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„Putins Koch“ auf der Suche: Russland schickt immer mehr Gefängnisinsassen an die Front

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Von: Andreas Apetz

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Russland setzt mittlerweile vermehrt auf den Einsatz von Gefängnisinsassen. Dabei soll eine Art von Häftling besonders bevorzugt sein.

Moskau – Um die erheblichen Verluste des russischen Militärs im Ukraine-Krieg zu kompensieren, setzt Russland nun verstärkt Gefängnisinsassen als Söldner ein. Unter Anweisung von Wladimir Putin soll Jewgeni Prigoschin – auch „Putins Koch“ genannt und Anführer der Wagner-Gruppe – jetzt mit „Druck“ nach vergewaltigten und misshandelten Häftlingen Ausschau halten, um sie aus den russischen Strafkolonien zu rekrutieren und an die Front in der Ukraine zu schicken. Darüber berichtete das US-Nachrichtenportal The Daily Beast.

Zu Beginn seien vornehmlich inhaftierte Räuber und Mörder für die Wagner-Gruppe herangezogen worden, erklärte Ruslan Vakhapov, selbst ehemaliger Sträfling und mittlerweile Menschenrechtsverteidiger, gegenüber dem US-Portal. Die kriminellen Rekruten seien dann üblicherweise mit wenig Ausbildung und schlechter Ausrüstung als Vorhut in den Krieg geschickt worden.

Ukraine-Krieg: Putin weitete Rekrutierung von Häftlingen aus

Das russische Strafvollzugssystem ist ein Überbleibsel des Gefangenenkastensystems aus der Sowjetzeit, an dessen unterster Stelle eine Unterschicht steht, die als „die Beschämten“ bekannt ist. In den russischen und Straf- und Arbeitskolonien führen Insassen der niedersten Kaste ein alptraumhaftes Leben, bei dem Gewalt und Misshandlung an der Tagesordnung stehen, berichtet The Daily Beast.

Der Russe Jewgeni Prigoschin finanziert die Söldnertruppe Wagner, die Armee ist auch im Ukraine-Krieg zugange
Der Russe Jewgeni Prigoschin finanziert die Söldnertruppe Wagner, die Armee ist auch im Ukraine-Krieg zugange. © ITAR-TASS/Imago

Laut Vakhapov ist „Putins Koch“ nun dazu übergegangen, auch „beschämte Insassen“ für seine Söldnertruppe anzuwerben. Dabei dürfte deren Wunsch nach dem Entkommen aus dem grausamen Gefängnisalltag eine ausschlaggebende Rolle spielen. In der Ukraine dienen die Söldner nur als Kanonenfutter. „Die Gefangenen in der Wagner-Söldnerarmee haben keine Chance zu überleben, ‚die Beschämten‘ sterben, als würden sie durch den Fleischwolf gedreht“, sagte Olga Romanova, die Gründerin einer Gruppe unabhängiger Gefängnisbeobachter namens Russia Behind Bars.

Ukraine-Krieg: „Putins Koch“ lockt Gefängnisinsassen mit monatlichem Gehalt

Neben der Flucht aus dem Gefängnis verspricht Prigoschin seinen Rekruten ein monatliches Gehalt von 1.500 bis 3.000 Dollar. Dass davon jemals etwas ausgezahlt werden muss, ist unwahrscheinlich. Laut Russia Behind the Bras hat Prigohin bereits über 6.000 Häftlinge im Namen der Wagner-Gruppe in den Kampf geschickt. Dabei sollen bereits mehr als die Hälfte aller Truppen gefallen sein, so die Aktivistin Romanova. Erst vor kurzem rechtfertigte Prigohin sein Vorgehen bei der Rekrutierung von Straftätern.

Lange war es unklar, woher die berüchtigte Wagner-Gruppe stammt. Über die Jahrzehnte hinweg kursierten viele Spekulationen. Im September 2022 bekannte sich der Kreml-Koch Prigoschin zur Gründung der Söldner-Truppe. Er habe die Gruppe im Mai 2014 gegründet, um Kämpfer in den ukrainischen Donbass zu schicken, erklärte Prigoschin in einer Mitteilung seines Unternehmens. Ab diesem Zeitpunkt sei „eine Gruppe von Patrioten“ geboren, die „später den Namen bataillonstaktische Gruppe Wagner“ erhalten habe. (aa/dpa)

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