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Handel mit Russland: Ministerpräsidenten uneinig über Rückkehr zu russischem Gas

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Von: Sandra Kathe

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Während Sachsens Ministerpräsident wieder Gas aus Russland beziehen will, spricht sein Amtskollege in Niedersachsen von einem Verhältnis, das „auf Jahre zerrüttet“ ist.

Berlin – Während in der Ukraine noch immer heftig gekämpft wird, um von Russland annektierte Landesteile zu erhalten, beginnt in Deutschland eine öffentliche Diskussion um russisches Erdgas. So äußerte etwa der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Gespräch mit dem Boulevard-Blatt Bild am Sonntag den Wunsch, nach Ende des Ukraine-Kriegs wieder russisches Erdgas zu beziehen. Sein niedersächsischer Amtskollege Stephan Weil (SPD) widerspricht.

Neben der Rückkehr zu russischem Gas nach Kriegsende forderte Kretschmer auch „langfristige Verträge für Flüssiggaslieferungen aus den USA, Katar und anderen arabischen Ländern.“ Zudem solle Deutschland vor seinen Nordseeküsten auch selbst mit der Erschließung von Erdgas beginnen. Kritik an Forderungen wie dieser gibt es jedoch bereits länger. Das Hauptproblem dabei: Die Vorbereitungen, die zum aktiven Fördern von Erdgas benötigt werden, seien sehr umfangreich und dauerten entsprechend lange, wie etwa der Deutschlandfunk wenige Wochen nach Beginn des Kriegs berichtete. Im Gegensatz dazu hätten sich viele deutsche Länder bereits das Ziel gesetzt, schon in wenigen Jahren auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Soll nach Kriegsende in der Ukraine wieder russisches Gas nach Deutschland fließen? Die Meinungen sind gespalten.
Soll nach Kriegsende in der Ukraine wieder russisches Gas nach Deutschland fließen? Die Meinungen sind gespalten. (Symbolfoto) © Stefan Sauer/dpa

Ukraine-Krieg und die Folgen für den Handel mit Russland: Kretschmer glaubt an Verhandlungen

Für ein rasches Kriegsende forderte Kretschmer zum wiederholten Mal diplomatische Anstrengung seitens des Westens und betonte seine Überzeugung, dass eine Verhandlung nicht bedeuten müsse, dass die Ukraine auf Teile ihres Staatsgebiets verzichten muss. „Es gibt keinen einzigen Grund, warum die Ukraine auch nur auf einen Quadratmeter ihres Territoriums verzichten sollte. Kriegsschäden müssen von Russland ausgeglichen, Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen werden. Mit dieser Haltung muss man in Friedensgespräche gehen“, so Kretschmer.

Skeptischer über ein zeitnahes Kriegsende oder Wiederaufleben der Handelsbeziehungen äußerte sich daraufhin der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. „Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland ist, so fürchte ich, auf Jahre zerrüttet. Ich sehe derzeit leider nicht, dass das durch den brutalen Krieg zerstörte Vertrauen in absehbarer Zeit wiederhergestellt werden kann“, zitierte die Neue Osnabrücker Zeitung am Sonntag den niedersächsischen Landesvater, dessen SPD erst Anfang des Monats die Landtagswahl mit einiger Führung für sich entschied. Er sprach sich dafür aus, sich auf den Ausbau von erneuerbaren Energien zu konzentrieren.

Erneute Gaslieferungen aus Russland: Ukraine-Krieg und zerstörte Piplines sprechen vorerst dagegen

Tatsächlich sollten zu den Hauptproblemen neben den derzeitigen politischen Differenzen zwischen Russland und dem Westen auch die technischen Schwierigkeiten gehören, die durch die rätselhafte Beschädigung der Nordsee-Pipelines Ende September entstanden sind. Auf Nachfrage, ob die mutmaßlich durch einen Akt von Sabotage aufgerissenen Leitungen repariert werden sollten, sagte Kretschmer der Bild am Sonntag „Wir werden Pipeline-Gas brauchen, und das geht nur mit funktionierenden Pipelines.“

Neue Details zu den beschädigten Gasleitungen veröffentlichte vergangene Woche auch die schwedische Boulevard-Zeitung Expressen, die von Rissen auf einer Länge von bis zu 50 Meter spricht. Sowohl schwedische als auch dänische und deutsche Behörden haben inzwischen Ermittlungen aufgenommen, wie es zu den Schäden kommen konnte. (ska mit dpa)

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