1. Startseite
  2. Politik

„Terror“ im Ukraine-Krieg: Für die Zivilbevölkerung wird es immer gefährlicher

Erstellt:

Von: Peter Rutkowski

Kommentare

Überreste eines Lebensmittelladens im Amstor-Einkaufszentrum in Krementschuk nach dem russischen Angriff.
Überreste eines Lebensmittelladens im Amstor-Einkaufszentrum in Krementschuk in der Ukraine. Russische Angriffe konzentrieren sich jetzt auch auf zivile Ziele. © Genya Savilov/afp

In Mykolajiw in der Ukraine sterben mehrere Menschen durch russische Raketen. Präsident Selenskyj spricht von Terror und die Experten geben ihm recht.

Mykolajiw – Zuerst war es Kiew, dann war es das Einkaufszentrum in Krementschuk, und nun ist es Mykolajiw: Am 126. Tag des Krieges beschoss russische Raketenartillerie ein Wohnviertel der in Frontnähe gelegenen südukrainischen Stadt. Mindestens drei Menschen wurden getötet, fünf verletzt. Bürgermeister Oleksandr Senkevitsch richtete einen dringen Appell an die Bevölkerung, die Stadt zu verlassen. Am Mittwoch (22. Juni) seien allein acht Raketen auf Mykolajiw niedergegangen.

In Krementschuk, wo vorgeblich ein Waffenlager getroffen wurde, durchkämmen die Rettungsdienste weiterhin die Trümmer der ausgelöschten Shopping-Mall. Noch immer werden Menschen vermisst, die dort am Montag am Einkaufen waren, als die Rakete explodierte. Im Übrigen behauptet die russische Führung, sie habe in Mykolajiw erfolgreich „ein Trainingslager für ausländische Söldner“ zerstört. Dafür gibt es keine Anzeichen.

Selensky wirft Russland Terrorismus vor: Russische Angriffe weitab der Front

Es gibt aber alle Anzeichen für den Vorwurf, mit dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Beginn der Nato-Tagung in Madrid am Mittwoch aufwartete. Die neuerlichen Angriffe auf Städte weit weg vom derzeitigen Kriegsgeschehen belegten: „Russland ist ein terroristischer Staat.“ Das geht weit hinaus über das bislang Heftigste, zu dem sich ein westlicher und Nato-Staatschef hat hinreißen lassen: Boris Johnsons Einschätzung, Wladimir Putin sei ein Paradeexemplar für „toxische Männlichkeit“. Oder anders gesagt – die Quelle ist ebenfalls die britische Regierung: „Putins Krieg beruht auf Lügen.“

Eher der Wahrheit entspricht der von Kiew zwar nicht eingestandene, aber offensichtliche „kämpfende Rückzug“ seiner Truppen aus dem Donbass. Für das US-amerikanische Institute for the Study of War deutet alles daraufhin, dass die Ukrainer nachdrängenden russischen Truppen kontinuierlich weitere Verluste zufügten, bis sie eine beherrschende neue Verteidigungslinie zwischen befestigten Städten wie Kramatorsk, Siwjersk und Slowjansk erreichten. Wenn dort der westliche Nachschub ankommt, steigt die Chance auf einen neuerlichen Stellungskrieg.

Nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums vom Mittwoch muss derweil davon ausgegangen werden, dass die Russen kontinuierlich weitere zivile Ziele angreifen werden, um irgendwann diesen Nachschub zu treffen. Dabei, so London, gelte ganz offensichtlich die Doktrin, dass „Kollateralschäden“ akzeptabel seien, wenn man auch mal militärische Ziele trifft. Nach Kiew, Krementschuk und Mykolajiw werden also noch viele weitere Städte folgen. Die beständige Unsicherheit und Angst, die diese Aussicht hervorruft, gelten üblicherweise als Terrormerkmale. (Peter Rutkowski)

Um die Opposition im eigenen Land zu verhindern, ergreift Putin drastische Maßnahmen. Eine Reihe mysteriöser Todesfälle unter russischen Oligarchen in den letzten Monaten sei deshalb „kein Zufall“, so ein russischer Bankier.

Auch interessant

Kommentare