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„Lange Phase“ des Ukraine-Kriegs hat begonnen – Russland gerät an seine Grenzen

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Von: Peter Rutkowski

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A serviceman of the engineering troops of the Southern Military District stands guard at the site of the restoration of the North Crimean Canal in the Kherson region, Ukraine.
Ein russischer Soldat in Cherson. © Konstantin Mihalchevskiy/Imago Images

Moskau gehen die Ideen und die Soldaten aus. Kiew will die Zeit für sich arbeiten lassen, nichts überstürzen und weiter auf den Westen hoffen.

Kiew – Der Krieg in der Ukraine verlangsamt sich zu einem kleinteiligen blutigen Schlagabtausch. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow bewertete die Lage am Freitag als den Beginn einer „langen“ Phase des Krieges: „Um jetzt zu gewinnen, müssen wir mit Bedacht haushalten, Fehler vermeiden und unsere Stärken dem Feind so vorführen, dass er am Ende uns nicht mehr widerstehen kann.“ Zurzeit sieht es so aus, als könnte Resnikows strategische Einschätzung Bestand haben.

Russland schweigt bei Kriegsverhandlungen

Sein Präsident Wolodymyr Selenskyj kämpft derweil auf der politischen Ebene und wiederholte sein Gesprächsangebot an den Kriegsherrn im Kreml – aber nur, wenn Wladimir Putin zu einem Dialog bereit sei, nicht in Form von Ultimaten, wie ihn der britische „Guardian“ zitierte.

Um diplomatische Vermittlung bemüht sich auch die Türkei. Offizielle aus Ankara suchten am Freitag nach Dialogmöglichkeiten, um die Tragödie in Mariupols Asowstal-Werk zu beenden. Die ukrainische Vizepremierministerin Iryna Wereschtschuk hatte vorgeschlagen, russische Gefangene wenigstens gegen die 20 am schwersten verwundeten ukrainischen Verteidiger im Bunkerlabyrinth der Industrieanlage auszutauschen. Die russische Seite schweigt sich aus.

Ukraine-Krieg: Russische Armee gerät an seine Grenzen

Ihre Artillerie und Luftwaffe versuchten am Freitag (13.05.2022) weiter, den Komplex „sturmreif“ zu schießen, damit die russische Infanterie ohne größere Verluste vordringen kann. Russland gerät nach Schätzung diverser westlicher Fachleute an die Grenzen seiner professionellen Mannstärke. Kampfverweigerungen häufen sich. Wehrdienstleistende, die nicht eingesetzt werden sollten, scheinen vermehrt an die Front geschickt zu werden.

Am 79. Tag des Krieges konnten ukrainische Einheiten die russischen Invasoren weiter aus der Umgebung von Charkiw verdrängen, was nicht zuletzt daran lag, dass Moskau von dort Einheiten in die Gegend des besetzten Isjum verlegt, um von dort aus kleiner dimensionierte Umfassungsangriffe gegen die ukrainischen Verteidigungsstellungen des Donbass voranzutreiben.

Russlands Offensive immer wieder zurückgeschlagen

Zuvor begonnene größere solcher Angriffe wurden offensichtlich entschieden abgeschlagen oder haben sich an leichter zu verteidigenden Flussläufen gebrochen. Gleichzeitig wurde die Gegenoffensive der Ukrainer dadurch behindert, dass es dem Gegner gelang, drei für den Vormarsch wichtige Brücken zu sprengen.

Zwischen Cherson und Mikolajiw im Süden kommen die Russen nur ebenso schwer voran. Nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums hat Moskau nicht mal mehr annähernd genug Offensivkräfte, um die Eroberung des letzten offenen Schwarzmeerhafens Odessa voranzutreiben. Um die strategisch wichtige Schlangeninsel dort führen ukrainische Drohnen und russische Flugabwehr immer intensivere Duelle. Aber das kann alles lange anhalten. (Peter Rutkowski)

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