um Gewalt in Mariupol

Zu den Gewalttaten, von denen die Rede ist, zählt Folter durch Schläge und Stromschläge. Außerdem sollen die Truppen aus Russland in Mariupol Häuser ausgeraubt haben. Das genaue Ausmaß der Gewalt, von der die USA erfahren haben, ist unklar. Schon zuvor hatte Russland mit Luftangriffen auf ein Theater und ein Krankenhaus die Aufmerksamkeit auf die Stadt gezogen. Hunderte Menschen waren dabei gestorben.

Kriegsverbrechen im Ukraine-Konflikt: Putin zeichnet Soldaten aus Butscha aus

Die Erkenntnis, dass derartige Gewalttaten im Ukraine-Konflikt negative Konsequenzen für die Angreifer haben könnten, kommt für Russland etwas verspätet. Bereits im April, nachdem bekannt worden war, dass russische Soldaten in der Stadt Butscha Zivilisten auf grausame Weise getötet hatten, hat die UN in einer Untersuchung „Anzeichen von Kriegsverbrechen“ festgestellt. Zuletzt bekannte sich außerdem der erste Soldat aus Russland in der Ukraine vor Gericht dazu schuldig, einen Zivilisten erschossen zu haben.

Ob Russland aufgrund der Bedenken nun anders mit Soldaten umgehen wird, denen im Ukraine-Krieg Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, bleibt abzuwarten. Erst vor Kurzem hatte Wladimir Putin die Brigade aus Butscha ausgezeichnet. Die Soldaten hätten „Entschlossenheit und Mut“ bewiesen, sagte der Präsident. „Das geschickte und entschlossene Vorgehen des ganzen Personals (der Brigade) während der militärischen Spezialoperation in der Ukraine“ sei „Vorbild für die Ausführung der militärischen Pflichten.“ (vbu)

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