1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Klitschko-Brüder bleiben in Kiew – „Könnte niemals mehr in den Spiegel sehen“

Erstellt:

Kommentare

Ukraine-Konflikt: Vitali Klitschko (r), Bürgermeister von Kiew und ehemaliger Box-Profi, und sein Bruder Wladimir Klitschko, ebenfalls ehemaliger Box-Profi, schauen auf ein Smartphone im Rathaus in Kiew.
Die Brüder Vitali (r.) und Wladimir Klitschko planen die Verteidigung der ukrainischen Hauptstadt Kiew. © Efrem Lukatsky/dpa

Die ehemaligen Schwergewichts-Champions Vitali und Wladimir Klitschko wollen Kiew trotz des Ukraine-Kriegs nicht verlassen, sondern im Zweifel für ihr Land sterben.

Kiew/Hamburg – Ihre Box-Karriere haben Vitali und Wladimir Klitschko vor einiger Zeit beendet. Heute kämpfen die Brüder für ihre Heimat Ukraine, die sich im Krieg gegen Russlands verteidigt. Als Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew gibt Vitali dem Widerstand gegen Wladimir Putins Angriffskrieg ein Gesicht. Immer wieder tauchen Bilder von ihm sowie seinem jüngeren Bruder Wladimir auf – mit Schutzweste an der Front oder in Kiewer U-Bahnhöfen, die die Menschen derzeit als Luftschutzbunker zweckentfremden.

Seit Tagen bestätigen die Klitschko-Brüder immer wieder, dass sie die Ukraine nicht verlassen werden. „Wenn ich ginge, wäre das Verrat, und ich könnte niemals mehr in den Spiegel sehen“, sagte Vitali in einem Interview mit Welt am Sonntag. „Natürlich kann man woanders sein“, ergänzte Wladimir im selben Interview: „Aber man hat ein Zuhause.“ Das Gespräch führten die Brüder auf Deutsch, ihre Verbindungen in die Bundesrepublik sind eng. Denn die Boxer sind neben der Ukraine auch im Westen so populär, weil sie während ihrer Zeit als Schwergewichtsboxer auf Weltniveau lange beim Hamburger Universum-Boxstall unter Vertrag standen.

Die Klitschko-Brüder und der Ukraine-Krieg: Ihre Profi-Karriere im Boxen begann in Deutschland

Vitali und Wladimir Klitschko zogen mit ihren Familien nach Hamburg, gründeten dort Unternehmen und gaben 1996 ihr Profidebüt. Vitalis Ehefrau Natalia und ihre Kinder leben nach wie vor in Hamburg. Erst kürzlich sprach Natalia auf einer Großdemonstration gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine.

Vitalis Boxkarriere brachte ihn bis zum Weltmeistertitel. 2013 beendete der heute 50 Jahre alte Ex-Boxprofi seine Karriere. Sein politisches Engagement hatte zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen. Er unterstützte die pro-europäischen und demokratischen Kräfte in seinem Heimatland und ist seit der sogenannten Orangenen Revolution 2004 in der Ukraine politisch aktiv.

Vor dem Hintergrund der Proteste gegen den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch 2014 gingen Bilder von Klitschko um die Welt, wie er auf den Barrikaden im Zentrum Kiews zu den Menschen sprach. Auch nachdem Janukowitsch gestürzt worden war, blieb Klitschko in der ukrainischen Politik, galt zwischenzeitlich sogar als dessen möglicher Nachfolger. Doch dafür fehlte Klitschko die politische Erfahrung. Stattdessen kandidierte er 2014 erfolgreich für das Bürgermeisteramt in Kiew. 2015 und 2020 wurde er wiedergewählt.

Wladimir Klitschko ist fünf Jahre jünger, schaffte es ebenfalls auf den Weltmeisterthron und beendete seine Karriere 2017. Auch er engagierte sich für die demokratischen Kräfte in der Ukraine, blieb jedoch zunächst in Deutschland. Erst im vergangenen Februar ging er zu seinem Bruder nach Kiew und meldete sich als Freiwilliger für das ukrainische Militär.

Ukraine-Krieg: Vitali Klitschko würde lieber für sein Land sterben als zu fliehen

Das Militär ist den beiden nicht fremd. Der Vater ein sowjetischer Luftwaffenoffizier aus der Ukraine, wurde Vitali im Juli 1971 in Kirgistan, Wladimir im März 1976 in Kasachstan geboren. 1984 zog die Familie in die Ukraine, wo die Brüder weiter aufwuchsen und mit dem Boxsport begannen.

Gemeinsam dominierten die Klitschkos über viele Jahre hinweg das Schwergewichtsboxen, machten sich jedoch gleichzeitig als Sympathieträger außerhalb des Boxrings einen Namen. Sie widerlegten das Vorurteil des schlichten Schlägers, machten in Deutschland am Ende gar Fernsehwerbung für Kinder-Süßigkeiten.

Doch seitdem ist einiges passiert in der Welt. Wenn er morgens aufwache, denke er, es sei alles ein Traum, erklärte Vitali vor einigem Tagen in einem Interview mit dem ARD-„Morgenmagazin“ aus dem zur Festung gewordenen Kiew. „Aber es ist leider Realität.“ Er habe geschworen, sein Land zu verteidigen. „Wenn ich sterben muss, dann sterbe ich. Es ist eine Ehre, für sein Land zu sterben, für jeden, der sein Land liebt.“ (tk/AFP)

Auch interessant

Kommentare