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Geschlagen und beschimpft: Schwarze Ukraine-Geflüchtete berichten von Rassismus

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Ukraine-Krieg
Menschen aus der Ukraine, die die Grenze überqueren wollen, müssen anstehen. Doch wer nicht Weiß ist, wird mitunter wieder ans Ende der Schlange geschickt. © Louisa Gouliamaki/AFP

Drei Geschwister sollen beim Grenzübertritt nach ihrer Flucht aus der Ukraine rassistisch benachteiligt und körperlich angegriffen worden sein. 

Kiew/Warschau – Nach tagelanger Reise zu Fuß stellten sich die kongolesischen Geschwister Jeancy, Nahomy und Israel an, um die Grenze nach Polen zu überqueren. Zu einem Zeitpunkt der Flucht aus Kiew, zu dem sich die Studierenden eigentlich in Sicherheit wissen sollten, erlebten sie verbalen und körperlichen Rassismus.

„Die Einwanderungsbeamten, sowohl männliche als auch weibliche, beschimpften uns als N*gger und schwarze Schlampe; meinen Bruder bezeichneten sie als Affen“, sagte die 24-jährige Jeancy der britischen Zeitung The Independent. Sie habe um Wasser gebeten, man habe es ihr jedoch verwehrt. Als die drei Geschwister es in der Warteschlange nach vorn geschafft hatten, habe man sie wieder ans Ende der Schlange geschickt. Zudem trennten die Grenzbeamten die Geschwister, davon ein Bruder mit Behinderung, wodurch er Betreuung benötigt. „Als ich sagte, dass wir unseren Bruder mitnehmen müssen, fingen sie an, uns zu schlagen und zu schreien, wir sollten wieder nach draußen gehen“, sagte Jeancy.

Vor dem Ukraine-Krieg geflüchtet, von Grenzbeamten angegriffen

Ein männlicher Wachmann habe sie brutal angegriffen. Schlimmer sei die Demütigung noch gewesen, weil in diesem Moment ihre Periode einsetzte. „Ich ertrug die Schmerzen der Angriffe, konnte aber nicht weinen“, zitiert The Independent die Studentin. Mehrere Leute hätten einzugreifen versucht.

Schließlich habe man Jeancy und ihre Schwester Nahomy, 26, durch das erste Tor gelassen, nicht jedoch ihren jüngeren Bruder Israel. Neben einer Behinderung, die er durch einen rassistischen Angriff noch vor dem Ukraine-Krieg erlitten hatte, spreche dieser auch kein Englisch. Voneinander getrennt mussten die Geschwister weitere körperliche Attacken ertargen, Israel sei ins Gesicht geschlagen worden und habe blaue Flecken erlitten, Nahomy sei mehrmals mit einer Schusswaffe in den Bauch geschlagen und in das Provinzkrankenhaus St. Padre Pio in Polen eingeliefert worden.

EU-Ratspräsident streitet Rassismus an der Grenze zur Ukraine ab

Als der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich, Vadym Prystaiko, am Mittwochmorgen (09.03.2022) vom Innenausschuss befragt wurde, räumte er die schlechte Behandlung von Schwarzen und People of Colour an der Grenze ein. Als Lösung für das Problem schlug er aber lediglich eine Absonderung vor.

Die Vereinten Nationen äußerten sich ebenfalls zu den Berichten über Diskriminierung von Menschen, die vor dem russischen Angriffskrieg fliehen. Sie verurteilten Rassismus jeglicher Art und forderten, dass die nationalen Behörden die Täter zur Verantwortung ziehen.

EU-Ratspräsident Charles Michel hingegen streitet systematischen Rassismus gegen Flüchtlinge aus der Ukraine an der polnischen Grenze ab und bezeichnet ihn als Propaganda aus Russland. „In keinem Fall wurde auf ukrainischer noch auf polnischer Seite bewusst diskriminiert“, sagte Michel im französischen Radio. (tk/AFP)

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