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Katharina die Henkerin: Aktivist modelliert russisches Denkmal in Odessa um

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Von: Nail Akkoyun

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In Odessa hat der Aktivist Wladislaw Balinskyj das Denkmal für die russische Zarin Katharina die Große ummodelliert.
In Odessa hat der Aktivist Wladislaw Balinskyj das Denkmal für die russische Zarin Katharina die Große ummodelliert. © Imago

Aus Protest gegen den Ukraine-Krieg wird ein Denkmal für eine russische Zarin in Odessa umgewandelt. Doch damit sind nicht alle einverstanden.

Odessa – Als strategisch wichtige Hafenstadt blieb Odessa einige Zeit vom Ukraine-Krieg verschont, doch inzwischen werden auch die Einwohner:innen der Großstadt täglich mit den Auswirkungen der russischen Invasion konfrontiert. Unter den Bürger:innen von Odessa hat sich kürzlich jedoch Widerstand geregt – wenn auch nur künstlerisch.

Nahe der Potemkinschen Treppe im historischen Zentrum der Küstenstadt hat der Aktivist Wladislaw Balinskyj das örtliche Denkmal von Katharina der Großen – eine russische Zarin – umdekoriert. Der Bronzekopf der Skulptur wurde mit einer scharlachroten Henkerskapuze bedeckt, zudem ziert eine Schlinge die ausgestreckte linke Hand der Herrscherin.

Die Ummodellierung der Skulptur symbolisiert ein Umdenken der Ukrainer:innen, erklärte Balinskyj im Gespräch mit newsweek.com. Ihm zufolge habe eine Umfrage im Oktober ergeben, dass „etwas mehr als 50 Prozent“ die Entfernung des Denkmals befürworten. Petro Obuchow, Mitglied des Stadtrats, sagte gegenüber Newsweek: „Mit jedem russischen Raketeneinschlag, jedem Selbstmorddrohnenangriff, jeder Luftalarmsirene und jeder Beerdigung eines geliebten Menschen ist die Unterstützung für die Entfernung des Denkmals gewachsen.“

Ukraine-Krieg: Denkmal in Odessa spaltet die Küstenstadt

Die Minderheit, die immerhin knapp die Hälfte der Befragten ausmacht, sieht allerdings einen historischen Wert im Katharinendenkmal. Ein Seemann, der mit Newsweek sprach, fürchtete, dass „die Russen, wenn sie sehen, was unsere Stadttrottel mit ihrer Schönheit angestellt haben, uns wirklich fertigmachen werden.“ Andere Einwohner:innen betonten wiederum, dass es Odessa ohne Katharina die Große überhaupt nicht gäbe – ein Argument, was die aktuelle Situation laut dem Stadtrat aber nicht überschatten dürfe.

„Es stimmt, dass Katharina die Große einen Erlass unterzeichnete, der zur Entwicklung von Odessa führte, und dass Zar Alexander I. das Wachstum der Stadt weiter förderte, indem er sie zu einem zollfreien Hafen machte“, sagte Petro Obuchow. „Solche historischen Fakten gehören in Lehrbücher, aber das bedeutet nicht, dass die russischen kaiserlichen Führer, die diese Dinge getan haben, einen Ehrenplatz mitten in unserer Stadt im Jahr 2022 verdienen, inmitten eines aktuellen Krieges zwischen Russland und der Ukraine.“

Ähnlich sieht es auch Aktivist Balinskyj, der Skeptiker:innen zu erklärten versucht, „dass es an der Stelle von Odessa eine Siedlung gab, lange bevor russische Armeen ankamen und sie im Kampf einnahmen.“ Es sei wichtig, dass die Bevölkerung diese Dinge versteht, „damit die Entfernung legitim akzeptiert wird“. Dann, so Balinskyj, könne die Öffentlichkeit mit der Statue machen, was sie will: „Sie einschmelzen und die Bronze für irgendetwas verwenden, sie in ein Museum stellen, sie jemandem mit nach Hause geben – was auch immer.“ (nak)

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