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Klima in der Zeitenwende: Das macht der Ukraine-Krieg mit der Umwelt

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Von: Joachim Wille

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Der größte Stausee des Dnipro bei Krementschuk war 2022 auf einem nie dagewesenen Niedrigstand.
Der größte Stausee des Dnipro bei Krementschuk war 2022 auf einem nie dagewesenen Niedrigstand. © Imago

Kampfjets lassen Kerosin, AKWs stellen den Betrieb ein, Wälder werden kontaminiert: Was in der Ukraine geschieht, ist fürchterlich. Doch es gibt Grund zur Hoffnung.

Kiew – Attacken mit Panzern, Raketen, Kampfjets: Der Ukraine-Krieg führt zu unermesslichem menschlichen Leid – und auch zu verheerenden Zerstörungen an Gebäuden und Infrastruktur sowie zu Umwelt- und Klimaschäden. Doch: Langfristig könnte der Konflikt, der die Erdgas-, Erdöl- und Strommärkte durcheinandergebracht hat, freilich zu einem schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien führen – und damit sogar den Klimaschutz befördern.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt angesichts des Krieges vor „weitreichenden und schweren Schäden mit unmittelbaren und längerfristigen Folgen für die menschliche Gesundheit und die Ökosysteme“. Das ukrainische Umweltministerium zählt bislang über 2000 solcher Fälle. Und die ukrainische NGO „Audit Chamber“ schätzte bereits vor zwei Monaten, dass die finanziellen Schäden durch kriegsbedingte Umweltschäden sich bislang auf 34 Milliarden Euro belaufen.

Klima-Belastung durch den Ukraine-Krieg: Vor allen der Donbass leidet extrem – kaum sauberes Trinkwasser

Am schwersten betroffen von den Umweltschäden ist der Donbass, wo mit Unterbrechungen bereits seit 2014 in der Ukraine gekämpft wird. Doch Moskau hat inzwischen den Krieg aufs ganze Land ausgebreitet und lässt gezielt Kraftwerke, Treibstofflager und Anlagen der Wasserversorgung bombardieren. Schadstoffe belasten die Luft und das Grundwasser, und es wird geschätzt, dass rund sechs Millionen Menschen keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Auch die Natur ist betroffen. Die Umweltstiftung WWF rechnet damit, dass rund drei Millionen Hektar Wald von den Kampfhandlungen betroffen sind, was einem Drittel aller ukrainischen Wälder entspricht. In Mitleidenschaft gezogen seien auch 20 Prozent der Naturschutzgebiete. Negative Folgen haben die Kämpfe auch für den besonders wichtigen Agrarsektor. Brände hätten Ernten und Viehbestände dezimiert, heißt es bei der Nationalen Agrar-Universität der Ukraine.

Laut Berechnungen britischer Behörde: Russlands Aufrüstung für fünf Prozent Emissionen verantwortlich

Die Klimabilanz des Krieges ist schwierig zu quantifizieren – selbst vorläufig. Eine Rolle spielen die direkten Treibhausgas-Emissionen der Kampfjets, Truppentransporter, Panzer und Schiffe. Ein Kampfflieger beispielsweise verbraucht rund 5000 Liter Kerosin pro Flugstunde, ein sowjetischer T-72-Panzer etwa 250 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Andererseits sinken die CO2-Emissionen zum Beispiel, wenn fossile (Heiz-)Kraftwerke wegen der Angriffe nicht weiter betrieben werden können. Wie stark die weitere Aufrüstung in Russland und als Reaktion auch der Nato zu einem Anstieg des CO2-Ausstoßes führen wird, ist naturgemäß unklar. Die britische NGO „Scientists for Global Responsibility“ schätzt, dass das Militär und die wehrtechnische Industrie weltweit generell für rund fünf Prozent der Emissionen verantwortlich sind.

Energiekrise durch Ukraine-Krieg befeuert Umstiegspläne auf grünere Alternativen

Wichtiger noch als die direkten Emissionen durch Panzer und Jets sind für die globale CO2-Bilanz natürlich die kurz- und langfristigen Veränderungen in der Energiepolitik, die durch die von Wladimir Putin angeordnete Invasion ausgelöst wurden.

Aktuell sind die Emissionen etwa in Deutschland und der EU angestiegen, etwa, weil stillgelegte Kohlekraftwerke wieder hochgefahren wurden und mehr klimaschädliches Flüssiggas verbraucht wurde. Viele Länder haben jedoch, auch unter dem Eindruck des Krieges und der explodierten fossilen Energiekosten, ihre Umstiegspläne auf CO2-freie Energien forciert. Das kann langfristig helfen, die globalen Emissionen schneller zu senken. (Joachim Wille)

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