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Putins Sündenböcke: Russische Kommandeure offenbar entlassen und verhaftet

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Russland erleidet im Ukraine-Krieg schwere Verluste, der Chef des ukrainischen Geheimdienstes spricht von einem Wendepunkt. Putin reagiert.

Moskau – Der Chef des russischen Generalstabs Valery Gerasimov wurde offenbar. Das zumindest berichtet das britische Nachrichtenportal The Independent. Laut Oleksiy Arestovych, Militärberater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gibt es „vorläufige Informationen“, die auf die Suspendierung Gerasimovs hindeuten. Russlands Präsident Wladimir Putin und seine engsten Berater würden jetzt prüfen, ob Gerasimov die militärischen Streitkräfte weiter anführen darf.

Eine offizielle Bestätigung zur Entlassung des Militärkommandeurs gibt es nicht. Nach Independent-Angaben haben sich Spekulationen über Entlassungen hochrangiger Befehlshaber des Militärs gehäuft, nachdem Gerasimov bei der jährlichen Parade Russlands zum Tag des Sieges am 9. Mai nicht erschienen war.

Die russischen Streitkräfte haben im Ukraine-Konflikt zahlreiche Rückschläge erlitten: Die Hauptstadt Kiew wurde nicht frühzeitig eingenommen, die russischen Soldaten zogen sich deshalb zurück, berichtet The Independent. Die russischen Streitkräfte rückten dann in den Donbass der Ukraine vor, wo Separatisten seit Jahren gegen ukrainische Truppen kämpfen. Auch dort sei es dem russischen Militär nicht gelungen, Städte einzunehmen.

Russischer Präsident Vladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin macht offenbar seine Militäranführer zu Sündenböcken für die Verluste im Ukraine-Krieg. © Russian Look/Kremlin Pool/Imago

Wladimir Putin entlässt Militärführer: Entlassungen auf Telegram veröffentlicht

Ein Beispiel seien auch die Kämpfe in Mariupol, wo ukrainische Kämpfer sich in einem Stahlwerk verschanzt hatten. Dass Russland nur wenige militärische Erfolge im Krieg gegen die Ukraine erreichen konnte, hat die Spekulationen um die Absetzung militärischer Anführer angefacht, heißt es bei The Independent. Kyrylo Budanov, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, sprach sogar von einem baldigen Wendepunkt im Ukraine-Konflikt.

Darüber hinaus vermeldete das ukrainische Innenministerium auf Telegram, dass zwei weitere Kommandeure wegen der Verluste auf russischer Seite entlassen worden seien. Admiral Igor Osipov, Kommandant der Schwarzmeerflotte, sei festgenommen, die Kommandeure Vladislav Ershov, Sergei Kisel und Generalmajor Arkady Marzoev seien ihrer Posten enthoben worden.

Valery Gerasimov, Chef des Generalstabes der Streitkräfte Russlands, sei suspendiert worden.
Valery Gerasimov, Chef des Generalstabes der Streitkräfte Russlands, sei suspendiert worden. © Tolga Bozoglu/dpa

Dem Independent zufolge hat der britische Verteidigungsminister Ben Wallace vergangene Woche davon gesprochen, die russischen Militäranführer seien entsetzt über ihre Suspendierungen. „Man muss vorsichtig sein, wenn man das alleinige Kommando über etwas im russischen System hat, denn das könnte sich schnell ändern“, wird Wallace zitiert.

Auch wenn Wladimir Putin als „starker Anführer“ respektiert werde, würde das russische System derzeit bröckeln. Der russische Generalstab werde zum Sündenbock für Putins Chaos gemacht. Auch Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu wird scharf kritisiert: Ihm wird kriminielle Fahrlässigkeit vorgeworfen. (ter)

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