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„Nur noch alte, sowjetische Raketen“: Putins Munition nach dem Bombenhagel erschöpft?

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Von: Fabian Müller

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Vertraut er nur noch sich selbst? Wladimir Putin (M.) mit seinem Veteidigungsminister Sergej Schoigu (r.) und dem Generalstabschef Valery Gerasimov.
Vertraut er nur noch sich selbst? Wladimir Putin (M.) mit seinem Veteidigungsminister Sergej Schoigu (r.) und dem Generalstabschef Valery Gerasimov. © Sergei Savostyanov/Kremlin Pool/Imago

Russland hat den Angriff auf die Krim-Brücke mit massivem Beschuss auf die Ukraine beantwortet. Doch Berichten zufolge gehen Putins Armee nun die Raketen aus.

Moskau/Kiew - Es sollen 83 Raketen gewesen sein, die über fast die gesamte Ukraine verteilt Zerstörung und Leid brachten. Die Reaktion Russlands sollte offenbar stark wirken, nach innen und nach außen. Denn der mutmaßlich ukrainische Angriff auf die Krim-Brücke traf den Kreml auf mehreren Ebenen: Eine wichtige Nachschub-Route wurde zumindest teilweise zerstört. Neben militärischem Gerät und Soldaten kam über die Brücke auch Nahrung für die Armee an die Front im Süden des Ukraine-Krieges .

Aber, für den Kreml vielleicht noch wichtiger: Die Brücke über die Straße von Kertsch hat hohen Symbol-Charakter, sie verbindet die annektierte Krim-Halbinsel mit dem russischen Festland. Vor einem Angriff auf die 2018 feierlich durch Russlands Präsidenten Wladimir Putin eröffnete Brücke warnte der Kreml immer wieder, das sei eine „rote Linie“. Das berichtet merkur.de.

Krieg in der Ukraine: Massive Raketenangriffe in naher Zukunft unwahrscheinlich

Nun also erfolgte diese Reaktion in Form von zahlreichen Raketen, abgeschossen nach Informationen des Institute for the Study of War auch aus Belarus. Russland sprach von einer „erste Episode“ und drohte unverhohlen mit weiteren Raketenangriffen. Doch einigen Berichten zufolge sind weitere solcher massiven Angriffe in naher Zukunft unwahrscheinlich. Das unabhängige russische Medium The Insider berichtet, Russland habe nach dem Beschuss der Ukraine nicht mehr ausreichend Vorräte an Marschflugkörpern.

Das Portal zitiert den russischen Militärexperten Pavel Luzin mit den Worten: „Diese 83 Raketen hat Russland mehrere Monate lang angespart.“ Im Land würden pro Jahr nicht mehr als 200 Langstrecken-Raketen hergestellt. Laut Luzin ist es „weder organisatorisch, technisch noch technologisch möglich, die Produktion stark zu erhöhen oder Raketen aus anderen Ländern für solch einen massiven Angriff zu kaufen.“ Lediglich der Beschuss mit weniger fortschrittlichen Raketen oder iranischen Drohnen sei möglich, solche Angriffe würden aber weitaus weniger bewirken, so Luzin.

Massiver Beschuss der Ukraine: Raketen und Drohnen im Wert von 400 bis 700 Millionen Dollar

Russland habe nun vor allem noch „alte, sowjetische Raketen“ auf Lager. Das sei „gut genug für Terror, aber nicht mehr“, sagte Luzin. „Dieses Zeug ist immer noch gut genug, aber auch nicht besonders.“ Auch nach Einschätzung britischer Geheimdienste geht Moskau zunehmend die Munition aus. „Wir wissen, und das wissen auch russische Kommandeure im Krieg, dass ihnen die Ausrüstung und Munition ausgeht“, sagte der Direktor des britischen Geheimdienstes GCHQ, Jeremy Fleming. Der russische Präsident Wladimir Putin mache Fehleinschätzungen und strategische Fehler.

Das US-Magazin Forbes will zudem die Kosten von Russlands Angriffen vom 10. Oktober errechnet haben. Die Raketen und Drohnen, die am Montag in der Ukraine eingesetzt worden waren, dürften dem Bericht zufolge einen Gesamtwert zwischen 400 und 700 Millionen Dollar gehabt haben.

Video: Ukraine-Krieg: Russland übt massive Vergeltung für Explosion auf Krim-Brücke

Ukrainische Luftabwehrsysteme konnten 43 der 83 Raketen abschießen, mindestens 14 Menschen wurden bei den Angriffen getötet, 97 verletzt. Nach ukrainischen Medienberichten hätten die russischen Raketenangriffe 70 Ziele getroffen, darunter 29 kritische Infrastruktur-Einrichtungen, vier Hochhäuser, 35 Wohngebäude sowie eine Schule. (fmü)

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