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Liefert Erdogan der Ukraine Streumunition? Botschafter bezeichnet Information als „Klatsch“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l.) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen 2020 in Kiew.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l.) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen 2020 in Kiew. © Serg Glovny/Imago

Die Türkei versorgt die Ukraine offenbar nicht nur mit Angriffsdrohnen. Beamte aus den USA und Europa sprechen nun über die Lieferung von Streumunition.

Update vom Mittwoch, 17.15 Uhr: Der ukrainische Botschafter in der Türkei, Vasyl Bodnar, hat sich gegenüber der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zu Behauptungen geäußert, dass Ankara dem ukrainischen Militär Streumunition geliefert habe. Es handle sich um „Klatsch, weit entfernt von offiziellen Quellen“. Das US-Magazin hatte sich im Bericht auf amerikanische und europäische Beamte berufen. „Solche Berichte werden absichtlich vorbereitet, um den türkisch-ukrainischen Beziehungen zu schaden und international ein negatives Image über sowohl die Türkei als auch die Ukraine zu verbreiten“, sagte Bodnar.

Dem Botschafter zufolge könne die Behauptung „Teil russischer Propaganda“ sein, die gegen die Türkei und die Ukraine gerichtet sei. Bodnar betonte: „Ich lehne diese Berichte, die nichts mit der Realität zu tun haben, vollständig ab. Diese Nachrichten werden als psychologische Waffen vorbereitet, um dem Image der Türkei zu schaden.“

„Wichtiger Unterstützer“: Erdogan liefert Ukraine wohl Streumunition

Erstmeldung vom Mittwoch, 11. Januar: München – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan unterhält trotz des Ukraine-Krieges weiterhin enge Beziehungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin. Allerdings ist inzwischen klar: Er versucht seine Ukraine-Politik geschickt zu balancieren, um angesichts türkischer Interessen mit beiden Kriegsparteien in Kontakt bleiben zu können.

Zu diesem Balance-Akt gehört auch die militärische Unterstützung für die Ukraine. Zunächst waren es die berühmten Bayraktar TB2-Drohnen, die Kiew vor allem zu Beginn des Krieges geschickt eingesetzt hatte. Darauf folgten Medienberichten und lokalen Quellen zufolge ballistische Kurzstreckenraketen. Jetzt hat Ankara offenbar ein neues Glied an die Kette der militärischen Hilfe gehängt: Streumunition.

Türkei versorgt Ukraine mit Streubomben – Waffe soll bei Panzerbekämpfung helfen

Die Türkei hat angeblich bereits im November 2022 damit angefangen, die Ukraine mit amerikanischer Streumunition aus der Zeit des Kalten Krieges zu versorgen. Das berichtet das US-Magazin Foreign Policy unter Berufung auf amerikanische und europäische Beamte. Die Waffe, von der jedes Exemplar 88 kleinere Bomben beinhaltet, soll der Ukraine in erster Linie bei der Bekämpfung von russischen Panzern helfen.

Dies dürfte zwar gegen das Oslo-Übereinkommen aus 2010 verstoßen, wonach der Einsatz, die Entwicklung, Herstellung, der Erwerb, die Lagerung, Zurückbehaltung und Weitergabe von Streumunition verboten ist. Allerdings hat die Türkei den Vertrag nie ratifiziert. Anfang Dezember hatte der US-Sender CNN berichtet, die Ukraine habe von den USA Streumunition gefordert. Diese Forderung von Kiew blieb wohl unerfüllt, weshalb sich die ukrainische Regierung an die Türkei wandte.

„Nachdem die USA der Ukraine den Zugang zu Streumunition verwehrt haben, war die Türkei das einzige Land, aus dem sie diese Munition besorgen konnten“, erklärte eine namentlich nicht genannte Quelle Foreign Policy. Weiterhin hieß es von der Quelle: „Dies zeigt, dass die Türkei - auch wenn sie sich in gewisser Hinsicht an Russland annähert - zu einem wirklich wichtigen militärischen Unterstützer der Ukraine geworden ist.“ Neben dem militärischen Faktor fungiert die Türkei im Ukraine-Krieg außerdem immer wieder als Vermittler.

Ukraine-Krieg: Kreml reagiert ruhig auf Streumunition für die Ukraine aus der Türkei

Der Kreml reagierte inzwischen auf die Berichte. „Hier ist es natürlich schwierig, über die Zuverlässigkeit dieser Berichte zu sprechen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax. „Sie wissen, dass es mehr Fälschungen als zuverlässige und wahrheitsgemäße Berichte gibt“, betonte Putins Sprecher weiter. Dennoch überprüfe und beobachte man die Berichte.

Darüber hinaus unterstrich er, jeder sei über die „Lieferungen von Bayraktars in die Ukraine aus der Türkei, Munition für Bayraktars und ähnliches bestens informiert“. Zudem zeigte Peskow Verständnis für Ankaras Haltung: „Die Türkei hat ihre Verpflichtungen als Nato-Mitgliedsland und ihre bilateralen Beziehungen. Dessen sind wir uns auch bewusst.“

Gleichzeitig aber würden „sehr, sehr partnerschaftliche Beziehungen, die auf gegenseitigem Nutzen und gegenseitigem Verständnis beruhen“ die Türkei und Russland verbinden. Im Rahmen dieser Verbindungen herrsche „Respekt und gegenseitige Bereitschaft, die schwierigsten Probleme zu besprechen“. (bb)

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