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Ukraine-Krieg: „Razoni“ auf gefährlicher Tour – Erster Frachter verlässt Odessa

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Von: Florian Dörr

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Über Monate wurde er blockiert. Nun hat das Frachtschiff „Razoni“ den Hafen von Odessa verlassen. Es lauerten gleich mehrere Gefahren für die Crew.

Odessa – Fast ein halbes Jahr war es her, dass das Frachtschiff „Razoni“ auf hoher See unterwegs war. Nun ist es wieder so weit. An Bord: nach offiziellen Angaben rund 26.000 Tonnen Mais. Am Montagmorgen (1. August) gegen 8 Uhr verließ der 186 Meter lange Frachter den Hafen, das erste Transportschiff seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Es war ein außergewöhnliches wie gefährliches Unterfangen.

Hintergrund: Weil im Februar erste russische Kriegsschiffe vor Odessa aufgefahren waren, schützte die ukrainische Armee den Hafen mit Seeminen. Sie sollten beim Plan helfen, weitere Angriffe auf die Ukraine über das Meer zu verhindern. Der Hafenbetrieb wurde eingestellt, Moskau wurde später eine Blockade der ukrainischen Getreide-Ausfuhren vorgeworfen. Doch am 22. Juli sicherte Russland in einem Abkommen zu, dass Schiffe drei Häfen in der Ukraine über einen Seekorridor verlassen dürfen, ohne angegriffen zu werden. Das Abkommen umfasst die ukrainischen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschny.

Ukraine-Krieg: Frachter „Razoni“ verlässt Odessa – Gefahr von Angriffen und Seeminen

Für die „Razoni“ ist es jedoch eine heikle Tour. Zum einen war unklar, ob Moskau seine Versprechen hält und den See-Korridor respektiert. Russland hatte nur einen Tag nach der in Istanbul getroffenen Vereinbarung den Hafen von Odessa beschossen und damit zwischenzeitlich die Besorgnis ausgelöst, dass der Getreidedeal platzen könne. Zum anderen bestand die Gefahr durch Seeminen, die sich losgerissen haben könnten.

Der Massengutfrachter „Razoni“ verlässt den Hafen von Odessa.
Der Massengutfrachter „Razoni“ verlässt den Hafen von Odessa. Das unter der Flagge Sierra Leones fahrende Schiff befördert rund 26.000 Tonnen ukrainisches Getreide in den Libanon. © Michael Shtekel/AP/dpa

Dabei ist der Getreide-Export aus der Ukraine von enormer Bedeutung. Und das aus gleich mehreren Gründen: Einerseits sollen so Millionen Tonnen Getreide wieder für den Weltmarkt verfügbar werden. Immerhin zählte die Ukraine vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren der Welt. Die Nahrungsmittel aus der Ukraine werden auf dem Weltmarkt – vor allem in Asien, Afrika und Nahost dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt bereits vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Getreide-Exporte aus Ukraine wichtig für Kiew und die ganze Welt

Andererseits geht es für das Land selbst um Milliardeneinnahmen aus dem Verkauf unter anderem von Weizen und Mais. Laut Spiegel könnte die Wirtschaft in Kiew durch die Öffnung der drei Häfen mindestens eine Milliarde US-Dollar (rund 980 Millionen Euro) generieren. Die Silos müssen wegen der neuen Ernte zudem dringend freigemacht werden.

Wie geht es nun weiter, nachdem die „Razoni“ den Hafen von Odessa verlassen hat? Der Frachter und alle folgenden Schiffe werden von einem Kontrollzentrum in Istanbul überwacht. Das ist mit Vertretern Russlands, der Ukraine, der Vereinten Nationen und der Türkei besetzt. Die durch Istanbul verlaufende Meerenge Bosporus ist der einzige Seeweg vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer. Die Türkei hat die Hoheit über den Bosporus. Hintergrund der Kontrollmaßnahme, die von Russland verlangt worden war: So soll sichergestellt werden, dass die Frachtschiffe keine Waffen oder Ähnliches an Bord haben. (fd)

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