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„Gutes Ende des Krieges wird es nicht geben“ – Putin-Kritiker schmuggelt Brief aus Gefängnis

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Von: Karolin Schäfer

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Putin-Kritiker Ilja Jaschin schreibt über seine Zeit in einem russischen Gefängnis. Der Ukraine-Krieg werde als „schmerzhafte Wunde“ zurückbleiben.

Moskau – Nicht nur westliche Staaten kritisieren die russische Führung in Moskau für Wladimir Putins Feldzug in der Ukraine. Auch in Russland wächst zunehmend der Druck auf den Kreml. Für Aufsehen sorgte zuletzt der Fall um Kremlkritiker Ilja Jaschin, der in Moskau wegen angeblicher Verunglimpfung der russischen Streitkräfte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden war.

Vor seiner Verlegung in ein Straflager soll Jaschin einen Brief verschickt haben, der nun publik wurde. Darin beschreibt der Gefangene das Verhältnis zu anderen Mithäftlingen und seine Zeit im Gefängnis. Das berichtete die Bild am Sonntag, der Zeitung liegt das Schriftstück vor.

News zum Ukraine-Krieg: Putin-Kritiker berichtet über seine Zeit im Gefängnis

Mitgefangene seien ihm gegenüber „größtenteils loyal“, hieß es in dem Brief. Befürworter des Kremls gebe es selten in russischen Gefängnissen. „Die Menschen hier wissen aus erster Hand, wie staatliche Willkür aussieht“, schrieb Jaschin mit Blick auf die offenbar ungerechte Behandlung seitens der Behörden. Überraschender Weise habe er sich mit dem Wachpersonal gut verstanden. Viele hätten „ihre geringen Löhne und die brutalen Arbeits­bedingungen“ angeprangert.

Das Moskauer Bezirksgericht teilte im Dezember mit, dass Jaschins Schuld vollständig bewiesen sei. Er hatte gegen den Ukraine-Krieg protestiert und Kriegsverbrechen der russischen Armee verurteilt. Den Einwand der Verteidigung, dass es sich dabei um persönliche Einschätzungen gehandelt habe, wies die Richtern ab.

Putin-Kritiker über Ende des Ukraine-Krieges: Wird als „schmerzhafte Wunde“ zurückbleiben

„Ich verstehe, dass die Staatsmacht mit diesem Urteil bestätigt, dass meine Kritik für den Kreml sehr schmerzhaft war“, nahm Jaschin in seinem Brief Stellung. Bei seiner Urteilsverkündung am 9. Dezember 2022 sprach er von einer politischen Inszenierung des Verfahrens. „Mit diesem hysterischen Urteil will die Obrigkeit uns allen Angst machen, aber faktisch hat sie nur ihre Schwäche gezeigt“, hieß es damals auf seinem Telegram-Kanal.

Ilja Jaschin, russischer Oppositionsaktivist und ehemaliger Abgeordnete des Krasnoselskij-Bezirks, gestikuliert und lächelt, während er in einem Gerichtssaal vor einer Anhörung steht. (Archivbild)
Ilja Jaschin, russischer Oppositionsaktivist und ehemaliger Abgeordnete des Krasnoselskij-Bezirks, gestikuliert und lächelt, während er in einem Gerichtssaal vor einer Anhörung steht. (Archivbild) © Yury Kochetkov/dpa

Der 39-Jährige gilt als einer der letzten verbliebenen prominenten Oppositionellen in Russland und ist Vertrauter des im Straflager inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny. Jaschin war bereits im Juni wegen „Ungehorsams gegenüber der Polizei“ zu 15 Tagen Haft verurteilt worden.

„Die Zeit, die mir durch die Finger rinnt, ist das Schlimmste, was man hinter Gittern erleben kann“, betonte Jaschin in seinem Brief. Er dachte auch über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges nach. Ein gutes Ende werde es seiner Einschätzung nach aber nicht geben, sondern als „schmerzhafte Wunde“ zurückbleiben, die „noch jahrelang bluten wird“. (kas/dpa)

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