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Kreml-kritische Stiftung zeichnet Selenskyj für „Kampf um die Freiheit der Ukraine“ aus

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Von: Sandra Kathe

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Die Kreml-kritische Nemzow-Stiftung hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für seinen mutigen Einsatz im Kampf gegen Russland ausgezeichnet.

Moskau/Bonn – Nach dem inhaftierten Kreml-Gegner Alexej Nawalny sowie mehreren anderen Aktivist:innen, die gegen die demokratiefeindliche Politik Russlands eintreten, ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als siebter Preisträger mit dem Boris-Nemzow-Preis der gleichnamigen Stiftung ausgezeichnet worden. Zur Begründung sagte Stiftungschefin Schanna Nemzowa gegenüber dem Kreml-kritischen russischen Internetportal Meduza: „Zweifellos hat Wolodymyr Selenskyj unglaublichen Mut an den Tag gelegt“. Dies sei umso erstaunlicher, weil diesen Mut „niemand von ihm erwartet hätte“.

Die Stiftung, die nach Nemzowas Vater, dem ermordeten Kremlgegner Boris Nemzow benannt ist, ehrte Selenskyj in seiner Rolle als „Anführer der freien Welt“, die er aktuell an den Tag lege. Es sei nicht selbstverständlich, dass Selenskyj nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Land geblieben ist. Er habe tapfer an der Seite seines Volkes das Land verteidigt, habe Waffen gefordert und sich nicht um seine Sicherheit gekümmert, und das, nachdem ihn viele vor Beginn des Ukraine-Kriegs noch nicht einmal richtig ernst genommen hätten, sagte Nemzowa.

Ukraine-Krieg: Selenskyjs Mut hat vor allem Russlands Herrscher Putin überrascht

Besonders deutlich habe sich das am Beispiel des Kreml-Herrschers Wladimir Putin gezeigt, der nach den Worten Nemzowas „vorsichtig ausgedrückt – erstaunt war, dass Selenskyj sich als mutiger Mensch herausstellte“. Darüber hinaus reagierte Nemzowa auch auf Kritik, wonach Selenskyj selbst schon vor dem Krieg Freiheiten eingeschränkt hatte in der Ukraine. Der große Teil seiner Politik zeuge davon, dass er sich demokratischen Werten verpflichtet fühle, betonte sie. Vor allem habe er anders als andere Präsidenten nicht einfach die Flucht ergriffen, um das eigene Leben zu retten.

Der ukrainische Präsident Selenskyj ist als siebter Preisträger mit dem Boris-Nemzow-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden.
Der ukrainische Präsident Selenskyj ist als siebter Preisträger mit dem Boris-Nemzow-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. (Symbolfoto) © Joe Klamar/AFP

Auch der 2015 in Kremlnähe erschossene Nemzow galt als einer der schärfsten Kritiker Putins und großer Unterstützer einer nach Loslösung von Russland strebenden Ukraine. Die Stiftung, die seinen Namen trägt, wird seit ihrer Gründung im Jahr 2015 von seiner Tochter vom Stiftungs-Hauptsitz in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn geleitet. Sie selbst lebt wie viele andere Kreml-Kritiker:innen seit Jahren im Exil.

Nemzow-Preis für Zivilcourage erinnert an in Russland ermordeten Putin-Kritiker

Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny die Auszeichnung zugesprochen bekommen. Nemzowa erinnert mit dem Preis für Zivilcourage jährlich an den Tod ihres ermordeten Vaters, der noch immer viele Fragen aufwirft. Die EU drängte Russland wiederholt dazu, den Fall weiter aufzuklären. Ein Gericht in Moskau verurteilte 2017 den mutmaßlichen Mörder und vier Komplizen aus dem Nordkaukasus zu langen Haftstrafen. Die Familie Nemzows beklagte, dass nach den Drahtziehern nie wirklich gesucht worden sei. (ska mit dpa)

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