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Ukraine-Krieg: Parole „Hybride Erde“

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Von: Peter Rutkowski

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Zaporizhzhia Nuclear Power Plant Two cooling towers dominate the landscape as the Zaporizhzhia Nuclear Power Plant is si
Das AKW Saporischschja soll kein Kühlwasser mehr haben, wenn der Staudamm gesprengt würde. (Archivbild) © IMAGO/Dmytro Smolyenko

Wie der Ukraine-Konflikt sich langsam ändert – und Putin die Umwelt nach und nach in sein Arsenal integriert. Der Kommentar.

Frankfurt – Der Titel ist erklärungsbedürftig: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) benutzte jüngst das Unwort von der „verbrannten Erde“ – offenbar erstmals in Adolf Hitlers Führerbefehl vom 19. März 1945 belegt –, um das Vorgehen von Wladimir Putin in der Ukraine zu beschreiben.

Taktisch war das nicht ganz richtig, weil das Schlagwort sich auf Zerstörungen beim Rückzug beschränkt. Scholz konnte man dahingehend missverstehen, dass er alle Vorwärts- wie Rückwärtsbewegungen der Russen damit verurteilte. Jedenfalls: Putin tut ihm jetzt offenbar den Gefallen, wenn man der jüngsten Schreckensnachricht aus Kiew glauben mag: Demnach planen die Invasoren bei einem Rückzug aus Cherson das dortige Wasserkraftwerk samt Staudamm zu sprengen. Das wäre dann allerdings nicht nur „verbrannte Erde“.

Ukraine-Krieg: Fortentwicklung des „hybriden Kriegs“

Es wäre auch die nächste Fortentwicklung des „hybriden Kriegs“, als dessen Meister der Kreml sich schon erwiesen hat. Mindestens ein Drittel der Ukraine hat praktisch keine gesicherte Energiezufuhr mehr. Und in den befreiten Gebieten sieht es noch schlimmer aus. Der Atommeiler Saporischschja ist tot; wenn Cherson in die Luft geht, kommt neben weiterem Stromausfall wahrscheinlich noch eine Flut hinzu. Eben: „Hybride Erde“.

Die Ukraine und erst recht der Westen können dem (propagandistisch) kaum etwas entgegensetzen: Dass Wahrheit nicht mehr zieht, hat Donald Trump spätestens seit 2016 intensivst bewiesen. Deshalb ziehen auch die simpleren Unwahrheiten aus dem Osten sehr viel mehr.

Ukraine-Krieg: Front in Belarus ist nur Kulisse

Einsam scheinen da die Stimmen aus London, die seit 240 Tagen nicht verstummen: Die britischen Geheimdienste und das Verteidigungsministerium (das einzige nicht chaotische Ressort der Ära Boris Johnson / Liz Truss) meldeten am Freitag übereinstimmend, dass die jüngst von Minsk und Moskau aufgebaute Drohkulisse eines gemeinsamen Korps von 70.000 Mann an der weißrussisch-ukrainischen Grenze nicht mehr als das ist: Kulisse.

Echt sind dafür Leute, wie der weißrussische Teenager Gleb Gunko, der als Freiwilliger im Ukraine-Krieg gegen die Russen gekämpft hat und nun in Warschau wegen posttraumatischer Belastungsstörung behandelt wird. Und der stolz auf seinen Einsatz ist. (Peter Rutkowski)

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