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Ukraine greift Ziele tief in Russland mit alten Sowjet-Drohnen an

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Von: Sebastian Richter

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In Russland kommt es zu Explosionen auf mehreren Flugfeldern. Hinter den Angriffen soll die Ukraine stecken. Experten rätseln, wie Kiew zu solchen Attacken in der Lage ist.

Frankfurt – Der Ukraine-Krieg ist wohl im russischen Kernland angekommen. Am Montag (5. Dezember) kam es auf zwei Militärflughäfen zu Explosionen, die Ursache ist noch unklar. Moskau macht Kiew für die Angriffe auf die Flugplätze in „Djagiljewo“ im Gebiet Rjasan und „Engels“ im Gebiet Saratow verantwortlich. Am Dienstag (6. Dezember) brach auch auf einem Flugplatz in Kursk ein Feuer nach einem Drohnenangriff aus.

Die Ukraine hat sich bisher nicht zu den Angriffen auf Ziele in Russland bekannt. Die Ziele vom Montag liegen etwa 500 und 725 Kilometer von der Grenze der Ukraine entfernt. Im ukrainischen Arsenal gibt sind offiziell keine Raketen bekannt, die über eine solche Reichweite verfügen, wie die New York Times berichtet. War es trotzdem möglich, dass die Drohnen von ukrainischem Gebiet abgefeuert wurden?

Ukraine-Krieg: Angriffe auf Flugplätze in Russland

Man könnte vermuten, dass die Angriffe von den seit Juni aus den USA gelieferten HIMARS-Geschütze stammen. Deren Reichweite ist allerdings begrenzt, laut dem Wall Street Journal liegt die maximale Reichweite der Systeme bei etwa 300 Kilometern. Außerdem werden für diese Reichweite bestimmte Raketen benötigt, sogenannte „Army Tactical Missile System“ (ATACMS). Diese Raketen hat die USA allerdings gar nicht an die Ukraine geliefert, stattdessen wurde Geschosse mit der Bezeichnung „Guided Multiple Launch Rocket System“ (GMLRS) zur Verfügung gestellt. Diese Lenkmunition hat lediglich eine Reichweite von etwa 70 Kilometern, wie das Portal Task & Purpose das Verteidigungsministerium der USA zitiert.

Waffe der USA: HIMARS im Einsatz. (Archivfoto)
Waffe der USA: HIMARS im Einsatz. (Archivfoto) © IMAGO/Basilio Sepe

Die USA wollen das ukrainische Militär nicht in die Lage versetzen, das russische Kernland mit Langstreckenraketen anzugreifen. Die GMLRS-Munition soll es stattdessen der Ukraine ermöglichen, „jedes Ziel zu erreichen, das sie für den Kampf auf ukrainischem Territorium benötigt“, wie der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Colin Kahl, auf einer Pressekonferenz des Pentagon im Juni erklärte. Auch Präsident Joe Biden erklärte am 30. Mai: „Wir werden keine Raketensysteme an die Ukraine schicken, die Russland treffen können.“

Ukraine soll Russland mit HIMARS-Geschützen nicht erreichen können

Das Wall Street Journal verweist in ihrem Bericht zudem darauf, dass die im Ukraine-Konflikt gelieferten HIMARS-Geschütze von vorneherein so abgeändert wurden, dass ATACMS-Raketen nicht abgefeuert werden können. Wie genau diese Manipulation ausgesehen haben könnte, ist nicht bekannt.

Der pensionierte Marineoberst Mark Cancian, leitender Berater des Zentrums für strategische und internationale Studien, äußert gegenüber Task & Purpose eine Idee, wie die USA das verhindern konnten. Die von den USA geschickten Geschosse seien mit elektronischen Geräten ausgestattet, die die Koordinaten der angepeilten Ziele herunterladen können. „Ich vermute, dass sie alle diese Geräte mit einigen Einschränkungen versehen haben“, sagte Cancian. „Ich bin sicher, dass sie eine Feuerverbotszone über ganz Russland eingerichtet haben.“

Flugzeuge der Marke Tupolew auf dem Militärflughafen „Engels“ in Saratow, Russland. (Archivbild)
Flugzeuge der Marke Tupolew auf dem Militärflughafen „Engels“ in Saratow, Russland. (Archivbild) © STRINGER/AFP

Ukraine fliegt Angriffe auf Russland mit alten Sowjet-Drohnen

Sollte es sich zeigen, dass die Ukraine für die Angriffe auf die Flugplätze in Russland verantwortlich ist – der Einsatz von HIMARS-Geschützen scheint dafür unwahrscheinlich. Stattdessen gehe man davon aus, dass „die Ukraine einen alten, sowjetischen Flugkörper wieder aktiviert hat“, wie Militärökonom Marcus Keupp gegenüber dem ZDF berichtet.

Genau geht es um Drohnen vom Typ Tupolew M-141. Diese wurden ursprünglich als Aufklärungsdrohnen mit einer Reichweite von etwa 1000 Kilometern konzipiert. Die Reichweite passt also. Die Ukraine könnte diese alten Sowjet-Waffen nun mit GPS und einem Sprengkopf ausgerüstet haben und so zur Waffe umfunktioniert haben, so Keupp. Das bedeutet allerdings auch: Selbst die Haupstadt Moskau kann von ukrainischem Boden aus angegriffen werden.

Das spiegelt den schlechten Zustand der Verteidigungsvorrichtungen in Russland wider. Die abgefeuerten Drohnen wurden bei den jüngsten Angriffen nicht abgefangen, vermutlich nicht einmal von der Luftraumüberwachung Russlands bemerkt. Die Tupolew M-141 sei zwar schneller als eine normale Drohne, allerdings „nichts, was ein Radar nicht erfassen könnte“, analysiert Keupp gegenüber dem ZDF. Sollte die Drohne von der Radarerfassung unbemerkt geblieben sein, zeige das „schon ein gewisses systemisches Versagen.“ (spr)

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