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Ukraine-Krieg: Zahlreiche Leichen in Isjum entdeckt – Moskaus Donbass-Offensive stockt

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Von: Peter Rutkowski

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Trümmer einer Shopping Mall in Odessa.
Trümmer einer Shopping Mall in Odessa. © AFP

Der Ukraine-Krieg offenbart immer mehr Gräueltaten. In Isjum wurden 44 Leichen entdeckt. Währenddessen fliegen Raketen auf Odessa.

Isjum – Was in Isjum am Dienstag, Tag 79 des Krieges, entdeckt wurde, reicht eigentlich für vielerlei: Für schockierten Pazifismus, für ein erschreckendes Kriegstrauma, für unversöhnlichen Hass auf den Feind. In einem Haus dort wurden 44 Leichen entdeckt, berichteten ukrainische Stellen. Die Toten hatten dort unbeachtet herumgelegen, seit ein russischer Artillerieschlag das Gebäude traf. Im März.

Der Gräuel am nördlichen Teil des großen Frontbogens wurde überschattet von Nachrichten aus Odessa. Von dort kamen Bestätigungen der Raketenangriffe vom Montag, während EU-Ratspräsident Charles Michel zu Besuch war: Mehrere Gebäude wurden zerstört, ein Einkaufszentrum in Brand gesetzt und mindestens ein Mensch getötet. Ob es Verletzte gab, ist nicht bekannt. Michel musste sich bei seinem aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Besuch vor den Angriffen in Sicherheit bringen.

Ukraine-Krieg: Gerettete Zivilpersonen berichten von Lage in Mariupol

Im Donbass und im Südosten des Frontbogens verstärkten sich die Kämpfe am Dienstag. Im Donbass bereiteten sich die russischen Truppen weiterhin auf Vorstöße in den Regionen Lyman und Sewerodonezk vor, teilte der ukrainische Generalstab mit. Das Asowstal-Werk in Mariupol wurde offenbar weiterhin von Artillerie beschossen und aus der Luft angegriffen. Wie weit die russischen Truppen mit ihren „Sturmaktionen“ in dem von den letzten Verteidigern verschanzten unterirdischen Labyrinth am Dienstag kamen, war nicht bekannt.

Die aus dem umkämpften Stahlwerk inzwischen geretteten Zivilpersonen berichteten dem britischen „Guardian“, dass sie zum Teil zwei Monate im Untergrund hatten ausharren müssen. Die meisten hätten zuletzt praktisch nichts mehr zu essen gehabt. Notdurft draußen zu verrichten, sei schließlich zu einem tödlichen Risiko geworden. Die meisten der nun auf ukrainischem Gebiet Angekommenen besitzen nicht mehr, als was sie am Leib tragen. Laut UN sind nun mindestens acht Millionen Menschen in der Ukraine auf der Flucht – das ist ein Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Ukraine-Krieg: Moskaus Donbass-Offensive stockt

Gleichwohl kommen die russischen Bodentruppen mit ihren Vorstößen zwischen Charkiw im Nordosten und Odessa im Südwesten nicht voran, meldete am Dienstag (10. Mai) das US-amerikanische Institute for the Study of War (understandingwar.org).

Der Thinktank gibt praktisch tägliche Briefings zum Ukraine-Krieg heraus. Demnach soll die von den Russen eingesetzte Söldnertruppe Wagner „hunderttausende frische Truppen“ von Moskau gefordert haben; gleichwohl sei „unter der Hand“ bereits eine umfassendere Mobilisierung von Wehrdienstleistenden für die Front im Gange. Laut dem US-Institut sind deren Einsatz und der Unwille vieler Offiziere mitverantwortlich für militärische Rückschläge wie auch Kriegsverbrechen. (Peter Rutkowski/afp)

Die Lage im Ukraine-Konflikt spitzt sich sowohl militärisch als auch humanitär weiter zu. Putin will offenbar das Kriegsrecht in Russland verhängen.

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