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Russland will Ukraine leiden lassen – US-General warnt vor neuer Kriegsphase

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Von: Andreas Apetz

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Ein Grad-Mehrfachraketenwerfer des ukrainischen Militärs feuert Raketen auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Nähe von Bachmut in Region Donezk
Ein Grad-Mehrfachraketenwerfer des ukrainischen Militärs feuert Raketen auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Nähe von Bachmut in Region Donezk. (Archivfoto) © Libkos/dpa

Ein ehemaliger US-amerikanischer General warnt die Ukraine vor einem „eingefrorenen Konflikt“ im Osten des Landes.

Washington – Seit neun Monaten hält der Ukraine-Krieg nun an. Ein Ende ist nicht in Sicht, doch seit der Niederlage des russischen Militärs in der Region Cherson, scheint es so, als würden die ukrainischen Streitkräfte Stück für Stück an Oberwasser gewinnen. Mittlerweile ist sogar von einer Rückeroberung der Krim im Dezember die Rede.

Laut dem US-amerikanischen General Mark Hertling sei die vermeintliche Siegessträhne der Ukraine nur mit Vorsicht zu genießen. Auf Twitter spricht der ehemalige Generalleutnant der US-Streitkräfte vom Beginn einer neuen Phase des Krieges und prognostiziert einen langwierigen Stellungskrieg im Osten und Süden der Ukraine.

Ukraine-Krieg wird zum „eingefrorenen Konflikt“

Es sei die „Vierte Phase“ des Ukraine-Krieges, sagt Hertling. Anfänglich sei es Russland um einen schnellen Regierungswechsel in Kiew gegangen. Die wäre laut dem amerikanischen General die erste Phase des Krieges gewesen. In der zweiten Phase habe sich der Konflikt in den Osten verlagert und sei zu einem Ressourcenkrieg von Ausrüstung und Munition geworden. Die dritte Phase habe mit der Gegenoffensive der Verteidiger begonnen.

Nun sei der Ukraine-Krieg in der vierten Phase angekommen. Moskau würde einen „eingefrorenen Konflikt“ provozieren, also einen Stellungskrieg im Osten und Süden der Ukraine. Russland wolle sich dadurch Zeit erkaufen, um seine „seine Streitkräfte wieder aufzubauen“ und später „erneut anzugreifen“. Hertling warnt auf Twitter davor, die Ukraine und der Westen dürfen „nicht auf diese Finte hereinfallen.“

„Leiden des ukrainischen Volkes“ als russisches Kriegsziel

Die Strategie habe die Situation in Transnistrien, einer russisch dominierten, nicht anerkannten und abtrünnigen Republik in Moldawien, zum Vorbild. Nach einem kurzen Krieg gilt der Konflikt seit 1992 als „eingefroren“. Die wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit von Russland sowie der unsichere politische Status behindern jedoch seit jeher die Entwicklung der Region. Im Zuge des Ukraine-Kriegs drohte ein erneutes Aufleben des Konflikts in Transnistrien.

In der Ukraine könne man sich den „wackeligen Versuch eines Waffenstillstands“ nicht erlauben, so Hertling. Russlands Präsident Wladimir Putin werde die Pause nutzen, um neue Truppen zu mobilisieren und währenddessen die ukrainische Infrastruktur zerstören. „Russland konzentriert sich in erster Linie auf die weitere Zerstörung der Infrastruktur in der Ukraine und das Leiden des ukrainischen Volkes - mit dem Ziel, Zugeständnisse zu erreichen“, schreibt Hertling weiter.

Ukraine erwarten „harte Kämpfe“ im Osten

Auch wenn die Moral der ukrainischen Bevölkerung bislang ungebrochen sei, so stünden im Osten des Landes noch „harte Kämpfe“ bevor. Die Verteidigungslinien würden zwar immer weiter voran rücken, östlich des Dnjepr und im Donbass sei Russland jedoch in einer vorteilhaften Verteidigungsposition. Aufgrund des schwierigen Geländes und der längeren Transportwege brauche die Ukraine eine neue Strategie und andere Waffen, sagte Hertling.

US-General Mark Hertling

Mark Hertling ist ein ehemaliger US-amerikanischer Generalleutnant. Er war von 1975 bis 2012 Teil der United States Army und kommandierte unter anderem die in Deutschland stationierte 1st Armored Division. Zwischen 2011 und 2012 war er Kommandeur der United States Army Europe. Während seiner Zeit in Deutschland wurde er mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold ausgezeichnet.

Das Fazit des US-Generals fällt positiv aus: „Die ukrainische Moral wird durch die fortgesetzten russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur auf die Probe gestellt, aber das Land wird durchhalten“, schreibt Hertling. Seiner Ansicht nach werde das Land „diesen Kampf gewinnen, ihr Territorium und ihre Souveränität zurückerlangen.“ (aa)

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