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Putins Top-Priester fordert nach Teilmobilmachung: Männer sollen keine Angst vor Tod haben

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Von: Tim Vincent Dicke

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Patriarch Kirill und Russlands Präsident Wladimir Putin
Ideologisch steht Patriarch Kirill immer auf der Seite von Russlands Präsident Wladimir Putin. (Archivbild) © Shamil Zhumatov/AFP

In Russland läuft die Teilmobilmachung. Putins Priester Kirill fordert die Soldaten auf, keine Panik davor zu haben, im Ukraine-Krieg zu fallen.

Moskau – Er ist zwar ein religiöses Oberhaupt, steht allerdings fest an der Seite der Politik von Staatspräsident Wladimir Putin: Patriarch Kirill, Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche. Nun hat der Kreml-treue Priester seine Landsleute dazu aufgefordert, keine Angst vor dem Tod zu haben – es sei heldenhaft, im Ukraine-Konflikt zu sterben.

„Seid mutig und erfüllt eure militärische Pflicht. Und denkt daran, wenn ihr euer Leben für euer Land gebt, kommt ihr in das Reich Gottes, zu seiner Herrlichkeit und seinem ewigen Leben“, sagte der Geistliche laut dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek in einer Predigt im Zachatyevsky-Kloster, das sich in der russischen Hauptstadt Moskau befindet.

Ukraine-Krieg: Männer sollen keine Todesangst haben, so Putins treuer Priester

Kirill erklärte in seiner Rede, dass ein Mensch mit „wahrem Glauben“ keine Panik vor dem Sterben habe. Ein Soldat aus Russland sei nicht besiegbar, wenn er sich nicht um sein Ableben sorge und er sich mit der „Ewigkeit verbunden“ fühle. „Der Glaube macht einen Menschen sehr stark, weil er sein Bewusstsein vom Alltag, von den materiellen Sorgen, auf die Sorge um die Seele, um die Ewigkeit, verlagert“, sagte der 75-Jährige.

Die Angst treibe jeden Krieger vom Schlachtfeld und die Schwachen zum Verrat oder sogar zur Rebellion gegen die eigenen Landsleute, mahnte der Priester und fügte hinzu: „Aber der wahre Glaube vernichtet die Angst vor dem Tod“.

Der Zeitpunkt der Predigt könnte passender kaum sein: Die Teilmobilmachung sorgt bei wehrfähigen Männern in Russland für Panik. Viele wollen nicht in den Ukraine-Krieg ziehen – die Preise für Flugtickets schießen in die Höhe, am Grenzübergang zu Finnland bilden sich lange Staus. Auch Rekrutierungsbüros des Militärs gingen in Russland bereits in Flammen auf, Videos in sozialen Netzwerken zeigen zudem hitzige Debatten zwischen Militärangehörigen und Personen, die eingezogen werden sollen.

Kirill ist bekannter Kriegsunterstützer in Russland

Kirill ist einer der prominentesten und mächtigsten Unterstützer des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Schon zu Beginn der Invasion rechtfertigte er die Militäraktion, der Patriarch betrachtet Russland als Opfer einer westlichen Aggression. Im Juni sagte das Kirchenoberhaupt, dass Russland in der ganzen Welt aus Eifersucht, Neid und Empörung heraus „angegriffen“ werde – weil das Land „anders“ sei.

Nicht nur das Christentum wird in Russland missbraucht, um den blutigen Kämpfen in der Ukraine ein religiöses Narrativ überzustülpen. „Putins Bluthund“ Ramsan Kadyrow, der tschetschenische Statthalter des Präsidenten, motiviert seine Kämpfer mit einer Form des Staatsislamismus. Er schickt eigenen Angaben zufolge Soldaten aus Tschetschenien in die Ukraine, um dort in einer „gottgefällige Mission“ gegen „Satanisten“ zu kämpfen. (tvd)

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