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Ukraine-Krieg: So wirkungsvoll ist Putins Propaganda in Russland

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Von: Karolin Schäfer

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Der Krieg in der Ukraine spitzt sich zu. Dabei scheint Putins Propaganda weiterhin Anklang beim russischen Volk zu finden.

Moskau – Der Ukraine-Krieg überschattet das Land mit Leid, Zerstörung und Tod. Seit mehr als drei Monaten dauern die Kampfhandlungen in der Ukraine an, ein Ende scheint nicht in Sicht. Auch in Russland spitzt sich die Lage zu: Die Föderation driftet immer tiefer in „diktatorische Verhältnisse“ ab.

Doch trotz der kräftezehrenden Wochen und der Repressionen scheint das russische Volk nach wie vor hinter dem Präsidenten Wladimir Putin und seiner vermeintlichen Militäroperation in der Ukraine zu stehen. Darauf deutete zumindest das Ergebnis einer Umfrage hin.

Wladimir Putin, Präsident von Russland
Wladimir Putin, Präsident von Russland. © Alexander Nemenov/dpa

Ukraine-Krieg: Putins Propaganda findet Anklang in Russland

Die Umfrage des russischen, unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Levada-Center legte nahe, dass die Kreml-Propaganda nach wie vor funktioniert. Laut russischem Staatsfernsehen ist der Einsatz in der Ukraine ein voller Erfolg.

Auf den Fernseher als Hauptinformationsquelle vertrauen etwa 52 Prozent der 1616 Befragten. „Das Fernsehen bleibt die Hauptinformationsquelle“, schrieb das Institut am vergangenen Freitag (20. Mai) in einer Erklärung. Dennoch habe die Popularität im Vergleich zum Beginn des Angriffskrieges etwas abgenommen.

Das Vertrauen in Internetquellen (17 Prozent) und soziale Netzwerke (17 Prozent) sei nach wie vor gering. In Russland werden vor allem die Plattformen VKontakte, YouTube und Odnoklassniki genutzt. Facebook und Instagram sind verboten, weshalb sich hier nur wenige russische Nutzer:innen aufhalten.

Ukraine-Krieg: Viele sind gegen Sperrung von Facebook und Instagram

Erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass viele der Befragten (46 Prozent) die Sperrung von Facebook und Instagram nicht befürworteten. Etwa ein Drittel (32 Prozent) stimmten für das Verbot. Dies begründeten die meisten mit den „vielen Lügen“, Desinformationen und antirussischer Propaganda, die in den Netzwerken kursieren sollen.

Trotz der eher negativen Einstellung gegenüber der Sperrung von Facebook und Instagram in Russland, hielten mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) eine Zäsur des Internets für notwendig. Vor allem Befragte ab 55 Jahren sprachen sich für eine Zäsur aus, eher als in anderen Altersgruppen. Wie aussagekräftig die Zahlen aber tatsächlich sind, lässt sich nur schwer beantworten. Beobachter:innen gehen der New York Times zufolge davon aus, dass die Umfragen die öffentliche Meinung in Russland nicht eindeutig widerspiegeln. Viele würden sozial erwünschte Antworten geben.

Ukraine-Krieg: Russland beansprucht Kontrolle über Medienlandschaft

Dabei ist es nichts Neues, dass der russische Staat die Kontrolle über die Medienlandschaft beansprucht und damit auch das eigene Volk beeinflusst. Bis zu 15 Jahre Haft drohen Journalistinnen und Journalisten in Russland, wenn sie den Krieg in der Ukraine als solchen bezeichnen. Damit hat der russische Machtapparat die unabhängigen Medien weitestgehend erstickt. So musste etwa die letzte unabhängige Zeitung Russlands Novaya Gazeta ihre Redaktionsräume in Moskau schließen. Die Zeitung berichtet mittlerweile aus Lettland.

Zumindest deuten die Umfragewerte daraufhin, dass Putins Propaganda nach wie vor funktioniert und von der russischen Bevölkerung weitgehend angenommen wird. Kritische Stimmen werden im Keim erstickt. Allein am Tag der Invasion am 24. Februar wurden 2000 Menschen festgenommen, die gegen den Krieg protestierten. Der russischen Aufsichtsbehörde für Kommunikation Roskomnadzor zufolge wurden seit Ende Februar „über 117.000 Fälschungen, 38.000 Aufrufe zu Protesten entdeckt und entfernt und 1.177 Websites mit ukrainischer nationalistischer Propaganda mit einem Gesamtpublikum von 202 Millionen Nutzern blockiert“, hieß es am Donnerstag (26. Mai) bei Telegram. (kas)

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