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„Gefährlich und kriminell“: Politischer Widerstand in Russland wächst

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Wladimir Putin bei einer Rede während einer Zeremonie zur Verleihung von Goldstern-Medaillen an Helden Russlands.
Wladimir Putin bei einer Rede während einer Zeremonie zur Verleihung von Goldstern-Medaillen an Helden Russlands. © Sergey Karpuhin/dpa

Bei einer Explosion in der Ostukraine sollen Dutzende russische Soldaten gestorben sein. Die Angaben variieren stark – das sorgt für wachsenden Unmut in Russland.

Moskau - Der Tod Dutzender russischer Soldaten bei einem ukrainischen Angriff in der Ostukraine hat in Russland Kritik an der Militärführung ausgelöst. „Zehn Monate nach Beginn des Krieges ist es gefährlich und kriminell, den Feind als einen Dummkopf zu betrachten, der nichts sieht“, sagte Andrej Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Moskauer Stadtparlaments.

Moskau hatte am Montag nach einem ukrainischen Angriff den Tod von 63 Soldaten in der von Russland kontrollierten Stadt Makijiwka in der ostukrainischen Region Donezk eingeräumt. Die ukrainische Armee sprach in einer ersten Reaktion am Montag hingegen von knapp 400 Toten.

Ukraine-Krieg: Russische Politiker äußern Kritik

Die bestätigten 63 Todesfälle stellen die bislang höchste Anzahl von bei einem einzelnen Angriff getöteten Soldaten dar, die Moskau seit Beginn des Ukraine-Konflikts eingeräumt hat. Die russische Führung nimmt nur selten Stellung zu eigenen Verlusten. In Russland wächst die Kritik an dieser Intransparenz.

Auch in den politischen Elitereihen wächst der Unmut. Unter anderem fordert Grigory Karasin, Senator und früherer stellvertretender Außenminister, eine interne Untersuchung des Vorfalls in Makijiwka. Der Abgeordnete Sergej Mironow verlangt, die russischen Offiziere zur Verantwortung zu ziehen, die die Unterbringung von Soldaten in einem ungeschützten Gebäude angeordnet hätten. Das russische Militär hatte eingeräumt, dass die ukrainischen Raketen eine improvisierte Kaserne getroffen hätten.

Laut russischen Kriegsreportern waren die Soldaten in einer Berufsschule stationiert. Die Journalisten sprachen von Hunderten Opfern und warfen ranghohen Militärkommandeuren vor, nicht aus früheren Fehlern gelernt zu haben.

Auch russische Militärblogger äußerten scharfe Kritik. Der russische Ex-Kommandeur Igor Girkin, einer der einflussreichsten Blogger, kritisierte, neben der Kaserne sei Munition gelagert worden, obwohl man sich in Reichweite ukrainischer Raketen befunden habe. Der Blogger Archangel Spetznaz Z, dem auf Telegram mehr als 700.000 Menschen folgen, schrieb: „Wer kam auf die Idee, viele Soldaten in einem Gebäude unterzubringen, wo selbst ein Narr versteht, dass es selbst bei einem Artillerietreffer viele Verwundete oder Tote geben wird?“ (Jan Wendt)

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