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Im Falle eines Atomangriffs: Westen will Panik verhindern

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Von: Sandra Kathe

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Fachleute halten die Gefahr eines russischen Atomangriffs auf die Ukraine trotz Drohung für gering. Dennoch wollen westliche Länder auf Angst in der Bevölkerung eingehen.

Moskau – Die Ankündigung durch Russlands Machthaber Wladimir Putin, die annektierten Gebiete der Ukraine „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ zu verteidigen, hat weltweit für Sorge und Aufsehen gesorgt. Denn die womöglich bewusst so vage formulierte Drohung hat vielerorts die Befürchtung entfacht, dass der Konflikt weiter eskalieren und Putin einen Einsatz von Atomwaffen befehlen könnte.

Auch wenn viele Fachleute einen solchen Angriff für extrem unwahrscheinlich halten, ist er immer wieder – auch in russischen Staatsmedien – ein Thema. Einige westliche Fachleute sprechen ebenfalls von der gefährlichsten Situation seit Ende des Kalten Krieges. Und laut einem Bericht des britischen Guardian gäbe es bereits in einigen westlichen Ländern erste „vorsichtige Planungen“, wie man im Falle eines unwahrscheinlichen Atomschlags gegen die Ukraine, Panik und Chaos im eigenen Land verhindern kann.

Mit der Bekanntgabe der Annexion weiterer russischer Gebiete kündigte Wladimir Putin an, die Regionen „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ verteidigen zu wollen.
Mit der Bekanntgabe der Annexion weiterer russischer Gebiete kündigte Wladimir Putin an, die Regionen „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ verteidigen zu wollen. (Archivfoto) © Dmitry Astakhov/AFP

Krieg gegen die Ukraine: Westen wertet den Konflikt mit Russland derzeit nicht als „nukleare Krise“

So berichtet die Zeitung von der Aussage eines anonymen westlichen Staatsvertreters, der auf Nachfrage bestätigte, dass einige westliche Staaten bereits erste Vorbereitungen träfen, um „einer Reihe möglicher Szenarien“ zu begegnen. Gleichzeitig betonte der Regierungs-Insider, dass der Westen die aktuelle Lage nicht als „nukleare Krise“ einstufe.

Die diffuse Drohung Putins halte der Offizielle laut Guardian für „zutiefst unverantwortlich“, zumal in keinem anderen Land von einem möglichen Einsatz von Atomwaffen die Rede gewesen sei. Das Tabu, das die Nutzung von Atomwaffen umgibt, bestehe bereits seit 1945 und galt bislang als einigermaßen stabil. Dieses Tabu zu brechen, hätte laut Aussage des Insiders nicht nur Konsequenzen für die Welt, sondern vor allem auch für Russland“.

Ukraine-Krieg: Nato würde Eskalation nicht unbeantwortet lassen

Was bislang mehrfach betont wurde, ist, dass ein Atomschlag Russlands wohl zunächst nicht mit einem Atomschlag vergolten werden würde. Das deutete neben dem Ex-CIA-Chef David Petraeus auch der französische Präsident Emmanuel Macron an. Macron begründete das mit der Tatsache, dass die fundamentalen Interessen seines Landes „nicht in direkter Form betroffen“ wären, „wenn zum Beispiel in oder nahe der Ukraine ein ballistischer Atomangriff stattfinden würde.“ Petraeus deutete in einem Interview mit dem US-Sender ABC an, dass die Nato eine solche Eskalation jedoch nicht unbeantwortet ließe.

Welche Anstrengungen westliche Länder derzeit konkret unternehmen, um Panik und Chaos zu verhindern, ist bislang noch nicht bekannt. Mögliche Beispiele, wie Länder auf ihre Bevölkerungen zugehen könnten, habe es in der Vergangenheit immer wieder in Form von öffentlichen Kampagnen gegeben, etwa in Form der Aufklärungsschrift „Jeder hat eine Chance“, die 1962 vom deutschen Innenministerium herausgegeben wurde.

Auch Fachleute wie die Generalsekretärin der britischen Kampagne für Nukleare Abrüstung (CND), Kate Hudson, rechnen damit, dass die geplanten „vorsichtigen Pläne“ ähnliche Kampagnen zutage fördern können. Diese seien jedoch aus heutiger Sicht wenig hilfreich, weil sie seinerzeit ein falsches Bild von der Gefährlichkeit eines Atomangriffs und den Überlebenschancen der direkt Betroffenen vermittelten, sagte sie dem Guardian. (ska)

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