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Ukraine überrascht russische Besatzer mit „Geschenk“ zu Weihnachten

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Von: Andreas Apetz, Christian Stör

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Im Rahmen eines Weihnachtsfestivals findet in Moskau eine Ausstellung von Designer-Weihnachtsbäumen statt. Die Ausstellung ist bis zum 8. Januar 2023 für die Öffentlichkeit zugänglich und behandelt das Thema Die Größe Russlands - Wissenschaft, Kultur, Sport.
Designer-Weihnachtsbäume in Moskau. © Sergei Karpukhin/Imago

Die russisch-orthodoxe Kirche feiert Heiligabend und Weihnachten am 6. und 7. Januar. Im Ukraine-Krieg sorgt das Fest in Russland und der Ukraine für Diskussionen.

Update vom 7. Januar 2023, 8.20 Uhr: Bereits kurz nach dessen Ankündigung am Donnerstag (5. Januar) hatte die ukrainische Regierung die von Russland vorgeschlagene Feuerpause anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes abgelehnt. „Obwohl sich die russische Heeresgruppierung an die seit heute, dem 6. Januar um 12 Uhr in Kraft getretene Feuerpause hält, hat das Kiewer Regime weiter mit Artillerie auf Ortschaften und Positionen der russischen Kräfte gefeuert“, erklärte Armeesprecher Igor Konaschenkow am Freitag (6. Januar) in Moskau.

Das Verteidigungsministerium in Kiew sieht seine Angriffe auf Russlands Stellungen als „Geschenk“. Mit 120-Millimeter-Mörsergranaten wolle man den Besatzern zum bevorstehenden Weihnachten gratulieren. „Der Widerstand geht weiter, bis der letzte russische Eindringling auf ukrainischem Boden getötet ist!“, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums am Freitag. Auch am Samstag (7. Januar) setzen sich die Angriffe an den Frontlinien des Ukraine-Kriegs fort.

Orthodoxes Weihnachtsfest spaltet die Gläubigen in Russland und der Ukraine

Erstmeldung vom Donnerstag, 5. Januar 2023, 18.40 Uhr: Kiew/Moskau – Katholische und evangelische Gläubige feiern Heiligabend und Weihnachten am 24. und 25. Dezember. Die russisch-orthodoxe Kirche begeht Christi Geburt jedoch deutlich später, nämlich erst am 6. und 7. Januar. Das erste orthodoxe Weihnachtsfest seit dem 24. Februar 2022 spielt nun auch im Ukraine-Krieg eine bedeutende Rolle.

So hat der russische Präsident Wladimir Putin pünktlich zum Fest eine Feuerpause in der Ukraine angeordnet. Putin wies das russische Verteidigungsministerium an, von Freitagmittag (6. Januar) bis in die Nacht auf Sonntag (7. Januar) die Kampfhandlungen im Nachbarland einzustellen. Zuvor hatte der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. bereits dazu aufgerufen. Alle Konfliktparteien sollten vom 6. Januar um 12 Uhr bis zum Ende des 7. Januar das Feuer einstellen, damit die orthodoxen Gläubigen am Heiligen Abend und am Weihnachtstag Gottesdienste besuchen könnten.

Ukraine-Krieg hat orthodoxe Kirche gespalten

Das orthodoxe Weihnachtsfest steht allerdings auch sinnbildlich für die Distanz, die die Menschen in der Ukraine und in Russland mitten im Ukraine-Krieg voneinander trennt. Aus Protest gegen Russland haben einige ukrainische Kirchen Weihnachten vorgezogen und am 25. Dezember gefeiert. Fast die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung ist laut einer Umfrage von Interfax-Ukraine dafür, den Feiertag vorzuziehen – im Jahr 2021 waren dazu nur 26 Prozent bereit. Allerdings lehnen dies 31 Prozent noch immer ab. 

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche gehörte seit dem 17. Jahrhundert als Zweig der russisch-orthodoxen Kirche zum Moskauer Patriarchat. Teile von ihr brachen Anfang 2019 mit Moskau infolge der russischen Annexion der Krim und seiner Unterstützung der pro-russischen Separatisten in der Region Donbass im Osten des Landes. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sagte sie sich im Mai ganz von Moskau los.

Die orthodoxe Kirche wird allerdings auch am 7. Januar einen Weihnachtsgottesdienst abhalten für diejenigen, die nicht zu dem Wechsel bereit sind, wie Pater Andrij Omeljan in einem Interview mit der Nachrichtenagentur afp sagte. „Meiner Meinung nach ist dies eine Übergangsphase. Es gibt ein paar Dinge, die wir nicht von heute auf morgen radikal ändern können.“ Es werde einige Jahre dauern, bis sich die Feiern am 25. Dezember durchgesetzt hätten. „Tatsächlich müssen wir uns daran erinnern, dass wir nicht das Datum, sondern das Ereignis feiern - die Geburt unseres Erlösers.“

Warum wird in der russisch-orthodoxen Kirche Weihnachten am 7. Januar gefeiert?

Dass Weihnachten in der russisch-orthodoxen Kirche erst im Januar gefeiert wird, liegt am Gebrauch unterschiedlicher Kalender. Im Jahr 1918 übernahmen die Bolschewiki in Russland zwar den gregorianischen Kalender, die russisch-orthodoxe Kirche hielt aber am alten julianischen Kalender fest. Andere Kirchen haben neuere Kalender übernommen. So nutzen die römisch-katholische und die evangelische Kirche den 1852 von Papst Gregor XIII. eingeführten Kalender.

Andere orthodoxe Kirchen (wie z.B. in Griechenland oder Bulgarien) begehen feste Feiertage nach dem neujulianischen Kalender, der vom serbischen Geophysiker Milutin Milanković entwickelt und 1923 eingeführt wurde. Die Differenz zwischen dem alten julianischen und den neuen Kalendern beträgt 13 Tage. Deshalb werden in der russisch-orthodoxen Kirche Heiligabend und Weihnachten am 6. und 7. Januar gefeiert.

Wie läuft das Weihnachtsfest in Russland ab?

In Russland ist Weihnachten das zweitwichtigste religiöse Fest nach Ostern. Nach der Oktoberrevolution 1917 durfte Weihnachten jahrzehntelang nicht gefeiert werden. Die Bolschewiki verboten den religiösen Brauch und damit alle mit ihm verbundenen Traditionen, auch den Weihnachtsbaum. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion durften die Menschen ihr Weihnachtsfest wieder offiziell am 6. und 7. Januar feiern. Das große Fest steigt aber zum Jahreswechsel. Dann kommt der russische Ersatzweihnachtsmann „Väterchen Frost“ in die Häuser und verteilt Geschenke. Mittlerweile feiern viele Gläubige sowohl das Neujahrs-, als auch das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest.

Im Rahmen eines Weihnachtsfestivals findet in Moskau eine Ausstellung von Designer-Weihnachtsbäumen statt. Die Ausstellung ist bis zum 8. Januar 2023 für die Öffentlichkeit zugänglich und behandelt das Thema Die Größe Russlands - Wissenschaft, Kultur, Sport.
Weihnachten wird in der russisch-orthodoxen Kirche erst im Januar gefeiert. © Sergei Karpukhin/Imago

Den Heiligabend am 6. Januar nennt man in Russland Sochelnik. Die feierliche Weihnachtsmesse findet in der Nacht auf den 7. Januar statt. Dann endet für gläubige Menschen in Russland die 40 Tage lange Fastenzeit. In dieser Zeit ist der Verzehr von tierischen Produkten untersagt. Am 7. Januar besuchen die Gläubigen nach dem morgendlichen Gottesdienst Familienangehörige und Freunde, die mit Süßigkeiten beschenkt werden. (cs/aa/dpa)

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