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Otto von Habsburg warnte schon vor 20 Jahren vor Putins Krieg - und verglich ihn mit Hitler

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Von: Wolfgang Hauskrecht

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Otto von Habsburg, Sohn des letzten österreichischen Kaiserpaares, aufgenommen in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See am 26.06.2007.
Otto von Habsburg, Sohn des letzten österreichischen Kaiserpaares, aufgenommen in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See am 26.06.2007. © Matthias Schrader/ lby/ dpa/ Picture Alliance

Otto von Habsburg, der letzte Kronprinz, erkannte früh, was Russlands Präsidenten Putin antreibt - und verglich ihn mit Hitler.

München – Otto von Habsburg hatte den Ukraine-Konflikt* offenbar kommen sehen. Der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich warnte zu Lebzeiten immer wieder vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin*. Er verglich Putin mit Adolf Hitler und sagte neue russische „Kolonialkriege“ voraus. Putin, mahnte er unablässig, sei eine Gefahr für ganz Europa.

Otto von Habsburg warnte vor 20 Jahren vor Putin

Otto von Habsburg kam 1912, kurz vor dem Ersten Weltkrieg zur Welt. Er war von 1916 bis 1918 der letzte Kronprinz von Österreich-Ungarn und von 1979 bis 1999 hoch geachteter CSU*-Abgeordneter im Europäischen Parlament.

Die Machtergreifung Hitlers erlebte er als junger Mann – und schon Anfang dieses Jahrtausends erhob er seine Stimme gegen den russischen Machthaber. „Natürlich kehrt der Kommunismus, wie er unter Stalin war, nicht wieder. Aber es kommt der Nationalsozialismus, natürlich auch nicht in Form von Hitler, sondern von Putin“, sagte er 2002 der FPÖ-nahen Wochenzeitschrift Zur Zeit. 20 Jahre ist das her. Putin war da erst seit zwei Jahren Präsident.

Otto von Habsburg wurde vor Putin gewarnt: Er sei grausam und unterdrückerisch

Otto von Habsburg beschäftigte sich nach eigener Aussage seit der Wiedervereinigung mit dem Nachfolger von Boris Jelzin. Putin habe schon in der Schulzeit regierungskritische Mitschüler denunziert und früh Karriere beim Geheimdienst KGB gemacht, sagte Habsburg, der in Pöcking am Starnberger See lebte, 2003 bei einem Vortrag in Bregenz. Bereits 1990 hätten ihn antikommunistische Demonstranten gewarnt, Putin sei grausam und unterdrückerisch.

In seiner Antrittsrede im Januar 2000 habe Putin dann klar durchblicken lassen, dass er Russland wieder zur Weltmacht machen wolle. Der Westen, kritisierte Habsburg, habe das „nicht weiter zur Kenntnis genommen“ und geglaubt, man lebe nach dem Kalten Krieg in einer Zeit der Sicherheit und des Friedens. Europa müsse eng mit den USA zusammenarbeiten und die europäische Einigung vorantreiben, „denn das bedeutet für uns Sicherheit“. Der Frieden sei durch rechtzeitiges Eingreifen zu retten.

Habsburg warnte vor Putin: Er sei „ein eiskalter Bürokrat und Technokrat“

Die Vorträge und Interviews, in denen Habsburg vor Putin warnte, sind zahlreich. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im November 2005 bezeichnete er Russland als „das größte imperialistische Land, das es gibt. Es geht bis zu den Kurilen auf der einen Seite und träumt auf der anderen Seite noch immer davon, die baltischen Staaten zurückzubekommen“. Putin sei „ein eiskalter Bürokrat und Technokrat“, ein KGB-Mann. „Schauen Sie, wie sehr Russland restalinisiert worden ist, seitdem Putin an der Macht ist.“

Die Wiener Tageszeitung „Die Presse“ hat jüngst weitere mahnende Auftritte Habsburgs zusammengetragen. Demnach sagte er 2005 bei einem Vortrag der Paneuropa-Union in Vorarlberg, in Russland* herrsche eine „Mentalität des Polizeistaates“. In Washington bei einem Vortrag an der Johns-Hopkins-Universität betonte Habsburg im selben Jahr, die politische und wirtschaftliche Macht Russlands sei in der Hand Putins und seiner Getreuen der Geheimpolizei konzentriert.

„Unser größtes Problem in Europa ist heute Russland und die Herrschaft Putins.“ Dessen Vorgehen gleiche dem des sowjetischen Diktators Josef Stalin, Habsburg nannte Putin in einem Atemzug mit dem nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler. So wie Hitler spreche auch Putin offen über seine Absichten. 2006 wiederholte er das bei einer Tagung in Laibach. Der russische Präsident mache „genau die gleichen Schritte wie Hitler“.

Otto von Habsburg: „Russland ist nicht Europa“

Auch kurz vor seinem 95. Geburtstag erhob Otto von Habsburg die Stimme. „Russland ist nicht Europa“, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Ungeachtet des Zerfalls der Sowjetunion sei Russland „das letzte große Kolonialreich im Zeitalter der Dekolonisation“.

Dass er Recht behalten sollte, erlebte Otto von Habsburg nicht mehr mit. Er starb am 4. Juli 2011 mit 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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