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Ukraine-Krieg: Großeinsatz der Polizei gegen Besetzer von Oligarchen-Villa wird teuer

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Von: Stefan Krieger

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In London besetzten vier Menschen das Anwesen eines russischen Oligarchen. Daraufhin kommt es zu einem gewaltigen Aufgebot der Polizei.

London - Am 14. März 2022 besetzten Aktivisten ein Herrenhaus im Westen Londons, das dem Industriellen Oleg Deripaska aus Russland gehört. Deripaska hat sein Vermögen mit Energie und Metallen gemacht. In einer Erklärung sagten die Hausbesetzer damals: „Russische Oligarchen: Ihr besetzt die Ukraine, wir besetzen euch“.

Die Londoner Polizei hat jetzt einem Bericht des Internetportals Vice zufolge mitgeteilt, dass insgesamt 176 Beamte eingesetzt wurden, um gegen die vier Pro-Ukraine-Demonstranten vorzugehen, die die Villa vorübergehend besetzt hatten. Die Aktion habe den britischen Steuerzahler mehr als 80.000 Pfund (ca. 94.000 Euro) gekostet.

Der russische Oligarch Oleg Deripaska.
Der russische Oligarch Oleg Deripaska. © Anatoly Maltsev/dpa

Ukraine-Krieg: Oligarchen-Villas als Anlaufpunkt für Geflüchtete

Das Haus solle „als Zentrum für die Unterstützung von Flüchtlingen dienen, für Ukrainer und Menschen aller Nationen und aller Ethnien“, hieß es damals in der Erklärung der Besetzer. Am Tag zuvor hatte Minister Michael Gove erklärt, die Regierung wolle „eine Option“ prüfen, die Villen sanktionierter Oligarchen für die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine zu nutzen. Dies sollte durch die Aktion in die Tat umgesetzt werden.

Doch nach Beginn der Besetzung reagierte die Londoner Metropolitan Police mit einem Großeinsatz, an dem neun Polizeiwagen, Streifenwagen, Bereitschaftspolizei, ein Hubschrauber sowie eine Leiter und ein „JCB Cherry-Picker“ - eine große mobile Plattform - beteiligt waren, um die Demonstranten auf dem Balkon zu erreichen.

Ukraine-Krieg: „Unvorstellbar“ viel Geld verbrannt

Ein Mitglied der Londoner Gruppe, die das Haus besetzt hat, sagte gegenüber Vice World News, der Umfang der Aktion sei „lächerlich“. Er sagte, die Gruppe, die lediglich aus vier Personen bestand, sei über das Ausmaß der Polizeipräsenz an diesem Tag überrascht gewesen. „Irgendwann dachten wir, dass es mehr um den Schutz des Anwesens ging, und nicht um unser Anliegen im Ukraine-Krieg oder die Flüchtlinge aus der Ukraine“.

Menschen, die in London Hilfe für die Ukraine organisieren, sagten gegenüber Vice, es sei „unvorstellbar“, was sie mit einer solchen Summe alles hätten bewirken können. Sergey Movchan, ein Vertreter der Hilfsorganisation „Solidarity“, rechnete vor: „81.000 Pfund sind in der Tat eine beträchtliche Summe, insbesondere für Organisationen wie Solidarity. Für dieses Geld könnten wir etwa 150 kugelsichere Westen der Klasse 4+, einige hundert Helme und mehr als tausend Aderpressen kaufen. All das hätte Leben retten können.“ (skr)

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