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Ukraine-Krieg: Russische Rakete trifft an Nationalfeiertag Personenzug

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Von: Constantin Hoppe

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Zum Unabhängigkeitstag in der Ukraine versprechen die USA ein Paket von Militärhilfen im Kampf gegen Russland. So ist die Lage am Morgen.

Kiew – Seit 183 Tagen dauert der Ukraine-Konflikt und die Angriffe Russlands auf die Ukraine ununterbrochen an. Und die Befürchtungen von Experten bewahrheiteten sich: Am symbolträchtigen, ukrainischen Unabhängigkeitstag am Mittwoch (24. August) verstärkte Russland sein Bombardement.

Eine Rakete traf dabei einen Personenzug bei dem Ort Tschaplyne im zentralukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk. „Tschaplyne ist heute unser Schmerz“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwochabend. Bei dem Raketentreffer starben nach offiziellen Angaben mindestens 22 Personen, 50 weitere wurden verletzt. In einem anderen Ort des Gebietes Dnipropetrowsk wurde nach Angaben der Gebietsverwaltung ein elfjähriges Kind durch Beschuss getötet.

Die ukrainische Armee griff ihrerseits in der Nacht auf Donnerstag russische Munitionsdepots hinter der Front an.

Ukraine-Krieg: Luftalarm am Nationalfeiertag - Russland weitete seine Angriffe aus

Den Feiertag über herrschte in der Ukraine immer wieder Luftalarm. Im Gebiet Chmelnyzkyj im Westen des Landes waren nachmittags schwere Explosionen zu hören, wie der örtliche Gouverneur mitteilte. Wenige Minuten zuvor hatten oppositionelle belarussische Aktivisten angeblich den Abschuss von vier Raketen aus Belarus registriert. Auch zwei russische Bomber seien von dort gestartet. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

August 24, 2022, Kiew zerstörte russische Panzer und anderes erbeutetes Kriegsgerät zur Schau gestellt
Auf der Hauptstraße Chreschtschatyk in Kiew wurden zerstörte russische Panzer und anderes erbeutetes Kriegsgerät zur Schau gestellt. © Sergei Chuzavkov/Imago

Die Ukraine feierte am Mittwoch den 31. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion. „Unsere Unabhängigkeit endet nicht und wird niemals enden“, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache vom Mittwochabend. Trotz der bedrohlichen Lage werde es auch einen 32. Unabhängigkeitstag und einen 33. und alle folgenden geben. „Die Ukraine wird ewig bestehen.“

Feiertag während des Krieges: Paraden abgesagt, weltweite Solidarität mit der Ukraine

Angesichts der Gefahr russischer Angriffe waren die sonst üblichen Militärparaden am Feiertag abgesagt worden. Auf der Hauptstraße Chreschtschatyk in Kiew wurden stattdessen zerstörte russische Panzer und anderes erbeutetes Kriegsgerät zur Schau gestellt. Auch Tausende Menschen in deutschen Städten und vielen anderen Orten der Welt zeigten am Mittwoch ihre Solidarität mit der Ukraine.

Selenskyj sprach auch per Videoschaltung zum UN-Sicherheitsrat in New York – Russland hatte zuvor versucht, die Rede per Eilantrag zu verhindern. Der ukrainische Präsident betonte die globale Bedeutung des Abwehrkampfes gegen die russische Invasion. Wenn Russland nicht aufgehalten werde, „werden russische Mörder wahrscheinlich in anderen Ländern landen – in Europa, Asien, Afrika, Lateinamerika“.

Ukraine-Krieg: USA sagen weitere Militärhilfen zu

Anlässlich des Nationalfeiertags der Ukraine sagte US-Präsident Joe Biden dem osteuropäischen Land weitere Militärhilfen zu. Die USA wollen das Rüstungspaket in Höhe von drei Milliarden US-Dollar für weitere Waffenlieferungen bereitstellen, die Ukraine Luftabwehrsysteme, Artilleriesysteme und Munition sowie Drohnen und Radargeräte erwerben, „um sich langfristig verteidigen zu können“, sagte Biden.

Russlands Präsident Wladimir Putin scheine zu glauben, dass sein Land mit dem stärkeren Kampfeswillen über die Ukraine und die internationale Gemeinschaft triumphieren könne, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. „Dieses US-Paket ist ein greifbarer Beweis dafür, dass dies eine weitere russische Fehlkalkulation ist.“

Baerbock: Deutschland hat durch seine Zögerlichkeit Ansehen verspielt

Aus Deutschland kamen zum Unabhängigkeitstag der Ukraine eher verhaltene Worte: Der Feiertag sei ein Anlass zu prüfen, wie die Ukraine unterstützt werden könne, sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Weitere Waffenlieferungen aus Deutschland bewegten sich aber auf einem „schmalen Grat“, denn die Bundeswehr sei selbst mangelhaft ausgerüstet.

Baerbock gestand ein, dass Deutschland durch die Zögerlichkeit bei der Hilfe für Kiew Ansehen bei seinen osteuropäischen Nachbarn verspielt habe. Auch das Beharren auf der Fertigstellung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 habe Porzellan zerschlagen. „Mit dem Festhalten an Nord Stream 2 haben wir nicht auf die Sorgen unserer baltischen und osteuropäischen Freunde gehört“, sagte die Ministerin. (con mit dpa)

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