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„Zu Ende für mich“: Ex-Soldat rechnet mit Russlands Armee ab – und wird entführt

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Von: Constantin Hoppe

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Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Bild zeigt russische Soldaten die auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße nahe der Grenze zwischen Russland und der Ukraine mitfahren.
Russland soll im Ukraine-Krieg immer größere Schwierigkeiten haben, Soldaten zu rekrutieren. (Archivbild) © Anton Vergun/dpa

Nächtliche Entführung und Todesangst – ein Ex-Soldat rechnet in einem Buch mit den Zuständen in der russischen Armee ab und wurde nun entführt.

Moskau – Pawel Filatjew hat als russischer Fallschirmjäger im Ukraine-Konflikt monatelang an der Front in der Südukraine gekämpft, bevor er verwundet und zur Behandlung nach Moskau gebracht worden ist. In dieser Zeit schrieb er eine 141-seitige Abhandlung, in der er seine Erfahrungen mit dem Krieg und dem russischen Militär schildert. Der ehemalige Fallschirmjäger sprach darin auch über die Missstände in der russischen Armee vor der Invasion. Er ist der erste Angehörige des russischen Militärs, der die Invasion in der Ukraine öffentlich kritisiert und das Land verlassen hat.

Aus Angst vor den Folgen der Veröffentlichung kehrte Filatjew dem Militär den Rücken und floh aus Moskau. Nun wurde er offenbar von Spezialkräften aufgesucht und über acht Stunden lang verhört. Das berichtet die russische Menschenrechtsgruppe gulagu.net in einem Livestream, aus dem Business Insider zitierte. Die Menschenrechtsgruppe arbeitet mit Filatjew zusammen.

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Nachdem der Ex-Soldat aus Russland geflohen war, hätte man ihn in seinem Hotel geweckt. Acht Männer hätten sich um sein Bett aufgereiht, berichtet Wladimir Osechkin, der die Menschenrechtsgruppe leitet, unter Berufung auf Filatjews Schilderungen. Die Männer hätten Filatjew Befehle erteilt und ihn gezwungen, mit ihnen zu kommen. Er habe sich in dem Moment schon gedacht, dass das schlechte Neuigkeiten für ihn seien, berichtet Osechkin.

Mit Handschellen gefesselt wurde er von der Gruppe zu einem Gebäude gebracht worden, das mehr an eine Militärbasis als an eine Polizeistation erinnert habe. Dort wurde Filatjew acht Stunden lang verhört, so die Menschenrechtsgruppe. „Das ist es. Ich bin den Kugeln in der Ukraine ausgewichen, aber hier ist es zu Ende für mich“, habe Filatjew dort gedacht.

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Die Männer hätten ihn beschuldigt, für einen Geheimdienst zu arbeiten und „geheime Daten über den Krieg in der Ukraine an die Amerikaner zu verkaufen“. Sie hätten ihm sein Handy abgenommen und alle seine Nachrichten durchgelesen.

Zu keinem Zeitpunkt seien ihm die Gründe für seine Verhaftung genannt worden: „Sie haben deutlich gemacht, dass sie sich weder für meine Einstellung zum Krieg noch für meine politischen Ansichten interessieren“, fügte Filatjew hinzu. Seiner Wahrnehmung nach sei es für sie darum gegangen, ob er ein Extremist oder Terrorist sei.

Filatjew geht nicht davon aus, dass es sich bei den Männern um russische Polizisten gehandelt habe. Sie hätten keine Uniform getragen und ihm keinen Ausweis gezeigt. Nach rund 16 Stunden, in denen er festgehalten wurde, sei er freigelassen worden. (con)

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