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Ukraine-Krieg: Gegenoffensive setzt Russland zunehmend unter Druck

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Von: Sandra Kathe

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Mit einer groß angelegten Gegenoffensive will die Ukraine von Russland besetzte Gebiete zurückerobern. Dazu wurden rund 50 russische Munitionslager zerstört.

Kiew – Nach wochenlanger Vorbereitung haben die ukrainischen Streitkräfte im Süden des Landes eine Gegenoffensive gegen die russischen Besatzer eingeleitet. Ziel der Operation sei übereinstimmenden Berichten zufolge die Zurückgewinnung der Stadt Cherson. Die Region rings um die einstige Großstadt mit 300.000 Einwohner:innen gilt strategisch als besonders wichtig, weil sie für die russischen Besatzer eine wichtige Verbindung zur besetzten Halbinsel Krim darstellt.

Bereits seit Wochen kündigt die Militärführung der Ukraine an, zum Gegenschlag gegen die russischen Streitkräfte auszuholen und besetzte Territorien zurückzugewinnen. In Vorbereitung darauf waren in den vergangenen Wochen rund 50 russische Munitions- und Treibstoffdepots zerstört und mehrere strategisch wichtige Brücken über den Fluss Dnipro beschädigt worden, wie Verteidigungsminister Oleksij Resnikow gegenüber dem Nachrichtenmagazin Newsweek bestätigte.

In Vorbereitung einer ukrainischen Gegenoffensive haben die Streitkräfte mehrere strategisch wichtige Brücken beschossen und die Russen damit von wichtigen Versorgungsrouten abgeschnitten.
In Vorbereitung einer ukrainischen Gegenoffensive haben die Streitkräfte mehrere strategisch wichtige Brücken beschossen und die Russen damit von wichtigen Versorgungsrouten abgeschnitten. © Stringer/AFP

Rückeroberung ukrainischer Gebiete: Sicherheitsexperte sieht „exzellente“ Chancen

Für die ukrainischen Truppen sorgen diese Fortschritte für mehrere wichtige strategische Vorteile, wie mehrere Militär-Expert:innen bestätigen. So sei die Stadt Cherson als politisch bedeutendste Stadt in der Region unter russischer Kontrolle vom Rest der besetzten Gebiete nun so gut wie abgeschnitten, wie das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Briefing über die Lage in der Ukraine mitteilt. Auch die Versorgung der russischen 49. Armee sowie der besetzten Gebiete sei für Moskau erschwert.

Wie der ehemalige Sicherheitsberater der ukrainischen Regierung, Alexander Khara, gegenüber Newsweek sagte, habe diese Strategie vor allem aufgrund der gesunkenen Moral unter russischen Armeeangehörigen „exzellente Erfolgschancen“. Eine wichtige Rolle spiele die Region Cherson außerdem für den Schutz der ukrainischen Stadt Odessa vor russischen Angreifern: „Odessa ist unser Tor in die Welt,“ betont der Sicherheitsexperte. Die Rolle von Odessa spüre man derzeit „weit außerhalb des Landes“: Weil Russlands Militär seit Monaten Getreidelieferungen aus dem Hafen blockiert, fehlen gerade in den ärmsten Regionen der Welt Nahrungsmittel.

Gegenoffensive in der Ukraine: Selenskyj berichtet von 20 Prozent verlorenem Territorium

Vonseiten des ukrainischen Generalstabs heißt es offiziell, im Gebiet Cherson gebe es aktuell Positionskämpfe, und russische Truppen seien zu Gegenangriffen an der Grenze zum Gebiet Dnipropetrowsk übergegangen. Doch Moskau verliere angesichts der zerstörten oder beschädigten Brücken wichtige Nachschubrouten. „Unserer Ansicht nach ist eine operative Pause unausweichlich“, sagte ein hochrangiger westlicher Beamter nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur.

Im Hinblick auf die von ukrainischen Streitkräften zerstörten Brücken betonte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache, dass nach der Rückeroberung alles wieder aufgebaut werde. „Wir werden unser ganzes Land mit militärischen, diplomatischen und allen anderen zugänglichen Instrumenten befreien.“ Selenskyj zufolge habe die Ukraine bislang rund ein Fünftel ihres Staatsgebiets an Russland verloren. Dieses wiederzugewinnen und die Menschen in den besetzten Gebieten von russischer Kriegsherrschaft zu befreien, hatte Selenskyj bereits mehrfach zur obersten Priorität erklärt. (ska mit dpa)

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