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Revolution in Russland? „Finaler Countdown“ von Putin läuft

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der Ukraine-Krieg sei Putins größter Fehler gewesen – Russland stehe nun vor der Revolution: So sieht es der russische Oppositionelle Ilja Ponomarjow.

Moskau – In Ukraine-Krieg kämpfen nicht nur ukrainische Streitkräfte gegen Russland. Auch Freiheitskämpfer, die gegen die derzeitige russische Regierung Position beziehen, beteiligen sich an den Kampfhandlungen. Könnten diese Soldaten für Kreml-Chef Wladimir Putin noch gefährlich werden?

Zumindest der russische Oppositionelle Ilja Ponomarjow geht davon aus. Der Politiker war von 2007 bis 2016 Duma-Abgeordneter – also Mitglied des russischen Parlaments. Als einziger von 450 Parlamentsmitgliedern stimmte er im März 2014 gegen Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Newsweek sagte Ponomarjow nun, Putin habe mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine ideale Voraussetzungen für eine „neue russische Revolution“ geschaffen.

Russland vor der Revolution? Kreml-Kritiker überzeugt

„In unserer Situation ist es meiner Meinung nach unumgänglich, dass wir mit einem gewalttätigen und bewaffneten Protest konfrontiert werden. Ich glaube, ohne bewaffneten Widerstand wird es nicht gehen“, sagte der Kreml-Kritiker dem US-Medium. Er gehe davon aus, dass eine realistische Chance für ein solches Szenario bestehe. „Und deshalb bereiten wir gerade militärische Elemente mit Russen in der Ukraine vor, die an der Seite der ukrainischen Armee an den Frontlinien kämpfen. Sie sind bereit, im entscheidenden Moment nach Russland zu gehen“, fügte Ponomarjow hinzu.

Russlands Präsident Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin ließ am 24. Februar die Ukraine überfallen. (Archivbild) © Mikhail Voskresenskiy/AFP

Seinen Angaben zufolge hätten sich rund 4000 Staatsangehörige in die ukrainische Armee eingliedern lassen. Mehrere Hunderte seien außerdem in Freiwilligenregimenten aktiv. Eine von diesen Regimenten ist die „Legion Freiheit Russlands“.

Im März – nur kurze Zeit nach dem russischen Überfall auf das Nachbarland – waren erste Aktivitäten publik geworden, von 100 Kämpfern war damals die Rede. Angeblich soll die Legion mittlerweile aus zwei Bataillonen bestehen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

„Für Russland! Für die Freiheit!“

Doch nicht in Abrede stellen lässt sich ihr öffentlicher Erfolg im Ukraine-Konflikt: Auf dem Messengerdienst Telegram folgen den russischen Kämpfern knapp 130.000 Menschen. „Wir sind bereit, unsere Ehrenschuld gegenüber dem ukrainischen Volk mit unserem Blut und, wenn nötig, mit unserem Leben zu bezahlen“, heißt es in einem von unzähligen Beiträgen. Ihre Posts enden immer mit dem Slogan „Für Russland! Für die Freiheit!“.

„Ich stehe nicht nur in Kontakt mit ihnen, sondern bin sehr aktiv eingebunden“, sagte Ponomarjow gegenüber Newsweek. „Im Moment sind einige Hundert an der Front. Aber in der Vorbereitungspipeline sprechen wir von Tausenden.“ Der Oppositionelle berichtete dem US-Magazin auch von Widerstandsgruppen, die innerhalb Russlands operieren würden. So sei eine Guerillagruppe namens „Nationale Republikanische Armee“ (NRA) für die Ermordung der Tochter des Rechtsnationalisten Alexander Dugin verantwortlich.

Das Auto mit der russischen Kriegsunterstützerin Darja Dugina am Steuer war am 20. August in der Nähe von Moskau explodiert. Russland macht für den Anschlag ukrainische Geheimdienste verantwortlich. Auch US-Geheimdienste vermuten die Ukraine hinter der Tat. Kiew weist jegliche Beteiligung zurück. Ob die NRA tatsächlich existiert, konnte durch gesicherte Informationen bisher nicht bestätigt werden.

Ukraine-Krieg läutet „finalen Countdown“ für Putin ein

Derzeit sei die Revolution in Russland noch etwas entfernt, glaubt Ponomarjow. „Ich denke, es wird nächstes Jahr passieren“, sagte der Putin-Gegner. „Er hat die Gesellschaft sehr radikalisiert und deshalb habe ich im März vorausgesagt, dass sein Geburtstag am 7. Oktober sein letzter sein würde“, so der Oppositionelle über den russischen Staatschef. „Ich bleibe dabei.“

Über die Entscheidung Putins, die Ukraine zu überfallen, könne er aus Sicht des Präsidenten nur den Kopf schütteln. „Finanziell war das russische Regime gut aufgestellt. Innerhalb der Gesellschaft gab es keine nennenswerten Bedrohungen für ihn“, erklärte Ponomarjow und fügte hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass er in die Ukraine einmarschieren und sich in eine solche tödliche Gefahr begeben würde. Als es am 24. Februar losging, habe ich gesagt, dass der finale Countdown begonnen hat.“ (tvd)

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