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„Freiheit“ oder „Mord“?: Straßenumfrage zeigt, was Moskauer von Putins Krieg halten

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Von: Stephanie Munk

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Freie Meinungsäußerung zum Ukraine-Krieg ist in Russland gefährlich – es drohen harte Strafen. Eine Umfrage gibt jetzt einen seltenen Einblick in die Gedanken der Russen.

Moskau — In Russland herrscht seit dem Ukraine-Krieg laut der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ faktisch keine Pressefreiheit mehr: Präsident Wladimir Putin ließ kritische Medien verbieten, die Zensur im Internet ist massiv. Um eine unabhängige Berichterstattung trotz staatlicher Restriktionen bemüht sich der US-finanzierte Rundfunkveranstalter „Radio Free Europe/Radio Liberty“.

Der Sender hat jetzt ganz gewöhnliche Menschen auf den Straßen von Moskau befragt – mit interessantem Ergebnis, wie merkur.de berichtet. Ein Reporter wollte von Passanten an einer belebten Straße wissen: „Bringt Russlands ,militärische Spezialoperation‘ in der Ukraine etwas Gutes für die Ukrainer?“ Die Antworten fielen unterschiedlich aus - manche Moskauer äußerten sich aber überraschend Putin-kritisch.

Was denken Russen über Ukraine-Krieg? Viele haben staatliche Propaganda übernommen

Einige Passanten wiederholten bei der Umfrage das, was ihnen russische Propaganda-Sender tagtäglich servieren: Ein Mann sagt, bei dem Einsatz handle es sich um „Befreiung von dem, was dort in den letzten Jahren los war“. Auch zwei junge Männer erklären, den Ukrainern würde durch den Einsatz „Freiheit“ gebracht. „In drei Tagen gehe ich auch dorthin“, sagt ein junger Moskauer mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Wenn wir sie befreit haben, werden sie alle Freiheit und Sicherheit haben.“

Doch weitere Passanten denken anders - und äußern dies auch offen. Das ist ein riskantes Unterfangen in einem Land, in dem es verboten ist, bei dem Einsatz in der Ukraine von „Krieg“ zu sprechen und sich kritisch zur russischen Armee zu äußern. Eine mutige Frau traut sich dennoch: Der Einsatz in der Ukraine bringe „Zerstörung und Mord“, sagt sie zu dem Reporter. „Russen töten dort Russen. Nur, um sicherzustellen, dass die Amerikaner dort nichts bekommen.“

Moskauer äußern sich in Umfrage kritisch – „Unmöglich, sich Putin zu widersetzen“

Auch ein älterer Mann sagt, der Einsatz bringe „nicht Gutes“. Wenn jemand seine Heimat zerbomben würde, würde er daran schließlich auch nichts Positives erkennen. Aber das sei es eben, was Putin wolle, so der Moskauer resigniert: „Es ist unmöglich, sich Putin zu widersetzen.“ Zwei andere gehen sogar noch weiter und nehmen das verbotene Wort „Krieg“ in den Mund: „Ein Krieg verursacht nichts als Elend“, erklärt ein Moskauer mit grauer Schiebermütze.

Ein anderer junger Russe hadert mit sich: „Es ist gefährlich, diese Frage zu beantworten“, sagt er zu dem Reporter. Ehrlich zu sein, sei es schwer. „Schlaue Menschen können zwischen den Zeilen lesen“, ist schließlich alles, was er zur Ukraine sagen will.

Russen erhalten Nachrichten fast nur durch Staats-TV

Russen bekommen ihre Informationen seit dem Ukraine-Krieg fast ausschließlich durch staatliche kontrollierte Fernsehsender. Soziale Netzwerke sind weitgehend blockiert. Auf der Rangliste der Pressefreiheit setzen „Reporter ohne Grenzen“ Russland auf den miserablen Platz 155 von 180.

Auch für normale Bürger sind die Repressionen groß: Die russische Polizei soll sogar private Handys auf den Straßen kontrollieren, um zu checken, ob sich jemand Kriegs-kritisch äußert. Ohne Durchsuchungsbefehl können Telefonate und Kommunikation auf dem Computer geprüft werde.

Repressionen in Russland: Kritische Journalistin floh inzwischen ins Ausland

Auch eine russische Reporterin brauchte Mitte März großen Mut, um im Live-TV ein Schild hochzuhalten, auf dem zu lesen war „Stoppt den Krieg“ und: „Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. Inzwischen ist die Journalistin mit ihrer Tochter aus Russland geflohen.

Von den Teilnehmern des G20-Gipfels auf Bali kam am Mittwoch (16. November) die klare Forderung an Russland, den Krieg zu beenden. Russlands Beschuss auf ukrainische Städte sei „barbarisch“, Putin könne und müsse den Krieg beenden, forderte US-Präsident Joe Biden. (smu)

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