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„Was ist das für ein Unsinn?“: Wirre Front-Verbote aus dem Kreml

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Von: Stefanie Fischhaber

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Russische Soldaten der Einheit Stalingrad.
Der Kreml will seinen Soldaten ein Bart-Verbot vorschreiben. Aus den Reihen des Militärs hagelt es Kritik. (Archivbild) © Imago/Dmitry Rogulin

Ein Bart- und Handyverbot soll für mehr Disziplin in den russischen Truppen sorgen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Aus den Reihen des Militärs hagelt es Kritik am Kreml.

Moskau - Russische Oberbefehlshaber wollen an der Front durch ein Bart- und Handyverbot für mehr Disziplin sorgen. Berichten zufolge sollen sich russische Soldaten im Ukraine-Krieg die Bärte rasieren - und auch die Nutzung von privaten Geräten ist nicht erlaubt. In den Reihen der Soldaten stößt dieses Verbot auf viel Kritik. Auch hochrangige Militärchefs verurteilen den Kreml.

Bartverbot für russische Soldaten? Kreml-Vertreter entfacht Diskussion

Russischen Medienberichten zufolge wurde den russischen Soldaten in der Ukraine ein Bartverbot angeordnet. Wie die Moscow Times berichtet, war das Verbot zunächst in einigen prorussischen Telegram-Kanälen aufgetaucht, in denen darüber berichtet wurde, dass russische Soldaten, die in der Ukraine kämpfen, gezwungen worden seien, ihre Bärte zu rasieren. Auch die Nutzung privater elektronischer Geräte wie Smartphones oder Tablets sei ihnen nicht erlaubt. Darüber berichtet Merkur.de.

Ob es dieses Verbot tatsächlich gibt, ist unklar. Russische Separatistenführer hatten die Behauptungen zunächst bestritten. Am Mittwoch (18. Januar) äußerte sich schließlich der russische Abgeordnete und ehemalige Generalleutnant Viktor Sobolev in einem Interview mit der Nachrichtenseite RBC dazu. Demnach sei eine Rasur eine „grundlegende Anforderung an die militärische Disziplin“. „Ein Soldat wird von Zivilisten gesehen, er sollte vorbildlich aussehen. Wenn er ungepflegt und unrasiert herumläuft, ist das weder für ihn als Person noch als Soldat ein Kompliment“, sagte Sobolev.

Militär kritisiert Bartverbot - „Als ob es keine Probleme gäbe“

Aus den Reihen des Militärs regt sich nun Widerstand gegen ein Bartverbot. Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow, der auch Truppen in der Ukraine stationiert hat, äußerte sich dazu auf Telegram: „Offenbar hat Generalleutnant Viktor Sobolew viel Freizeit ... denn er hat nichts anderes zu tun, als den militärischen Verhaltenskodex zu lesen“, schrieb er. Das Verbot sei „absurd“ und eine klare Provokation gegen seine muslimischen Soldaten, die als Teil ihrer religiösen Pflicht Bärte trügen. „Als ob es an der Front keine Probleme gäbe. Was ist das für ein Unsinn?“, schrieb Kadyrow weiter.

Auch der Anführer der Wagner-Söldnertruppe, Jewgeni Prigoschin, übte laut Nachrichtenagentur Reuters Kritik am Kreml. Er nannte Sobolevs Äußerungen „absurd“. An der Front sei eine Rasur absoluter Luxus und ein Handy-Verbot zudem archaisch und nicht mehr zeitgemäß.

Kreml unter Kritik: Wagner-Anführer Prigoschin provoziert Putin

Duma-Verteter Sobolev ruderte mit seinen Aussagen auf die Kritik hin zurück. Von den Soldaten zu verlangen, sich die Bärte zu rasieren sei „dumm“, sagte er gegenüber RBC. Es sei ihm vielmehr um ein respektables Auftreten der russischen Einheiten gegangen.

Kadyrow und Prigoschin agieren weitgehend unabhängig vom russischen Oberkommando in der Ukraine. Besonders Wagner-Chef Prigoschin zeigte in letzter Zeit immer wieder Probleme mit der russischen Militärführung. Prigoschin warf der russischen Armee vor, seiner Truppe Siege zu stehlen und provozierte einen Streit über Erfolge in der Ukraine. Seit Moskaus Armeen im Herbst einige Niederlagen erlitten, häuft sich ihre Kritik am russischen Verteidigungsministerium. Die Beziehung zum Kreml spaltet sich seither immer weiter. (sf)

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