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„28 Frauen in einer Zelle“: Ukrainische Soldatin berichtet über Kriegsgefangenschaft

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Von: Michelle Brey

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Ein Jahr Krieg in der Ukraine - Mariupol
Rauch steigt aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol auf. Ukrainische Soldaten hatten sich darin wochenlang verschanzt. © Uncredited/dpa

Nach wochenlanger Verteidigung des Asow-Stahlwerks gerieten ukrainische Soldaten in Gefangenschaft. Von den Umständen dort erzählte eine Soldatin. 

Frankfurt - Das Stahlwerk Asowstal in Mariupol ist im Ukraine-Krieg zu einem der Sinnbilder des Widerstands geworden. Die Hafenstadt im Süden des Landes wurde schon in den ersten Tagen des Ukraine-Konflikts von russischen Truppen eingekreist - und fast völlig zerstört. Ukrainische Verteidiger verschanzten sich wochenlang in dem Stahlwerk - darunter eine 26-jährige Soldatin. Sie berichtete von der Zeit, in der sie in den unterirdischen Tunneln ausharrte und der anschließenden Zeit in russischer Gefangenschaft.

Ukraine-Krieg: Soldaten wochenlang im Asow-Stahlwerk - 26-Jährige erzählt von Zeit in den Tunneln

Als eine von insgesamt acht Frauen verschanzte sich die 26-Jährige in dem Stahlwerk. „Wir Frauen haben uns hauptsächlich darum gekümmert, die verletzten Soldaten medizinisch zu versorgen“, sagte sie gegenüber RTL.de. Und Verletzte habe es jeden Tag viele gegeben, fügte sie an. Mit der Zeit seien die Lebensmittel knapp geworden und die Medikamente ausgegangen. Für die männlichen Soldaten sei die Anwesenheit der Frauen „eine moralische Stütze“ gewesen, das hätten sie ihnen „immer wieder gesagt“.

Zwischen dem 16. und dem 20. Mai 2022 ergaben sich Hunderte ukrainische Soldaten. Sie gerieten in Gefangenschaft und Russland drohte mit der Todesstrafe. Viele Ukrainerinnen forderten die Freilassung. Die Regierung in Kiew um Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte mehrfach, die Asow-Kämpfer gegen russischen Kriegsgefangene austauschen zu wollen. Moskau erwiderte damals, die ukrainischen Kämpfer sollten vor Gericht gestellt werden.

„28 Frauen in einer Zelle“: Junge Ukrainerin berichtet über Kriegsgefangenschaft

Viereinhalb Monate lang hielt Russland um Kreml-Chef Wladimir Putin die 26-jährige Ukrainerin in Gefangenschaft. Sie wurde schließlich im Austausch freigelassen. Einen Teil der Zeit verbrachte sie in einem Gefängnis in Russland. Ihre männlichen Kollegen aber ließen die Russen nicht gehen. Das sei auch ein Grund, weshalb sie nicht viel über die Zeit in Kriegsgefangenschaft reden möchte, sagte sie gegenüber RTL.de. „Ich möchte ehrlich gesagt nicht detailliert erzählen, was sie mit mir gemacht haben oder mit anderen, weil unsere Männer noch in Gefangenschaft sind und die Russen jedes Wort verfolgen, das über die Gefängnisse gesagt wird.“

Zu den Bedingungen in dem Gefängnis sprach die Soldatin aber dennoch: „Wir waren 28 Frauen in einer Zelle, die eigentlich nur Platz für sechs Menschen hatte.“ Die Russen hätten ihnen zwar Essen und Wasser gebracht. Doch „das Wasser war verdreckt, dort schwammen lebende Tierchen drin“, erzählte sie gegenüber dem Medium. Die viereinhalb Monate in Gefangenschaft hätten sich angefühlt wie „zehn Jahre“, sagte die Ukrainerin. Kurz nach ihrer Freilassung begann sie als Grenzschützerin an der Grenze zu Polen zu arbeiten. (Michelle Brey)

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